Corruption 2029 für den PC im Review: Futter für Xcom-Fans zum Mitnehmpreis

©The Bearded Ladies

Bearded Ladys haben zwar einen starken Namen, aber sind aber in der Gamingszene noch eine vergleichsweise kleine Nummer. Und das trotz Mutant Year Zero: Road to Eden, einem echten Geheimtipp, der es locker mit den meisten Xcom-Klonen aufnehmen konnte. Wie es Corruption 2029 im Vergleich ergeht, erfahrt ihr in unserer Rezension!

Corruption 2029 – Story als Mittel zum Zweck?

Es ist mal wieder Zeit für eine dystopische Zukunft in Amerika. Die NAC hat ein Regime etabliert, welches das Volk unterdrückt und zu allem Überfluss gibt es auch noch eine Art Verderbnis, der es auf den Grund zu gehen gilt. Das wird von drei, zwar nicht namenlosen, dafür aber komplett austauschbaren Helden übernommen, die als hochgezüchtete Killerandroiden weder Probleme mit dem Kampf gegen eine Übermacht noch mit Moral haben.

Generischer geht´s kaum und um die Liste der Klischees vollständig abzhuhaken, gibt es natürlich auch einen Plottwist, der weder Auswirkungen auf das Spiel hat, noch sonderlich überraschend ist. Und um ehrlich zu sein, nach dem Beenden der Kampagne musste ich mir auf der Website des Entwicklers nochmal die Story zusammenlesen, denn das Spiel transportiert die Geschichte so lieblos, dass man alles gesagte direkt vergisst. Zwar gibt es eine Sprachausgabe, so werden die Missionen mit Briefings und kurzen Monologen des Anführers eingeleitet, aber die eigenen Helden bleiben bis zum Ende bloße Kampfroboter. Auch die Storyfetzen, die in der Welt durch Dialoge zwischen Gegnern und vereinzelten in Textform erzählte Abrisse über Geschehnisse in der Vergangenheit, reißen den Spieler nicht besonders mit. Diese Eintönigkeit zieht sich übrigens durch das gesamte Spiel, das Ende selbst wirkt auch extrem überhastet, überrascht niemanden und so endet das Spiel eigentlich kurz vor einem Höhepunkt, den es dann nie erreicht. Schade, denn gerade die Dialoge zwischen den Charakteren und die interessante postapokalyptische Welt waren Elemente, die den Vorgänger so gut gemacht haben.

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Rundenstrategie, Schleichpassagen und Überfälle – Das Gameplay

Aber wie wird’s gezockt? Corruption 2029 teilt sein Gameplay in zwei Elemente. Bevor die Action beginnt, folgt man seinem Trupp Soldaten in der 3rd Person Perspektive und kann mit ihnen frei über die Karte laufen oder schleichen, denn wie es sich für ein Sci-Fi Spiel gehört, ist der eigene Trupp mit einem Tarnfeld ausgestattet. Trifft man dann auf Gegner, werden diese von einem Sichtkreis umgeben, den man tunlichst nicht betreten sollte, da man sonst das Überraschungsmoment verliert und aufgedeckt wird. So liegt die Initiative also immer beim Spieler, der nach dem Überfall alle seine Charaktere durchwählen und ihre Aktionen nutzen kann. So läuft es dann im Prinzip durchgehend nach dem selben Schema: Man rechnet sich aus, wie viel Schaden man in einem Durchlauf anrichten kann, isoliert Gegner, deren Lebenspunkte dem Wert entsprechen und räumt sie dann möglichst unbemerkt ab. Klingt repetetiv, was es im eigentlich auch ist, aber trotzdem findet man sich als Spieler immer wieder dabei ertappt, wie man versucht eben doch noch einen Gegner umzunieten, bevor man das Spiel ausmacht. Ein bisschen wie bei Schatztruhen in Diablo & Co.

Dabei kann man verschiedene Waffen und Fähigkeiten freischalten. So gibt es neben den Startgewehren auch Pistolen mit Schalldämpfer oder Miniguns mit denen man ganze Flächen abholzen kann. Anders als bei Mutant: Year Zero kann man die eigenen Waffen aber leider nicht modifizieren und erhält auch nur eine sehr geringe Auswahl an Bleispritzen, ich habe das ganze Abenteuer hinweg beispielsweise bloß zwei schallgedämpfte Waffen gefunden.

Ähnlich verhält es sich mit den Upgrades für die eigenen Krieger. Diese können bis zu drei Verbesserungen erhalten, die entweder ganz einfache Boni auf Lebenspunkte oder Bewegungsreichweite sein können oder auch etwas exotischere Fähigkeiten, wie einem gewaltigen Sprung oder einem Schultertackle, der Gegner zu Boden wirft. Dazu gesellen sich noch die beinahe obligatorischen Verbesserungen für Granaten und Medikits. Die coolen Fähigkeiten werden übrigens von Gegnern fast gar nicht verwendet, was die Kämpfe in der Regel ziemlich vorhersehbar macht.

