Comic Review: A Walk through Hell 1

©Cross Cult

Garth Ennis ist den meisten Comicfans kein unbekannter. Mit seinen Beitragen zur Punisher-Reihe hat er bewiesen, dass er weiß, dass explizite Gewaltdarstellungen ihren Reiz haben könne, hat das ganze mit Crossed auf die Spitze getrieben und gleichzeitig mit Preacher eine der schönsten Liebesgeschichten des Genres geschaffen. Sein Zeichner für das Projekt A Walk Through Hell ist niemand geringerer als Goran Sudžuka, der mit seinen Zeichnungen für Y – The Last Man ebenfalls Einzug in jede Comic Hall of Fame verdient hätte. Ebenso groß ist die Erwartungshaltun nun bei ihrem gemeinsamen Projekt.

 

Wie weit darf ein Polizist gehen?

Zwar beginnt das Abenteuer mit einem Amoklauf, bei dem gleich eine Mutter samt Baby erschossen werden, doch zu Anfang erscheint das Setting von A Walk through Hell noch recht gewöhnlich. Die Hauptrollen spielen die beiden FBI Agenten Shaw und McGregor, die ein ungleiches Paar abgeben, dass sich statt mit Weltverschwörungen und Terrorangriffen mit den vergleichsweise kleinen Fischen abrackert. Shaw, die erfahrene Veteranin im FBI erscheint permanent gehetzt von einem Vergangenen Einsatz und läuft in Gefahr dem Druck der Polizeiarbeit nicht mehr standhalten zu können, so wird sie gleich bei einem PTBS-artigen Alptraum vorgestellt. Was genau sie so verstört weiß aber weder der Leser, noch ihr Partner.  McGregor hingegen ist noch relativ grün hinter den Ohren und versucht sich in den patriachialischen Strukturen des FBI einzuordnen, die machohaft seine Homosexualität als Grund zur Erniedrigung ansehen, obwohl er sich dienstlich stets durch gute Arbeit hervortut. Und genau deshalb werden die beiden Partner auf den neuesten Fall angesetzt, bei dem zwei Polizisten in einer Lagerhalle verschwunden sind. Parallelen zu Scully und Mulder aus Akte X sind sicherlich hier kein Zufall, aber wenn man sich schon an Klichees bedient, dann kann man da meiner Meinung nach mit den X-Files nicht viel falsch machen.

Und dann ist da noch Paul Carnahan, der Hauptverdächtige, dem mehrere Morde an Kindern und weitere Gräuel vorgeworfen werden. Nach außen hin gibt er sich ganz harmlos, weiß aber mit übertrieben höflichen Kommentaren tiefe Wunden zu schneiden.

Doch ohne den vermuteten Tatort zu betreten, können die beiden Agenten den Fall nicht lösen und betreten in der vermeintlichen Lagerhalle eine Art Labyrinth, in dem wilden Albträumen begegnen und dem Schlimmsten schrecken von allen: Der Wahrheit.

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Spannung oder Terror für den Leser?

Garth Ennis muss der Ansicht sein, er habe einen Ruf zu verlieren. So hält er sich auch in A Walk through Hell kein bisschen in seinen Gewaltfantasien zurück, diesmal geschieht das aber ganz ohne den Humor, der Crossed und seine Punisher Runs ausmachte. Ich bin großer True Crime Fan, daher wirkt der Schockfaktor auf mich vermutlich nicht in dem selben Ausmaß, wie auf die zahlreichen Kritiker im Internet. Erwähnenswert sind daneben auch die wenig subtilen Spitzen gegen die aktuelle amerikanische Regierung, welche die Trollfarmen zum überkochen bringen und Leute auf die Palisaden bringt, die behaupten Comics haben mit Politik nichts zu tun und seien daher davon zu trennen. Ich stelle mich entschieden gegen diese Ideen, zum Einen gehören friedvolle Meinungen generell nicht unterdrückt, zum anderen sind Comics schon immer hochpolitisch gewesen. Diese Art von Gejaule habe ich zumindest nie vernommen, als es darum ging, dass der Captain America Fanclub zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs seine Einnahmen direkt zu Kriegsanleihen umwandelte.  Andererseits haben kontroverse Meinungen und Herumgemäkel im Internet irgendwie Tradition, also schieben wir die Stimmen mal in den Hintergrund und greifen den Comic ganz subjektiv auf.

Wie gesagt, es gibt explizite Gewalt, auch gegen Kinder und auch mit Anspielungen auf sexuelle Gewalt. Das ganze wirkt oft ein bisschen als wäre es Selbstzweck, andererseits haben wir es hier mit einem Mystery/Horror Comic zu tun und da wirkt das Grauen nicht deplaziert. Einige der kreativen Wege, wie die Protagonisten mit Bodyhorror konfrontiert werden, gehen auch wirklich unter die Haut. Aber die ganze Geschichte wirkt trotzdem nicht immer stimmig. Ohne zu viel verraten zu wollen, habe ich die häufigen Perspektivwechsel und Zeitsprünge in der Erzählung als verwirrend empfunden. Die Ungewissheit, inwiefern und in welcher Form in A Walk through Hell jetzt übernatürliche Kräfte wirken und wo sich die Protagonisten tatsächlich befinden, wird im ersten Sammelband nicht geklärt. Ob das jetzt faules Storytelling oder ein Anreiz für das weiterlesen sein soll, weiß ich zur Zeit noch nicht.

Dem Horror ein Gesicht geben

Goran Sudžuka ist wie bereits geschrieben kein Unbekannter. Seine saubere Linienführung lässt unnötige Details weg und rückt so das Wichtige in den Vordergrund. Er ist um Authentizität bemüht und hilft durch seine Zeichnungen den Akte X Vibe aufrechtzuerhalten, denn Ennis erreichen will. Und generell sind die beiden ein gelungenes Gespann, denn Ennis teilweise pervers expliziten Ideen werden von Sudžuka so gelungen umgesetzt, dass einem Schauer den Rücken runterlaufen, ohne bloß so edgy wie nur möglich zu sein. Ive Svorcina verleiht der ganzen Sache durch ihre Farben dann die finale nötige Unterstützung. Ihre grünlich-sepia-artige Farbkombination fängt die Mischung aus realistischem und surrealistischem Setting perfekt ein und trägt so maßgeblich zur Spannung bei. Ebenso tadellos ist die Umsetzung des Sammelbandes von Seiten des Verlags. Cross Cult haben sich mit ihrem beliebten 16×24 Hardcover gewohnt wertig gezeigt. Neben den eigentlichen Comics 1-6 gibt es auch eine Gallerie mit den beeindruckenden Covern der Einzelausgaben, ein Skizzenbuch und einen Blick hinter die Kulissen des Comics.

©Cross Cult
  • Story
  • Setting
  • Artwork
3.3

Summary

Ich bin Garth Ennis-Fan. Comics dürfen brutal sein, der Autor darf seine Meinung zu Präsidenten äußern. Aber Comics sollen unterhalten. Und das schafft A Walk through Hell bisher. Zwar wirkt die ganze Handlung etwas arm an Innovationen, die Charaktere sind auch alle noch nicht besonders facettenreich, aber es reicht um ihrer Geschichte zu Folgen. Ennis legt hier auf jeden Fall einen Grundstein mit guten Ideen, die aber noch ausgearbeitet werden sollten, denn die Ansätze sind da und vielversprechend.

ISBN:  978-3-959819-78-7

Umfang: 144 Seiten, farbig

Maße: 12×18

Hardcover

Preis: EUR 22,00 erschienen bei Cross Cult

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