Comic Review: Deadly Class 3 – Die Schlangengrube

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Aufgabe 1: Führe die Geschichte im Stil einer Coming-of-Age Geschichte weiter. Note: Sehr gut!

Mit Die Schlangengrube schafft Deadly Class die Versetzung in die dritte Klasse und konfrontiert den Leser mit Marcus Lopez wüster Coming-of-Age Story. Nahtlos wird die Geschichte rund um den Angriff auf die Hillbillies im zweiten Band fortgesetzt, denn mit Fuck-Face tot ist noch lange keine Ruhe eingekehrt, denn Lex‚ Vater und seine Schergen sind Marcus und seinen Kameraden direkt auf den Fersen.

Der Einstieg gestaltet sich dabei ziemlich imposant. Es gibt jede Menge Action, bei der die Mischung aus Kreativität und Brutalität ein paar Überraschungen bereithält. Danach nimmt Remender etwas den Fuß vom Gas und der Leser folgt Marcus auf seinem Weg mit dem Erlebten fertig zu werden. Marcus ist auch weiterhin alles andere als ein Held. Er ist weiterhin ein selbstsüchtiger Feigling, der gute Freunde ans Messer liefert, um sein Ego zu pushen. Remender zeigt hier sein Genie, denn trotz dem fast vollständigen Mangel an positiven Eigenschaften und fast schon einer Überdosis an Mysanthropie, Depression und Drogensucht, schafft es der Autor trotzdem dafür zu sorgen, dass man wissen will, wie der Protagonist sich aus der selbstgegrabenen Grube wieder herausarbeiten soll.

Aber vielleicht ist es genau diese Mischung, die Marcus dazu bringen könnte mit mehr oder weniger heiler Haut die Schule abzuschließen, auch wenn er scheinbar jede Möglichkeit ergreift um sein Leben schwerer zu gestalten, gerne auch auf die Kosten von anderen, nur um sich dann in Selbstmitleid zu wälzen. Marcus ist also auch weiterhin konzentrierte Teenage-Angst.

Die wird im Verlauf des Comics durch Viktor auf ganz neue Höhen gehoben, denn der Spross einer russischen Mafia-Familie konfrontiert Marcus mit einem Dilemma, bei dem Marcus nur verlieren kann, denn Viktor weiß von den verbotenen Eskapaden der Gruppe rund um den Protagonisten. Zu allem Überfluss stellt ihm der große Schlägertyp ein knappes Ultimatum um zu entscheiden, ob Marcus sich bei der Schulleitung von Meister Li selber stellen will oder seine Freunde opfern soll, um selbst ungeschoren davonzukommen. Viktor beweist, dass er neben seinem Muskeln auch in der Lage ist durch geschickte Manipulation zum Erfolg zu kommen und entwickelt sich so zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten.

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Aufgabe 2: Stelle die Geschichte bildhaft im Comicstil dar: Note: 2+

Wesley Craig und Lee Loughridge melden sich in in der dritten Ausgabe von Deadly Class lautstark zurück. Während der Anfang sich mit den gelblichen Tönen und Explosionen nahtlos an den Vorgänger anreiht und für Action und Dynamik sorgt, kehren die beiden Künstler im Laufe des Bandes wieder auf die im ersten Band beschriebenen, eigentlichen Stärken zurück: Die surrealistischen Drogentrips, die jetzt wieder mehr Platz in der Handlung einnehmen, sind nämlich zeichnerisch eine echte Ansage, die den Leser von den pastelligen, comichaft reduzierten Passagen auf einen bunten und vollgestopften Trip entführen, bei dem die Grenzen zwischen Realität und Vorstellung direkt eingetreten und zu einer Art surrealen Wimmelbild vermengt werden.

Ähnlich beeindruckend sind die bereits etablierten Charakterdesigns, wie die im Dia de los Muertos-Stil geschminkte Maria oder Saya, deren Outfit nach einer Mischung aus Kabuki und Yakuza wirkt. Aber auch neue Charaktere, wie der an Lobo erinnernde Hüne, der den Tod seines Bruders rächen will, haben einen eigenwillige und markante Optik. Ebenso bemerkenswert ist hier der krude Humor des Autors, zwar gibt es hier keine Slapstickeinlagen, aber Marcus Escapaden, wie sein zusammenfantasierte Vorstellung, als er von einer möglichen Herpes-Erkrankung zittert, sind auf düstere Art ziemlich komisch und absurd. Durch diese Themen und ihre Darstellung ist Deadly Class auf jeden Fall auch weiterhin ein Comic, der sich an ältere Leser richtet, thematisch geht es nämlich immer wieder derbe zu.

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Aufgabe 3: Bonuspunkte: Eine glatte 2!

Deadly Class hat viel zu bieten, doch neben der spannenden Geschichte, die den Leser mit in eine Zeit nimmt, die so zwar nie war, sich aber trotzdem ein bisschen so anfühlt, gibt es noch mehr hervorzuheben. Wie gewohnt liefert Cross Cult die amerikanischen Einzelausgaben in einem soliden Softcover-Sammelband. Die Verarbeitung ist dabei überragend, das Papier ist richtig dick und hochwertig, nicht selten habe ich mich bei dem Gedanken ertappt mehr als nur eine Seite umzublättern. Ebenso lobenswert ist die Lokalisation, das Buch ist sauber und vorlagengetreu übersetzt. Besonders positiv fällt das auf, wenn Liedtexte zitiert werden, denn da hat der Übersetzer den Originaltext in der Sprechblase belassen und lediglich eine sinngemäße Übersetzung nachgeschoben. Ebenso kann man zwar den Slang und die Dialekte der einzelnen englischsprachigen Charaktere nicht immer tadellos übertragen, aber auch hier gelingen Dialekte und Akzente ohne unfreiwillig komisch zu wirken.

Zu guter Letzt gibt es am Ende eine Sammlung der Variant Cover, die sehenswert auf ganzen Seiten präsentiert werden.

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  • Story
  • Artwork
4.5

Summary

Rick Remender und sein Team liefern hier einen gewohnt starken Eindruck. Während die Geschichte im zweiten Band mich deutlich weniger gepackt hat, als das Erstlingswerk, hat der dritte Teil wieder voll Fahrt aufgenommen und holt mich direkt wieder zurück in die Fan-Clique auf dem Assassinenschulhof. Deadly Class ist wieder richtig schmutzig, es werden Gefühle verletzt, Drogen zelebriert und Gewalt als Ausweg genutzt, das alles in bester Punkattitüde und mit gelungener Optik. Und bei dem Cliffhanger bleibt sowieso jeder Fan am Ball!

 

ISBN: 978-3-95981-212-2

Umfang: 128 Seiten, farbig

Maße: 16×24 cm

Softcover

Preis: EUR 16,80, erschienen bei Cross Cult

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