Death Stranding für die Playstation 4 im Review: ein Paketbote im zerstörten Amerika spielt den Babysitter

© Sony/Kojima Productions

Also, was genau ist Death Stranding? Nun, es geht nur um das Verbinden und es ist ein Spiel, das ein unvergleichliches Erlebnis bietet.

2016: Hideo Kojima kündigt ein neues Spiel an, der Name Death Stranding.

2018: Zwei Jahre später wird auf der E3 das erste Mal Gameplay-Material gezeigt. Das war das Tagesgespräch, obwohl nicht jeder begeistert war. Warum? Nun ja, es wurde nur ein Mann mit viel Gepäck in einer ziemlich kargen Landschaft.

Was machte dieser, noch namenlose, Held? Er kletterte, ging über die Landschaft und wartete durchs Wasser. Was sollte dieses Bildmaterial dem Zuseher sagen? Dann kamen die ‚Geister‘schwebende Wesen, die das ganze noch rätselhafte machte.

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Kojima machte diese Bilder damals in Amsterdam. Da er gute Kontakte zu Guerilla Games hat, entstand dadurch auch eine geschäftliche Verbindung. Die Decima-Engine, die auch schon bei Horizon Zero Dawn zum Einsatz kam, wurde der Motor im neuen Projekt von Kojima Productions – natürlich in einer neueren Version.

Kojima wäre nicht Kojima, wenn er nicht das möglichste aus der Engine heraus holen wollte. Dadurch entstand eine offenen Spielwelt, die die gesamte USA abdeckt, durch die man von Osten nach Westen hindurch wandert, ohne das die Darstellung Anspruch auf Realismus erhebt, hinsichtlich des Maßstabs von Amerika. Trotzdem ist die zu erkundende Welt ziemlich groß, aber das spielt für die Geschichte eigentlich kaum eine Rolle.

Warum diese lange Einführung? Death Stranding ist ein ungewöhnliches Spiel, und braucht vielleicht etwas mehr Erklärungen zu seiner Entstehung.

Die Geschichte ist das treibende Element

Was bedeutet der Titel Death Stranding eigentlich? Er bezieht sich auf die massenhaften Walstrandungen, die gelegentlich – auch heute schon – stattfinden. In den zukünftigen USA spielt dieses Phänomen eine nicht geringe Rolle, nachdem sich eine Katastrophe ereignet hat und die menschliche Zivilisation fast gänzlich ausgerottet hat. Dieses Ereignis wird von den Überlebenden Death Stranding genannt.

Als Folge dieser Katastrophe leben die menschlichen Überreste in weit verbreiteten unterirdischen Städten. Dazwischen liegen weite, meist bergige Landschaften, die sich nach dem Death Stranding gebildet haben. Die Natur, die Infrastruktur und die großen Städte sind verschwunden. Man findet keine Züge mehr, keine Flugzeuge. Eine Welt, die so gewesen sein muss, bevor der Mensch sie bevölkert hat. So wandert man als der Held durch eine leere, karge Welt, in der nur ab und zu einige Insekten zu finden sind, aber sonst nichts… oder?

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Wenn das Spiel beginnt, findet man sich in einer Zeit wieder, in der sich die Zivilisation langsam wieder erholt. Städte, die untereinander Kontakt suchen, wurden gegründet. Diese muten recht futuristisch an. Um diese mit Informationen und/oder Materialien zu versorgen werden sogenannte Porter eingesetzt. Dies sind die Träger, die man im ersten Trailer der E3 sehen konnte. Mit schwerem Gepäck trotten sie durch das Gelände, um die nächste Siedlung zu versorgen. Eine gefährliche Arbeit, in einer unwirtlichen Landschaft, die aber auch Gefahren mit sich bringt.

Gestatten – Bridges, Sam ‚Porter‘ Bridges

Sam Bridges lebt davon, verschiedenen Frachten zu den Siedlungen zu bringen. Dies macht man als Spieler größtenteils im gesamten Spiel.

