Comic Review: Birthright Band 4 – Familiengeschichten

Band #4 – Familiengeschichten

Ahhh Familiengeschichten, ein nicht sonderlich spektakulärer Titel, wird sich der ein oder andere wohl gedacht haben. Damit assoziiert man doch direkt einen Nachmittag voll von langweiligen DIA-Vorträgen, Kaffee so dünn, dass man den Boden sehen kann und harten Keksen aus einer Blechdose. Gott sei dank bietet der neue Band der Birthright-Reihe viel mehr, so viel mehr, dass es wahrscheinlich der bis jetzt beste Band der Reihe ist. Die Familiengeschichte der Rhodes‘ zieht uns immer weiter in die Abgründe des Bösen, welches mit der Rückkehr Mikeys immer weiter Fuß auf der Erde zu fassen scheint. Die Grundidee bleibt die gleiche, Mikey ist immer noch Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, ist er nun Erlöser oder der Untergang? Dennoch, so unspektakulär wie der Titel auch sein mag, um so vielversprechend ist das Cover. Im unteren Teil ein vom Nimmersinn korrumpierter Mikey, sein Körper von blutroter Farbe, mit Geschwülsten, Auswüchsen und weiteren Augen übersäht, seine linke Hand scheint dem geifernden Maul einer Kreatur gewichen zu sein. Während er sich mit wutverzerrtem Gesicht, wie der Leibhaftige selbst, aus den Trümmern einer Ruine kämpft, thront über ihm Brennan. Gekleidet in eine engelsgleiche Rüstung, umgeben von bläulich schimmernder Magie und dem Orakel, seine Augen weiß, ohne Iris, gleicht er mehr einem göttlichen Krieger, denn einem kleinen Jungen. Ein kontrastreiches Bild, das einen gerade dazu zwingt die ersten Seiten aufzuschlagen und anzufangen zu lesen.

 

Die Familiengeschichte – Es war einmal ….

Das Ende des dritten Sammelbandes lässt den Leser mit einem klassischen Cliffhanger zurück, der Enthüllung das Aarons Vater, also der Großvater von Mikey und Brennan einer der gesuchten Magi ist. Nämlich niemand anderes als Samael. Dieser hilft ihnen unerwartet bei der Flucht vor der Polizei. In einem vorherigen Kampf, der sowohl zeichnerisch als auch von der Dynamik her klasse umgesetzt ist, unterliegt Mikey Samael. Dabei wird er durch die Klingen von den Feldern der Ewigkeit verletzt. Da diese die Seele verletzten und nicht den Körper erhält man Tiefe Einblicke in die Erinnerungen Mikeys, in denen man sieht, dass er anscheinend tatsächlich den Kampf gegen Lore auf Terrenos verloren hat. Weitere Einblicke erhält man nicht, Mikey kann mit der Hilfe Brennans fliehen. Die Magi werden nun eine wichtige Partei im Ringen um das Schicksal der beiden Welten, obwohl bisher nur in ihrer wahren Form gezeigt. Bis klar wird, dass Agent Kylen einer von ihnen ist, ein Magus, so mächtig wie skrupellos. Um zu verschleiern was bei der Rettungsaktion Samaels passiert ist, löscht er die komplette Polizeieinheit aus, die Mikey gefangen nehmen sollte. Samael bietet Aaron, Mikey und Brennan seine Hilfe an und will diese zu einem geheimen Bunker führen, einer Art Safehouse, in dem er die Möglichkeit hat Mikey medizinisch zu versorgen. Denn sowohl Brennan als auch Samael erkennen, dass die Korrumpierung Mikey‘s durch den Nimmersinn immer weiter voranschreitet. Es gilt keine Zeit zu verlieren, wenn man ihn noch retten will, sollte es nicht bereits zu spät sein.

Die Puzzleteile fügen sich zusammen

Williamson scheint die Geschichte zu komprimieren, es gibt nur noch zwei wirkliche Handlungsstränge. Auf der einen Seite die Rhodes-Gruppe rund um Samael. Auf der anderen Seite Wendy, Mikeys und Aarons Mutter, sowie die von Mikey schwangere Gideonin Rya. Diese treffen, bei ihrer Suche nach den restlichen Mitgliedern der Familie Rhodes, auf eine weitere Mager, Mastema. Im Kampf sind sie der Mager und ihren Handlagern nicht gewachsen gezwungen sich zu ergeben. Sie werden von Mastema festgehalten, die versucht sie für die Suche nach Mikey zu gewinnen.  Obwohl immer mehr Charaktere eingeführt werden, verflechten sich diese jedoch immer weiter in eine zusammenhängende Geschichte.

Die Fraktion der Magi

Auch Mastema und die anderen Magi sind auf der Suche nach Mikey, den auch sie als den Auserwählten bezeichnen. Ob sie ihn einfach nur töten wollen, bevor er sie tötet, oder ob sie ein höheres Ziel haben ist dabei nicht ersichtlich und gerade das macht es spannend. Dass die Magi eine wichtige Rolle spielen werden, wird dadurch ersichtlich, dass sie zusätzlich zu ihrer ursprünglichen Form nun auch in ihren menschlichen Formen in Erscheinung treten. Ohne zu weit vorzugreifen, auch der letzte Magus wird in Band vier hinreichend vorgestellt. Williamson gelingt es in jedem Band besser die Charaktere zu verknüpfen und in seine Welt zu integrieren, die Teile eins bis drei wirken wie eine Art Worldbuilding für die kommenden, in denen es dann noch einmal richtig rund geht. An Kämpfen wird nicht gespart. Und sehen super aus. Die Geschichte kommt ins Rollen, verzweigt sich weiter, je mehr sie sich aufzulösen scheint, aber dennoch merkt man, dass man der Wahrheit nach jedem Band ein Stück näher kommt.

