A Total War Saga: Troy für den PC in der Rezension: Altgriechische Schlachtplatte

© Creative Assembly

Die Total War Reihe gibt es nun schon seit rund 20 Jahren und ähnlich lange sind diese Spiele für mich etwas ganz Besonderes. Und das auf eine ganz eigenartige Weise, denn die Games bringen alles mit, was ich liebe: Große Schlachten, Taktik und Strategie. Auch die unterschiedlichen Settings bedienen mich komplett, als Geschichtsnerd bin ich natürlich bei Samurai, Kreuzzügen und den Napoleonischen Kriegen dabei und als Nerdnerd liebe ich natürlich die Welt von Warhammer. Aber ich habe jedes Total War nach ein paar Stunden aufgegeben. Vielleicht ist der Nerdnerd in mir am Ende doch nur ein lausiger Casual, aber am Ende wurde ich immer verprügelt, weil ich den Schlachten aus nächster Nähe beiwohnen wollte und meine Geduld bei der Schlachtaufstellung schon zuende war, bevor die Ladezeit durch war. Aber hey, da war das Spiel halt stärker als ich und auch dieses Mal gebe ich der Reihe wieder seine wohlverdiente Chance. Creative Assembly kann ja nix dafür, dass ich scheinbar zu doof für Total War bin.

Aber genug von meiner persönlichen Odyssee, widmen wir uns jetzt mal dem neuen Setting.

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Willkommen in der Bronzezeit

Ersparen wir uns mal alle unnötigen Wortspiele zum englischen Namen Trojas, da sind schon erfolgreichere Musiker dran gescheitert.

Die Entwickler schicken uns dieses Mal in die Antike Griechenlands, genauer genommen geht es in einer Vermengung von tatsächlich historischer Bronzezeit mit der mythischen Welt frei nach den Werken Homers. So spielen wir in Total War Saga: Troy natürlich auch die namensgebende Schlacht um das sagenumwobene Troja nach, begeben uns aber auch tief in die dort verwurzelte Sagenwelt, denn neben den zu erwartenden Speerkämpfern, Schwertschwingern und Helden wie Hector und Achilles, treffe wir sogar auf (angebliche) Zentauren und  Zyklopen. Wie auch schon bei Assassins Creed: Odyssey sind die mythologischen Elemente eher dem Aberglauben zuzuordnen, durch den realistischeren Anstrich weiß das Setting dennoch zu überzeugen und ist auch noch eine ganze Weile davon entfernt so ausgelutscht zu sein, wie es einst der Zweite Weltkrieg als Videospielsetting war.

Das antike Setting ist der größte Vor- und Nachteil des aktuellen Total War Ablegers. Denn zum einen überzeugt das Setting mit Einheiten, deren Erscheinungsbild noch überraschend wirkt, auch die Anleihen an die Ilias und Odyssee wirken stimmig, denn die antiken Vorgänger der modernen Superhelden, Hector, Agamemnon und Co. bringen eigene Skills und Fähigkeitenbäume mit. Etwas weniger spektakulär ist dann aber die Auswahl, beziehungsweise die Vielfalt der auswählbaren Einheiten. Bedingt durch die Bronzezeit ist die Kerneinheit jeder Armee eigentlich der Speerträger. Ritter, Katapulte, Belagerungsequipment oder Schusswaffen die über Schleudern und Bögen hinausgehen sind dabei schlicht noch nicht erfunden. Das wird zwar etwas kompensiert durch mythologisch inspirierte Truppen, wie die Harpyien, in Total War Saga: Troy verkleidete Frauen sind, die eine schnelle Scharmützler-Einheit sind, ist aber dennoch etwas schade.
Ähnlich sieht das mit den Schlachtfeldern aus. Die Gefechte finden rund um die Peleponnes  statt und bieten so ein recht ähnliche Optik. Große Städte sucht man da ebenso vergeblich wie Klimazonen, die über das Mittelmeer-Thema hinausgehen. Creative Assembly hat hier dann versucht der Eintönigkeit mit einer anderen Neuerung entgegenzuwirken: Es gibt unterschiedliche Wetterkonditionen und Untergründe, die sich auf das Spiel auswirken. So kann man sich im Schlamm langsamer bewegen oder in hohem Grass verstecken. Nett, aber auch nichts Weltbewegendes, zumal diese Features nicht auf allen Karten zu finden sind.

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Total War meets Civilization?

Am Ende wird aber auch klar, dass es sich bei A Total War Saga: Troy um einen weiteren Ableger der Saga Reihe handelt, den kleinen Brüdern der regulären Reihe in der Creative Assembly, zumindest vorgibt, etwas Neues auszuprobieren. Der Vorgänger Total War Saga: Thrones of Britannia gilt gemeinhin als schwächster Ableger der Total War Reihe, mit Troy soll dieser Fehltritt natürlich nicht wiederholt werden.

Gemeinhin gibt es aber wenig Neues, dafür, dass die Saga Ableger eigentlich als Testfeld für neue Ideen herhalten sollen, ist Troy erstaunlcih zurückhaltend. Klar, es gibt neue Geländetypen, aber im Vergleich zu Total War: Three Kingdoms gibt es deutlich weniger Content und Komplexität, die nur teilweise dem geringeren Entwicklungsstand der Bronzezeit geschuldet sein kann, zumal man sich mühelos Fantasiewesen der antiken Mythologie hätte bedienen können, die die technologischen Mängel kompensieren könnten. Zumal Fantasy als Setting für die Entwickler kein völliges Neuland wäre, denn mit den beiden Total War Teilen im Warhammer Universum haben sie gezeigt, dass sie eindrucksvoll mit Ungeheuern und Magie umgehen können.