Dies spiegelt das Gameplay wieder, das schon im E3-Trailer zu sehen war, wieder. Sam wird gebucht, wann immer ein Träger gebraucht wird. Mit jedem Auftrag riskiert er Leib und Leben. Doch, obwohl er ein Einzelgänger ist, ist er nicht alleine. Er kann über Terminals mit anderen Bewohnern in holografischer Form kommunizieren. Hier findet man auch im Auswahlmenü, was, wo und wieviel gebraucht wird. Es wird auch auf der Karte angezeigt, wohin man die Ladung bringen muss. Manchmal bekommt man aber auch von lebenden Personen eine Mission zugeteilt. Jetzt kommt eine der wichtigsten Entscheidungen, die sich durch das ganze Spiel zieht: das Gewicht. Je mehr Sam trägt, desto schwieriger wird die Steuerung und er läuft langsamer, während sich seine Ausrüstungsgegenstände, wie z.B. die Stiefel, immer mehr abnutzen. Das ist Sams Leben, seine Existenz und der Hauptteil der Spielelemente von Death Stranding.

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Buh… ich bin ein Geist

Nochmal auf den ersten Trailer auf der E3 zurück zu kommen. Da waren doch geisterhafte Wesen, oder? Das Fracht herum tragen ist der eine Teil des Gameplays, aber es gibt auch noch diese schemenhaften bzw. unsichtbaren Einheiten. GD’s, also, Gestrandete Dinge machen den Trägern das Leben schwer, ja sogar lebensgefährlich. GD’s treten meistens in Gruppen auf und sind unsichtbar und unhörbar und warten auf Wanderer, damit sie sie, oder ihn töten können.

Das führt dann auch zu einer der erschreckenden und beeindruckendste Szene in den ersten Minuten des Spiels: Sam kommt, zusammen mit zwei Leichenbestattern, in den Einflussbereich dieser Wesen und es erscheint ein großer Pool aus geschmolzenen Teer, in den die GD’s ihr Opfer hinein ziehen wollen. Sollte dies erfolgreich sein, erschüttert eine gewaltige Explosion die Gegend, die einen 100 Meter Krater hinterlässt. Ähnlich, wie ein Vampir aus seinem Opfer einen neuen Blutsauger macht, entsteht hier ein neuer GD – einer mehr für sie, einer weniger für die Menschheit.

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Mitnehmen, oder liegen lassen?

Sam erledigt seine Arbeit, er untersucht verlorene Ladungen und der Spieler entscheidet, ob diese vielleicht so wichtig ist, um das Gewicht am Körper zu erhöhen, aber dafür eine bessere Belohnung zu bekommen. Er wird geschätzt, da Träger eine wichtige, aber auch lebensgefährliche Arbeit verrichten, und er einer der Besten ist.

Hier kommt ein kleiner taktischer Einschlag ins Spiel: mehr Fracht und damit langsamer, oder weniger Ladung, aber dadurch auch weniger Lohn. Da der Protagonist jederzeit von diesen nervigen GD’s eingeholt werden kann, ist diese Entscheidung lebenswichtig, da diese ja nicht zu erkennen sind.

Obwohl, das ist nicht ganz korrekt. Es gibt in dieser Zeit Menschen, die diese Einheiten erspüren können. Diese Empfindlichkeit gegenüber den GD’s hat verschiedene Level. So besitzt Sam Bridges die Stufe 2, die besagt, dass er diese Wesen fühlt, aber nicht sieht, oder hört. Hier ist dann erhöhte Vorsicht geboten, denn GD’s reagieren anscheinend auf Geräusche, das dann bedeutet, man muss sehr, sehr leise weiter vorgehen. GD’s können nicht sehen, aber sie können hören.

Luft anhalten

Sobald irgendwie bemerkt wird, dass diese Feinde in der näheren Umgebung unterwegs sind, ist es zwingend notwendig, heimlich und ruhig weiter zu gehen. Sam kann bei der Annäherung eines GD’s diesen zwar nicht sehen, er erkennt aber die Abdrücke, die diese Entität hinterlässt: riesige menschliche Handabdrücke, die sich im Sand oder Gras abbilden. Dies ist auch ein Hinweis darauf, wohin sich diese Wesen bewegen. Entweder versucht man dann, sich leise in die andere Richtung zu bewegen, oder man kann den Atem anhalten und hoffen, wenig Lärm zu machen, bis der GD sich wieder entfernt. Dies ist ein weiteres wichtiges Feature bei Death Stranding.

Sams Sensibilität macht ihn natürlich sehr gut für die Arbeit als Träger geeignet. Er ist jedoch nicht der Einzige, der diese Fähigkeit besitzt. So trifft er im Laufe der Geschichte auf Menschen, die eine höhere Stufe, als er besitzen. Diese können die GD’s dann auch sehen.