Was euch in Band vier erwartet

Der vierte Band der Birthright-Reihe klärt, fast so wie erwartet, so viele Fragen, wie er aufwirft. Aber dennoch verdichtet sich die Geschichte, die meisten Charaktere scheinen eingeführt worden zu sein, erhalten nur noch den, für Birthright fast schon typischen, Feinschliff und Tiefe. Die Magi werden, wie bereits erwähnt, im dritten Band weiter vorgestellt, doch sie scheinen noch weitaus skrupelloser zu sein als erwartet. Im Laufe der Geschichte schienen die Magi „die Guten“ zu sein, auch wenn ihre Methoden verwerflich sind. Mikey hingegen, vom Nimmersinn besessen und möglicherweise ein Agent des Gottkönig Lore scheint der Böse. Sein Auftrag für das Wohl, sowohl der Erde als auch Terrenos, die Magi zu töten scheint mehr als zweifelhaft und auch Brennan scheint sich von seiner Verblendung zu lösen und ihn immer weiter zu hinterfragen. Doch man muss kein Orakel sein um zu erkennen, dass auch die Magi nichts Gutes im Schilde führen. Samael, als absenter Vater von Aaron bereits diverse Male erwähnt, kann von Williamson fließend in die bestehende Geschichte integriert werden. Das dieser Samael ist und die Familie Rhodes mit ihm, Mikey und Brennan gleich drei übermenschlich begabte Menschen hervorbringt, macht die Sache noch cooler, spannender und vor allem verständlicher. Denn auch ihr Großvater ist ein Magus, der bereits auf Terrenos kämpfte. Der Bunker, in den er die Gruppe führt ist mehr Waffenkammer, Bibliothek und Museum zugleich. Hier hofft Samael Mikey helfen zu können. Denn das Böse, in der Form des Nimmersinns scheint Mikey immer weiter in Besitz zu nehmen und zunehmend seine Entscheidungen zu bestimmen, wenn dies nicht bereits von Anfang an der Fall war. Ein weiterer Magus, Enoch, betritt die Handlungsbühne und sucht die Rhodes‘ rund um Samael in seinem Bunker auf. Die beiden schienen mal ein inniges freundschaftliches Verhältnis gepflegt zu haben. Ihre Diskussion gibt Einsichten in die Zeit der Magi auf Terrenos und ihr Verhalten, aber auch weitere Rückschlüsse auf ihr jetziges Handeln und den Zustand Mikeys. Brennan und Aaron versuchen derweil Mikey zu helfen. Doch auf alle wartet hier eine böse Überraschung.

 

Schreibstil

Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen, die Story, ihre Dynamik, die Art und Weise wie sie aufgebaut und in sich selbst verzweigt ist, ist eine der ganz großen Stärken von Birthright. Mit dem vierten Band liefert Williamson ein furioses Spektakel an Ereignissen, die Handlungsstränge fügt er nahtlos zusammen, so dass die Richtung, in die die Geschichte geht immer klarer wird. Der Lesefluss ist, auch mit den Pausen zwischen den Sammelbänden, ungebrochen. Das Schicksal der Familie Rhodes steht aber auch hier weiterhin im Mittelpunkt und wieder gelingt es Willamson die Motive und Gefühle nachvollziehbar für den Leser zu verpacken. Die Geschichte Samael’s, des absenten Vaters, der von Gewissenbissen gequält wird ist nur ein Beispiel für die Fähigkeit Williamsons realistische Probleme in seine Geschichte zu integrieren und ihr so Glaubhaftigkeit und Tiefe zu verleihen. So weckt er für den einen Charakter Sympathien während er es schafft, dass man den anderen fast hasst.

Artwork

Auch Andrei Bressan bleibt seinem Stil treu. Hier und da gibt es wieder diese ungenau gezeichneten Nebencharaktere oder Hintergrundgeschehnisse, mit denen ich mich einfach nicht anfreunden kann, aber lässt man dies außer Acht, so gelingt es Bressan wieder einmal die Stimmung der Geschichte perfekt in seinen Illustrationen zu verpacken. Vor allem die Hauptcharaktere, die Dynamik in Kämpfen, aber auch Gefühlsregungen auf Gesichtern stellt er hervorragend dar. Die Farbgebung ist unglaublich gut an die Stimmung angepasst und ergänzt die Illustrationen sehr gut. Gerade am Cover kann man erkennen wie gut Bressan versteht Situationen, Stimmung und Geschichte in einer Zeichnung darzustellen.

 

 

 

  • Story
  • Setting
  • Artwork
4.5

Summary

Ich war bereits durch die Bände eins bis drei an die Geschichte von Birthright gefesselt. Doch Band vier hat mir mit Abstand am besten gefallen. Er fühlt sich, wenn man die Entwicklung der voheringen Bände betrachtet, einfach richtig an. Mir gefällt das die Geschichte sich mittlerweile auf zwei Handlungsstränge konzentriert, dadurch hat man das Gefühl es passiert etwas, alles wirkt ein wenig fokusierter. Die Story kommt so sehr gut voran. Mit dem Artwork und dem Schreibstil bin ich weiterhin mehr als zufrieden, sowohl Bressan als auch Williamson tragen so auf ihre Weise dazu bei, dass es sich bei dem neuen Birthright Comic um eine actiongeladene, nachvollziehbare und klug geschriebene Geschichte handelt. Sehr empfehlenswert!

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*