Children of Morta für die PlayStation 4 im Review: Blut ist dicker als Wasser

©11 Bit Studios

Man hasst sich, man liebt sich. Familien können einem echt auf den Zeiger gehen, aber letztendlich steht man als Familie füreinander ein. Das ist zumindest die Idee hinter Dead Mages neuestem Spiel Children of Morta. Der Spieler begleitet hier die Familie der Bergsons auf ihrem Abenteuer und erlebt hier gleich den ersten Geniestreich des jungen Entwicklerstudios: CoM ist zwar ein Roguelike, aber es wird nicht nur vom Gameplay, sondern auch von seiner Geschichte getragen.

Wer hat behauptet ein Mehrgenerationenhaushalt sei langweilig?

Die Bergsons sind eigentlich eine ganz normale Familie, aber sie sind auch die Behüter des Mount Morta. Und dort droht Ärger, denn ein Corruption genanntes Übel legt sich über das Land. Oma Bergson ist aber zum Glück mehr als nur rüstig, denn die alte Magierin  weiß sofort, wie man das Übel bei der Wurzel packen kann und trommelt die Familie zusammen, um im Berg Morta ein Portal ins Innere zu nutzen und dort der Corruption auf den Grund zu gehen. Außerdem nutzt sie einen Zauber, der es der Familie ermöglicht kurz vor einem tödlichen Treffer zurück in Sicherheit zu teleportieren. Eine ziemlich nützliche Verzauberung, die gleich ins Gameplay des Roguelikes eingebaut wird, denn das Innere des Bergs ist gespickt mit tödlichen Gefahren.

Als Familienoberhaupt schnallt sich zu Beginn John sein Schwert um und beginnt der Corruption entgegenzukämpfen, zunächst im Alleingang.

©Dead Mage

 

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Die Gefahren innerhalb des Berges sind nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, das merkt auch John ziemlich schnell, doch zum Glück halten die Bergsons zusammen und schnell gesellen sich andere Familienmitglieder dazu. Als Spieler hat man ab jetzt die Wahl, ob man mit einem Freund im Coop zocken will oder ob man sich der Corruption im Alleingang entgegenstellt. Die insgesamt sechs Familienmitglieder bringen neben einer eigenen Persönlichkeit und Optik auch eigene Spielstile und Fähigkeiten mit. Denn neben dem eigentlichen Fortschritt in der Handlung gibt es auch zwei Meta-Währungen: Erfahrungspunkte und Morv.

An dieser Stelle werden die RPG und Rogue-Like-Elemente deutlich. Denn zum einen hat man als Spieler die Möglichkeit Erfahrungspunkte für das jeweils aktive Familienmitglied zu sammeln und so ihre Spezialangriffe zu verstärken, gleichzeitig bringt aber auch jedes Familienmitglied passive Fertigkeiten mit, von denen die Familie auch profitiert. John, der Krieger mit Schwert und Schild kann beispielsweise mit seinem Schild zuschlagen und so Gegnergruppen betäuben. Erreicht John die 20. Stufe erhalten dann sogar alle Familienmitglieder eine geringe Lebensregeneration. Durch die große Familie wird auch jeder gängige Archetype des Genres abgedeckt. Ohne gleich alle Bergsons zu verraten, gibt es verschiedene Nah- und Fernkämpfer, darunter Feuermagier und schleichende Schurken, die aus dem Schatten zuschlagen.

Aber neben dem Freischalten von neuen Fähigkeiten gibt es auch noch die Möglichkeit allgemeine Werte wie Schaden und die Chance auf kritische Treffer zu erhöhen. Dies geschieht zwischen den eigentlichen Abenteuern, denn im Familienhaus kann man sich diese Upgrades für die Morv genannte Währung dazukaufen, so dass Onkel Ben den Schmiedehammer schwingt und die Ausrüstung der Familie auf den neusten Stand bringt.

Gespielt wird Children of Morta wie ein klassischer Twin-Stick-Shooter. Der Spieler hat also die volle Kontrolle über seinen Charakter und kann so gleichzeitig in alle Richtungen laufen und schießen, ähnlich wie bei den größten Konkurrenten im Genre The Binding of Isaac und Enter the Gungeon. Children of Morta hebt sich aber, ähnlich wie auch Gauntlet, dadurch ab, dass es neben den Shooter-Klassen auch astreine Nahkämpfer gibt, so dass sich das eigentliche Gameplay fast wie Actionrollenspiele im Stile von Diablo spielt.