Sam ist aber in anderer Hinsicht etwas Besonderes: er ist ein sogenannter Wiederkehrer. Was das für ihn bedeutet ist, das ihn die GD’s zwar verschlingen können, er aber dabei nicht stirbt. In einer Welt, die auf dem Kopf steht und nur aus Wasser zu bestehen scheint, landet er, wenn er sich nicht aus der Umklammerung der GD’s lösen kann. Hier findet man, mit Glück und Einsatz des Scanners, den Sam immer bei sich zu haben scheint, die verlorene Fracht wieder. Wenn man aus dieser Wasserwelt flieht, findet man sich, ohne Gepäck, am Rande eines Kraters wieder. Das bedeutet, Fracht aufsammeln, die verstreut herum liegt, und weiter den beschwerlichen Weg gehen.

Babysitter gesucht

Kojima ist immer für eine Überraschung gut, und so führt er sehr früh im Spiel etwas sehr seltsames ein, die BBs. Dies sind Babys, die aus dem Leib einer Leihmutter, hier Totmutter, vor der Geburt geholt werden. Diese ungeborenen Kinder sind für die GD’s sehr empfänglich sind. Daher werden sie in transparenten Kokons mitgeführt und sind mit dem Träger und seinem Scanner verbunden. Sobald Sam sich mit ’seinem‘ BB verbunden hat, das er in einem Halter vor der Brust mit sich trägt, kann er plötzlich die seltsamen schwebende Wesen sehen.

(Wer sich die Zeit nimmt, diese Einheiten näher zu betrachten, erkennt, dass sie mit einer Art Nabelschnur irgendwie verbunden sind.)

Sam erfährt, dass diese BB’s eigentlich nur einige Tage, oder Wochen im Einsatz sind. Danach ist das Kind ausgebrannt und muss ersetzt werden. Obwohl sie nur als Werkzeug angesehen werden, sind diese kleinen Wesen sehr empfindlich und bekommen sehr schnell Angst.

Sobald ein gewisses Stresslevel dem BB zugemutet wurde, indem man z.B. öfters stürzt, muss man seine Aufmerksamkeit dem Baby widmen. Das geht ziemlich einfach, indem man den Controller hin und her bewegt und damit das Kind beruhigt. Keine alltägliche Aktivität für den durchschnittlichen Spieler.

Das Spiel beginnt eigentlich erst richtig, als Sam ein BB bekommt. Seine Einzigartigkeit, die er gegenüber den GD’s schon hat, wird durch die Wiederkehr noch verstärkt. Und auch sein Baby, BB-28, ist nicht so, wie die gewöhnlichen Kinder: es hat schon länger, als alle anderen BB’s überlebt und versorgt Sam mit Visionen über eine Zeit, die die ersten Stunden des Babys in einer Klink zeigen. Dies wird in der Folge noch sehr wichtig für die Story.

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Auf in den Westen

Alles in Death Stranding ist rau, unberührt und mysteriös. Auch wenn der Held des Spiels öfters mit Hologrammen oder Menschen redet ist er doch meistens alleine. Das Spiel hat eine sehr rätselhafte Seite: unsichtbar GD’s, Sams außergewöhnliche Gabe und Menschen, die in den Visionen auftauchen. Dies führt zu einer komplexen Geschichte, in der man die nicht zu kleine Aufgabe übernimmt, Amerika wieder zu reparieren. So beginnt Sam die Kommunikationslinien zwischen den Städten und Siedlungen wieder zu etablieren, damit Gespräche und Informationsaustausch wieder stattfinden kann. Er startet im Osten des zerstörten Amerikas und schlägt sich weiter nach Westen durch.

Mit jedem neuen Strang, den er mit dem Einbinden einer Stadt/Siedlung knüpft, sollen die Menschen besser gegen die GD’s gewappnet werden. Dies geschieht durch den Austausch von Informationen und Materialien. Sam hat eine entscheidende Rolle in diesem Plan inne, obwohl er eigentlich nur ein gewöhnlicher Träger sein möchte.

Schön, schöner, am schönsten?