Auch die verschiedenen Kampagnen mit ihren unterschiedlichen Anführern ändern den Weg, haben aber im Prinzip alle das selbe Ziel: Zuerst vereinigt man seinen Teil Griechenlands und muss dann wahlweise Troja verteidigen oder einnehmen. Ganz so repetetiv, wie es hier klingt ist das ganze zum Glück aber nicht, denn die verschiedenen Generäle haben unterschiedliche Herangehensweisen an das Ziel. Paris beispielsweise bindet sich stark an Helena, als eine Art Unterstützungseinheit, verteilt Boni an ihn persönlich und an Städte in der sie sich aufhält, kann aber auch von anderen Herrschern entführt werden. Achilles hingegen gewinnt an Stärke, je Ruhmreicher die Schlachten sind, die er schlägt, wird aber auch schwächer, wenn seine Armee Däumchen dreht.

Die Entwicklung in Richtung mehr Komplexität in der Oberwelt, ähnlich wie bei der Civilization-Reihe, erkennt man an der Zunahme an Ressourcen, den statt der eher spärlichen Asarbeitung in Vorgängerspielen, gibt es in Troy nun fünf Ressourcen, die man erobern, abbauen und tauschen kann.

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Story aus der Vergangenheit mit Technik aus der Gegenwart

Fangen wir doch den Techniktalk mit dem offensichtlichen an: Total War Saga: Troy sieht klasse aus. Die Oberwelt kommt in isometrischer Perspektive daher und lässt durch die Farbgebung und Gestaltung keine Zweifel daran, dass wir uns in der mythologischen Vergangenheit befinden. Neben dem eigentlichen Design liegt das auch an liebevollen Details, wie dem Fog of War, der Gebiete, die man noch nicht erschlossen hat als papyrusartige Karte zeigt, die bei der Erkundung Stück für Stück abgebrannt und durch die tatsächliche Karte ausgetauscht wird. Spektakulär wirds dann aber bei dem Herzstück des Spiels, den Schlachten. Diese sind, wie von der Serie bereits gewöhnt, nicht bloß Geplänkel mit ein paar Dutzend Einheiten sondern echte Schlachten mit hunderten Beteiligten. Die schmeißen sich so gleich in die Schlacht und hacken munter aufeinander ein, bis der Boden tatsächlich mit Blut getränkt und mit Leichenbergen übersäht ist.
Die Einheiten sind dabei schön animiert, denn die Zeiten von hunderten Klonen, die fast synchron agieren sind glücklicherweise seit langem gezählt.

Ebenso wenig zu meckern gibt es beim Interface, dass Veteranen kennen und Neueinsteiger sich schnell aneignen können. Ebenso ist der Sound klasse. Die Musik entführt den Spieler in die Antike und das Kampfgebrüll treibt den Bürostuhl-General zu Hochleistung an.

Aber perfekt ist die Technik noch nicht. Neben gelegentlichen Bugs, bei denen sich Helden festloopen oder ganz selten auch einmal das Spiel crasht, gibt es auch eigenartige Fehler. So ist die Lokalisation samt Synchro eigentlich sehr gelungen, aber bei meinem Spiel wird manchmal völlig grundlos zwischen deutschen und englischen Sprechern gewechselt.

Dann gibt es noch kleinere Schnitzer, wie die Tutorials, die inhaltlich gut sind, aber deren Textboxen sich über das restliche Interface legen und so dem neugierigen Spieler den vollen Zugriff und Überblick verwehren. Auch ist die KI, gerade in der Oberwelt nicht ganz astrein, speziell in Sachen Diplomatie hat sich scheinbar seit der Bronzezeit einiges getan, denn immer wieder trifft man auf Fraktionen, die einem völlig unsinnige Angebote unterbreiten. Andererseits kann man ruhig als verlierende Partei riskieren den überlegenen Gegner um eine unbedingte Niederlage zu bitten, man hat ja eh nix mehr zu verlieren.

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  • Kampagne
  • Gameplay
  • Grafik
  • Technik & Sound
3.6

Summary

Wie schon ganz am Anfang der Rezension erwähnt, tue ich mich mit der Spielreihe der Total War Games schwer. Theoretisch ist jede einzelne Zutat wie für mich gemacht, aber in der Gesamtheit war mir das bisher immer zuviel. Der neueste Ableger Total War Saga: Troy bietet zwar eine etwas kompaktere Version der Reihe, aber ist dem Kernkonzept der Serie so treu geblieben, dass ich auch weiterhin nicht zum treuen Jünger der Franchise werde. Diese für mich persönlich etwas traurige Erkenntnis wird aber Veteranen und Neueinsteiger nicht abschrecken müssen, denn das Spielprinzip ist erprobt und auch objektiv mehr als nur solide.

Abschließen möchte ich den persönlichen Teil dieser Kolumne mit der Kritik an dem Entwickler das Spiel zeitexklusiv für den Epic Games Store anzubieten. Da muss ich sagen, dass ich zu dem Thema schlicht keine fundierte Meinung habe, denn klar, Monopole sind immer so eine Sache, andererseits habe ich persönlich auch noch nie Probleme mit der Platform gehabt. Zusätzlich bietet  die Promoaktion, dass es die Vollversion des Spiels für 24 Stunden für Lau gibt, großes Potential potentielle Zocker an die Serie zu bringen, die sich vorher möglicherweise nicht getraut hätten einen so groben Strategiekoloss auf den heimischen Rechner zu laden.

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