Comic Review: Deadly Class 2: Kinder ohne Heimat

©Cross Cult

Marcus Lopez hat es nicht leicht. Er kann sich zwischen zwei Mädchen nicht entscheiden, tut sich zur selben Zeit schwer damit sich in der neuen Schule zurechtzufinden und zu allem Überfluss haben er und seine Clique auch noch einen Mord auf dem Gewissen, der im ersten Band gehörig schief gelaufen ist.

Mit Kinder ohne Heimat veröffentlicht Cross Cult den Nachfolgeband zu Die Akademie der tödlichen Künste, in dem Rick Remender die Geschichte rund um Marcus Lopez fortführt.

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Als wäre Teenager sein nicht schon schwer genug…

Anders als noch im Vorgängerband rückt die Schule nun in den Hintergrund der Handlung, die erneut zeitgleich auf verschiedenen Zeitebenen abläuft.

Zum einen gibt es die Gegenwart des Jahres 1988, in der Marcus den angehenden Serienkiller mit dem erstaunlich passenden Namen Fuck Face weiterjagd. Dieser weiß nicht nur von dem Mord an Marcus Schulkameraden, sondern ist durch die gemeinsame Vergangenheit mit Marcus verbunden. Mit dem angehenden Serienkiller mit der Hillbilly-Inzestfamilie als Verstärkung hat Remender einen starken und ziemlich leicht hassenswerten Antagonisten geschaffen, der Marcus und seinen Verbündeten ebenbürtig zu sein scheint. Ob es die mal mehr, mal weniger verdeckten Anspielungen für die sexuelle Gewalt Fuck Faces gegenüber des Hauptdarstellers wirklich gebraucht hätte, um ihn als Bösewicht zu etablieren, weiß ich nicht wirklich. Aber die Welt von Deadly Class ist eben alles andere als eine Utopie und somit wirkt die Geschichte hart, aber weiterhin authentisch.

Natürlich müssen die heimlichen Eskapaden der Gruppe früher oder später auffallen und so setzt Meister Lin Shabnam,den dickliche Ex-Mitbewohner von Marcus, darauf an die Gruppe auszuspionieren. Die neue Dynamik verspricht eine Katastrophe in der Zukunft und verleiht dem bisher unauffälligen Sohn reicher Eltern die nötige Tiefe, denn neben der Aufmerksamkeit Lins will Shabnam Rache dafür nehmen, dass Marcus ihn stets als fünftes Rad am Wagen behandelte.

Auffällig ist im Allgemeinen eine Reduzierung der psychedelischen Elemente, die im Vorgänger noch Vorhanden waren und für mich einen der großen Höhepunkte des Sammelbandes  waren. Dafür gibt es jetzt deutlich mehr Action. Marcus und seine Gruppe planen nämlich einen Handstreich gegen Fuck Face und seine Crew, der gehörig in die Hose geht. Dabei wird weder mit Brutalität noch mit kreativen Artworks gegeizt. Besonders hervorzuheben ist hier Maria, denn Marcus Freundin kleidet sich in den Actionszenen in einem Dia de Los Muertos-Outfit und wird so zu einem Blickfang inmitten der monochromen Actionsequenzen.

Remender hat sich inmitten des gesteigerten Tempos aber nicht gänzlich vom Thema der Coming of Age-Story gelöst. Neben den bereits genannten Problemen schlägt Marcus sich nämlich noch mit den ganz normalen Sorgen eines jungen Erwachsenen herum. Er besucht ein Konzert, verliebt sich in ein neues Mädchen, versucht neben dem ganzen Wahnsinn der Schule und seiner privaten Fehde noch einen Nebenjob aufrechtzuerhalten und scheitert langsam vor sich hin.

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Handwerklich sauber

Die Umsetzung von seiten des Verlags ist weiterhin tadellos und hält mühelos mit dem bisherigen Standard mit. Auch die Zeichnungen von Wesley Craig und Lee Loughridge sind gewohnt stark. Zwar sind die kreativen Drogeneskapaden meiner Meinung nach interessanter anzusehen, aber auch die Action kommt wunderbar knackig aus der Zeichenfeder der beiden Veteranen. Weniger zufrieden bin ich in diesem Fall mit der Arbeit des Autors, denn Remender hat sich in dem zweiten Sammelband gefühlt von seinem 80er Setting verabschiedet, denn es gibt deutlich weniger Anspielungen auf die Vergangenheit, gerade die von mir sehr geschätzten Musikreferenzen fehlen nun komplett. Auch wird es zunehmend schwerer sich mit Marcus zu identifizieren, denn der junge Mann versucht gar nicht erst ein Held zu sein. Er betrügt seine Freundin, ist seinen Freunden gegenüber scheußlich und durch seine impulsiven Handlungen bringt er ständig andere Leute in Gefahr. Hoffentlich bietet der Folgeband wieder mehr Möglichkeiten sich mit dem Schüler gut zu stellen, denn so ist er kein Antiheld, sondern nur ein Egoist ohne Eigenschaften, die das negative ausgleichen.

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  • Story
  • Artwork
  • Setting
4

Summary

Der erste Band von Deadly Class wurde unserer Rezension geradezu mit Lob überhäuft, der zweite Band fällt da im Vergleich leicht ab und ich weiß ehrlich gesagt gar nicht wieso. Remender greift die Storyfäden des Erstlings gekonnt auf und schafft verabscheuungswürdige Antagonisten, glaubhafte Konflikte für den Hauptdarsteller und auch die Action kommt in diesem Band nicht zu kurz. Gleichzeitig kommen aber die psychedelischen Elemente des Vorgängers, sowie die Darstellung der Schule etwas zu kurz. Aber versteht mich nicht falsch, Deadly Class ist immernoch lesenswert und ich bin super gespannt, wie sich der Folgeband entwickelt!

ISBN:  978-3-959812-08-5

Umfang: 176 Seiten, farbig

Maße: 16×24 cm

Softcover

Preis: EUR 16,80, erschienen bei Cross Cult

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