Trotzdem die Spielewelt recht karg ist, hat es Kojima geschafft, eine wunderbare Welt zu kreieren. Mit der Decima-Engine von Guerrilla Games erschuf er, dank Fotogrammetrie, eine real anmutende Umgebung. Fotogrammetrie ist eine Technik, aus der aus echten Fotos die Spielewelt realistisch dargestellt werden kann. Dadurch hat die Welt um Sam herum unterschiedliches Gestein und eine Vegetation, die einfach echt ausschaut. Gras, Moos, Kies, Sand in unterschiedlichsten Variationen sind zu sehen. So gibt es langes und kurzes Gras, gelben und schwarzen Sand, der mal lose oder sehr fein ist. Und natürlich Lava. Auf dem Lavagestein gibt es kaum Vegetation und es ist dort alles sehr kahl.

Durch das häufige Fehlen von Bäumen kann man in der Welt von Death Stranding sehr weit blicken und fast überall hingehen, auch wenn ab und zu eine unsichtbare Wand den Forscher- und Entdeckerdrang etwas eingeschränkt. Da hätte man sich was besseres einfallen lassen können.

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Trotzdem hat es Kojima Productions geschafft, das sich Sam’s Welt irgendwie echt anfühlt. Das ist darin begründet, dass der Perfektionist Hideo Kojima auf viele kleine Details bei der Entwicklung des Spiels geachtet hat. So scheinen selbst die kleinsten Staubwolken irgendeine Art Masse zu besitzen. Auch dass die Füße der Charaktere, wie im echten Leben, an einem Hang schräg stehen und sich damit dem Untergrund anpassen, zeigt, wie nah an die Realität hier programmiert wurde.

Man muss auch auf diesen Untergrund achten. Wer sich einen Hang hinunter bewegt und auf Gras läuft, kann schneller abrutschen, als dies auf Fels geschieht.

Auch weiter Kleinigkeiten erhöhen die Echtheit der Welt. So ist alles, was Sam mit sich trägt, auch sichtbar. Das bedeutet aber auch, dass dies alles den Witterungsbedingungen unterliegt. Da es in Death Stranding oft regnet, (Zeitregen), bemerkt der Spieler, dass sich am den Kisten Rost bildet. Das kann sogar soweit gehen, dass eine ganze Ladung zerstört wird.

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Sam hat Masse

Wie alles andere in dem Spiel hat natürlich auch der eigene Charakter Masse. Er, und alles, was er befördert. Wenn die Traglast steigt, verändert sich auch die Spielmechanik. So schwingt das Gepäck nach, wenn Sam zu schnell abbiegt und nur das Entgegenhalten mit den entsprechenden Schultertasten verhindert, das er stürzt. Das kann zwar nervig sein, wenn man z.B. Feinden schnell entkommen möchte, aber der physikalische Aspekt fühlt sich trotzdem sehr gut an.

Als Belohnung erhält man Likes. Mehr Likes bedeutet mehr Upgrade-Möglichkeiten. So wird Sam im Laufe der Zeit stärker, kann mehr Fracht tragen und wird stabiler beim Gehen. Auch bekommt man durch das Wissen anderer Städte die Möglichkeit, Erfindungen zu tätigen, wie zum Beispiel ein Exoskelett, dass stärker und stabiler macht.

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Wenn man diese Forschungen weiter vorantreibt, bekommt Bridges auch Zugang zu Waffen, die teils sehr konventionell sind. Es gibt aber auch sehr futuristische Kanonen. Diese helfen nicht nur gegen die GD’s, sondern auch auf die immer wieder erscheinenden Terroristen, die sich zum Ziel gesetzten haben, die Pläne der zentralen Autorität zu unterwandern. Auch eine Räuberbande namens MULE treibt ihr Unwesen auf dem amerikanischen Kontinent. Diese erscheinen fast so oft, wie die GD’s und sind ganz normale Menschen, die, ähnlich wie die Träger, herumwandern.

Doch Vorsicht: wenn man einen Mensch aus Fleisch und Blut erschießt, zieht sein lebloser Körper GD’s an und das ist alles andere als erfreulich. So ist es klüger, mit den Fäusten zu kämpfen. Aber auch hier lauern natürlich Gefahren. Schläge, die Sam Bridges eingesteckt, können dazu führen, dass das Gepäck aus seiner Halterung fällt. Der Nahkampf ist recht einfach gehalten. Mit nur einem Button prügelt man um sich und es wird keine besondere Taktik benötigt. Die Animationen von Sam und seinen Gegnern sind fließend und schön anzusehen.