Wer Mutant Year Zero: Road to Eden kennt, wird hier auf keine Überraschungen treffen, vielmehr macht das Spiel durch die Bank einen Schritt zurück. So kann man sich die Reihenfolge der Missionen teilweise aussuchen und so gezielt bestimmte Upgrades priorisieren, aber die Aufgaben selber spielen nicht nur häufig in den selben Leveln sondern fühlen sich auch gleich an. Klar, es gibt Extraktionsmissionen, wo man Verbündete befreien muss oder Computer hacken muss, aber häufig ist das Auslöschen aller Gegner sowieso Teil der Mission, wodurch sich am Spiel wenig ändert.

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Corruption 2029 – Technik 2015

Technisch gibt es an Corruption 2029 eigentlich nichts zu meckern, das Spiel sind ganz ordentlich aus. Aber leider werden gefühlt viele Assets aus dem Vorgänger übernommen, denn optisch unterscheiden sich die Spiele praktisch gar nicht. Und generell ist das offenbar niedrige Budget immer wieder Ursache für verschiedenste Designentscheidungen. Wie gesagt, die Grafik selber ist gut, hält auch mit anderen Genrevertretern wie dem etwas älteren Xcom und dem aktuellen Phoenix Point mit. Die Kamera in den Rundenstrategiephasen springt manchmal etwas eigenartig herum und präsentiert wunderbare Ausblicke auf Wände, statt auf die eigentliche Action, behindert aber das Gameplay zu keinem Zeitpunkt.

Dafür wird merklich überall gespart. So gibt es für die Story kaum Videosequenzen, den Großteil der Handlung erfährt man aus Textboxen oder Missionsbriefings. Ebenso gibt es schon direkt am Anfang mehrere Missionen, die in den selben Leveln spielen und so künstlich das Spiel verlängern, die handvoll Level kennt man bereits alle im ersten Drittel des Spiels.  Zumal gerade diese Level auch genau so in Mutant Year Zero: Road to Eden auftauchen könnten. Das gilt übrigens auch für die Fähigkeiten der eigenen Soldaten, die sind auch weitgehend aus dem Vorgänger übernommen, in den sie zugegebenermaßen auch besser hineingepasst haben. Bei den Gegner läuft  das Ganze auch nicht besser, die Modelle sind generische Klone voneinander, kaum jemand unterscheidet sich in Animationen oder Optik, so fühlt sich die Welt auch sehr leer an. Erst im letzten Drittel wird es etwas ungewöhnlicher, auch wenn sich eigentlich nur die Farbtemperatur ändert.

Ein weiterer Kritikpunkt, der für Spiele dieses Genres äußerst wichtig ist, ist die KI. Die ist nämlich sau doof und lässt sich mühelos austricksen. Klar, das Schleichen und geschickte Manövrieren um die Sichtkreise ist Teil des Gameplays, aber wenn der Kampf losgeht, sind die Gegner nur deshalb gefährlich, weil sie viel Leben haben und die eigene Truppe mit wenigen Treffern über den Jordan schicken. Besonders schlimm ist da der Gegnertyp des Overseers, der sich lediglich in Deckung bewegt und von dort aus in jeder Runde eine Art Bodentorpedo abfeuert. Das ist nicht spannend, sondern bloß zäh. Noch dazu gibt es das gesamte Spiel über nur circa fünf unterschiedliche Gegnertypen. Auch da ist viel Potential flöten gegangen, denn die Gegner verhalten sich alle gleich und unterscheiden sich eigentlich nur durch Lebenspunkte, ganz selten wirft mal ein Gegner mit Granaten um sich oder nutzt sein Scharfschützengewehr für etwas anderes als Overwatch-Feuer.

Dafür läuft das Spiel flüssig und sicher, Abstürze oder nervige Bugs sind praktisch nicht vorhanden.

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  • Kampagne
  • Grafik
  • Technik
  • Gameplay
2.5

Summary

Corruption 2029 zu bewerten ist für mich echt eine Herausforderung. Durch den Vorgänger haben die Entwickler von The Bearded Ladies bei mir einen riesigen Stein im Brett. Damals war das Spiel neu, die Charaktere waren kreativ und die Mischung aus 3rd Person und Taktikspiel war innovativ. Und all das bietet Corruption auch, aber eben nur nochmal lauwarm aufgegossen. Die Taktikschlachten sind knackig schwer, aber im Prinzip immer gleich, auch die Charaktere haben nicht den Charm der Helden aus dem Vorgänger, noch dazu wirkt die Welt weniger authentisch und das Ende kommt viel zu früh. Irgendwie fühlt sich das ganze an wie eine Fan-Mod auf dem Skelett von Mutant: Year Zero. Aber für beinharte Taktikfans lohnt es sich trotzdem.

Das repetetive Gameplay bleibt weiterhin irgendwie charmant und das Spiel ist ziemlich günstig. Taktik-Fans können da auf jeden Fall zugreifen, aber Leuten, die in das Genre hereinschnuppern wollen, sollten lieber zum Vorgänger greifen!

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