Dabei gestaltet sich das Gameplay erstaunlich abwechslungsreich, denn häufig geht die Aufgabe darüber hinaus einfach nur alle Gegner niederzustrecken. Die wunderschön gestalteten Level werden zu einem großen Teil zufällig generiert, so dass man nie genau weiß, welche Herausforderungen einen erwarten; man kann dabei auf gefährlichere Bossgegner treffen, an Glücksspielen teilnehmen, kleine Rätsel lösen oder Flüchtlinge innerhalb der Welt in Sicherheit eskortieren.

Dabei treffen die Bergsons teilweise auf dutzende Gegner zur selben Zeit, die auch noch wild um sich schießen. Dank dem schlauen Design der Entwickler von Dead Mage weiß man aber trotzdem immer, was gerade passiert und jeder Treffer, den man kassiert, hat man am Ende auch selbst verschuldet.

Davon kriegt man aber besonders gegen neue Gegner auch genug ab. Doch der Tod ist nicht das Ende, sollte einem jedoch häufiger ein vorzeitiges Ende beschert werden, erhalten die jeweiligen Charaktere einen Debuff und müssen sich erst für ein paar Runden ausruhen, bevor sie wieder mit alter Stärke zurück ans Werk gehen.

©Dead Mage

Pixelart-Familienportrait

Das Gameplay von Children of Morta ist also kurz gesagt ziemlich gut. Aber CoM trumpft in einem anderen Aspekt fast alle anderen Spiele des Jahres: Charme.

Und der zieht sich durch alle Aspekte. Grafisch sieht das Spiel schlicht fantastisch aus; Der Pixelart-Stil passt wunderbar in die märchenhafte Erzählung. Dabei sehen alle Charaktere einzigartig aus und haben kleine eigene Animationen, die ihrer Persönlichkeit entsprechen. Um sich die ausgiebig anzuschauen hat man im Eifer des Gefechts zugegebenermaßen wenig Zeit, dafür bietet aber das Haus der Familie, das als eine Art Menu dient aller Hand zu entdecken. Überall wuseln dort Bergsons und andere Figuren, die man innerhalb der Handlung findet, herum und führen Gespräche miteinander oder spielen auch einfach nur miteinander. So fühlen sich die Helden auch tatsächlich wie eine Familie an, denn sie machen sich Sorgen übereinander, trainieren miteinander oder spielen sich Streiche.

Toll gelungen ist dabei auch, dass die Welt und die Bedrohung oft düster und ausweglos erscheinen, aber bei den Bergsons hat jeder das Herz am rechten Fleck. Dead Mage zeigen hier, dass man auch in dieser als postheroisch bezeichneten Zeit auch noch Helden haben kann, die keine gebrochenen Antihelden sind, sondern einfach das Richtige tun, damit kein anderer in Gefahr gerät.

Auch das Sounddesign ist klasse. Die Charaktere selber geben zwar nur Grunzgeräusche von sich, werden aber ständig von einem Erzähler begleitet, der die Handlung vorantreibt und die Wahl des Sprechers ist wirklich herausragend. Er wechselt mühelos zwischen ernsten und dramatischen Szenen zu humorvollen Zwischeneinlagen und macht das ganze so gefühlvoll, dass er mit Fug und Recht als eine tragende Säule der Handlung bezeichnet werden kann.

Children of Morta-2
©Dead Mage
Children of Morta-1
©Dead Mage

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  • Story
  • Technik
  • Gameplay
  • Umfang
4.8

Fazit

Ich habe mit Children of Morta nicht gerechnet und vorher nie etwas davon gehört. Umso mehr hat mich der Titel von Dead Mage regelrecht umgehauen!

Hier stimmt für mich alles: CoM ist wunderschön, weiß emotional eine Geschichte zu erzählen und ist zur selben Zeit im eigentlichen Gameplay hart und gnadenlos, getoppt wird das ganze mit einem Couchcoop, bei dem endlich wieder beide Spieler gleichwertig sind. Für mich ein echter Geheimtipp und ein sehr heißer Anwärter für eines der Top5 Spiele des Jahres!

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