Bei Death Stranding geht es hauptsächlich um den Transport von Waren durch wunderschöne Landschaften. Doch, man sollte sich nicht täuschen lassen, denn man kann jederzeit von MULE oder GD’s überrascht werden. Auch gegen die Physik der Welt muss immer wieder angekämpft werden, damit die Waren rechtzeitig und komplett beim Empfänger ankommt.

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Schaffe, schaffe… Häusle baue…

Wie schon angemerkt, ist Forschung sehr wichtig. Zunächst erhält Sam die Möglichkeit Leitern und Seile herzustellen und zu benutzen. Diese kann man, nach Gebrauch, entweder liegen lassen, oder wieder mit sich führen. Da die Wege ab und an jedoch den Helden wieder an einen schon besuchten Platz zurück führen, ist es vielleicht sinnvoll, die Hilfsmittel an dem Platz zu lassen, an dem man sie benutzt hat. Das bedeutet jedoch, dass Sam mehr von ihnen mitnehmen muss, was wiederum das Tragegewicht beeinflusst.

Um Flüsse zu überqueren, die anfängliche eine natürliche Barriere bilden, können im späteren Spielverlauf auf größere Strukturen errichtet werden, wie z.B. Brücken.

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Nach und nach erhält Sam auch motorisierte Transportmittel, wie Motorräder und kleine LKWs. Auch wenn sich das sehr schön anhört, ist es in einer Welt, wie Death Stranding nicht immer positiv. Mit den vielen Bergen und Flüssen in dieser Welt, ist ein Vorankommen mit den Fahrzeugen nicht immer möglich. Da aber später auch Strassen gebaut werden können, die aber eine Menge von Ressourcen brauchen, ist dafür auch eine Lösung zu finden. Da diese einige Meter über dem Boden schweben, ist man auch etwas mehr vor Angriffen von GD’s und Räubern geschützt.

Multiplayer? Jein.

Sam ist auf seiner Mission nicht ganz auf sich gestellt. Death Stranding ist ein Multiplayer-Spiel – aber anders, als man denk, denn man trifft nie auf einen anderen Spieler. Während er durch die Welt spaziert, entdeckt Bridges Spuren anderer Spieler. So findet er Leitern, die andere dort abgelegt haben, oder Seile, die von einem anderen Spieler an gefährlichen oder unzugänglichen Orten angebracht worden sind, um das Weiterkommen zu erleichtern.

Damit Brücken oder Strassen schneller erweitert werden können, ist es nötig, eigenen Materialien zu verwenden, auch wenn ein anderer Nutzer den Bau begonnen hat. Auch findet man auf dem Weg verlorene Fracht, die man mitnehmen kann. Einige sind zufällig positioniert, andere haben echte Spieler wirklich verloren. Diese können natürlich mitgenommen werden, um sie an Terminals oder Briefkästen zu hinterlegen, oder dem ursprünglichen Empfänger zu übergeben.

Auch häufig genutzte Routen werden auf der Karte eingezeichnet. Je mehr diese frequentiert werden, desto dicker werden sie angezeigt. Selbst die eigenen Schritte werden bei Benutzung des Scanners angezeigt, so dass man sich entscheiden kann einen leichteren Weg zu nutzen, den man schon mal gegangen ist, auf dem aber Feinde warten, oder ob man eine neue Route einschlagen möchte, die eine noch unbekannte Gegend von Amerika aufdeckt.

Dich kenne ich doch

Die Landschaft ist schön modelliert, wie sieht es aber mit den Charaktermodellen aus? Die Story wird an den Terminals oder in den Siedlungen weiter erzählt – meist mit den oben erwähnten Hologrammen. Aber, auch echte menschliche Charaktere werden Sam auf seiner Reise begegnen. Hier hat Kojima Productions tief in den Pool der bekanntesten Namen gegriffen. Die digitalen Reproduktionen der bekannten Personen sind hervorragend. Da das Spiel sehr textlastig ist, wurde eine außergewöhnlich gute Arbeit in die Modellierung der Gesichter und deren Animationen gesteckt.

Sam ‚Porter‘ Bridges wird von Norman Reedus dargestellt, der den Meisten aus der Serie The Walking Dead als Daryl Dixon bekannt sein dürfte. Reedus musste viele Stunden beim Motion Capturing verbracht haben, denn seine Bewegungen sind geschmeidig und sein Gesichtsmodell ist einfach großartig. Dies gilt auch für fast alle anderen Figuren, die bei Death Stranding auftauchen, und die im Gegensatz zu vielen anderen Spielen mit Motion Capturing, nicht hölzern wirken.

So trifft man auch andere bekannte Gesichter, wie die der Schauspieler Mads Mikkelsen, Emily O’Brien, Troy Baker, Léa Seydoux, Margaret Qualley und der Veteranin Lindsay Wagner (älteren Fans vielleicht noch als Die sieben Millionen Dollar Frau bekannt). Doch nicht nur Schauspieler haben die Ehre in diesem Spiel verewigt zu werden. So sieht man z.B. auch den Regisseur Nicolas Winding Refn. Kojima ehrt damit die Leute, die er bewundert. Auch einige Größen aus der Guerilla Games Führungsetage haben einen Gastauftritt bekommen.

Jede kleinste Nuance in den Gesichtszügen scheint digitalisiert worden zu sein, was insbesondere bei Reedus und Seydoux zu sehen ist. Lindsay Wagner bekam sogar eine Verjüngungskur spendiert, die ihrem digitales Ego den gleichen Charme gibt, den die mittlerweile 70jährige als Bionic Woman versprüht hat. Es gibt noch viel mehr bekannte Persönlichkeiten zu finden, wie auch den Regisseur Guillermo del Toro, doch soll hier nicht jeder einzige erwähnt werden.

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Wo Licht ist, ist auch Schatten

Auf der Playstation 4 Pro sieht das ganze natürlich noch besser aus und das Spiel läuft auf jeder Konsole flüssig. Aber, leider finden sich doch auch technische Probleme. Ein Felsbrocken hat so zum Beispiel keine Seiten und man kann durch ihn hindurch sehen. Das kommt jedoch nur selten vor und ist Jammern auf hohem Niveau. Mehr Probleme bereitet da jedoch die Benutzeroberfläche mit ihren Menüpunkten. Wahrscheinlich ist der Plan gewesen, dies richtig industriell aussehen zu lassen. Da Sam ja für ein Unternehmen arbeitet, das für die gesamte Infrastruktur des Landes verantwortlich ist, sieht man das auch in der Gestaltung der Menüs. Leider sind dies nicht sehr übersichtlich und benutzerfreundlich, insbesondere bei der Auftragsannahme. Die ganzen Informationen, die man erhält, sind kaum interessant und können weggedrückt werden, doch jede einzeln. Hin und wieder ist das ja in Ordnung, aber wenn Sam eine Menge Fracht mit sich trägt und zu jedem Packstück die ganze Litanei durchgehen muss, nervt das nach einer Weile ganz schön, insbesondere, weil das gleiche bei den Tipps und E-Mails durchgemacht werden muss. Tipps sind ja nützlich, aber mehr als 100? Hier hätte man gerne eine Option einfügen können, nur neue und/oder ungelesen anzeigen zu können.

  • Grafik
  • Musik
  • Synchronisation
  • Sound
  • Gameplay
4.4

Geburt eines neuen Genres?

Death Stranding ist wunderschön und faszinierend. Hideo Kojima hat  sich getraut, ein Spiel zu machen, in dem man nur Fracht transportieren muss. Ist das aufregend? Ja, den der Regisseur versteht es, diese einfache Tatsache mit einer interessanten Geschichte zu verknüpfen.

Das Spiel hat seine starken Höhepunkte, wie zum Beispiel die Umgebung, in der sich der Spieler bewegt. Das absolute Highlight sind aber die Charaktermodelle und auch die deutsche Synchronisation. Da passt fast alles.

Auch wenn Death Stranding nicht unbedingt das Actionspiel ist, dass sich viele erhofft haben, ist es aufregend, das postapokalyptische Amerika zu durchstreifen. Doch man muss auch eine gehörige Portion Geduld für das Spiel mitbringen.

Auch wenn einige Texturen verschwinden und die Menüs unübersichtlich sind, hat Hideo Kojima es wieder geschafft, eine Art neues Genre zu erschaffen, ähnlich, wie er es mit Metal Gear Solid erreicht hat.

Eine absolute Kaufempfehlung.

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