Der ‚Großvater‘ des Internets ist Tod – Larry Roberts mit 81 Jahren verstorben

© Computer History Museum

Einer der wichtigsten Menschen, die für das Internet zuständig waren, Lawrence „Larry“ Roberts ist im Alter von 81 Jahren verstorben. Schon am 26. Dezember verstarb der Großvater des Internets in seinem Haus in Redwood City, Kalifornien, an einem Herzinfarkt.

Roberts war in den späten 60er Jahren Manager bei der APRA (jetzt DARPA) der Advanced Research Projects Agency des Pentagon. Sein Aufgabengebiet umfasste unter anderem die Entwicklung des ARPANET, was landläufig als direkter Vorläufer des Internets gilt. Am 29. Oktober 1969 ging die erste Host-zu-Host-Verbindung zwischen der UCLA und dem Stanford Research Institute online. Das war die Geburtsstunde des modernen Internet.

Auch wenn viel seiner Arbeit nur administrativ und verwaltende war, haben viele seiner Entscheidungen dazu geführt, das Netz so zu gestalten, wie es ist. Vieles davon ist bis heute der Öffentlichkeit nicht bekannt, so zum Beispiel der Vortrag nur eine Woche vor Einführung des ARPANETs zusammen mit seinem Kollegen, JCR Licklider, vor der National Security Agency (NSA). Was sie diesen gesagt haben? Wir wissen es nicht genau, nur das Thema: Wie würden Netzwerke in 10 Jahren, 1979, aussehen. Larrys Job bestand darin, im Auftrag des Pentagon in die Zukunft zu schauen und Verbindung zu den wahren militärischen Zwecken des frühen Internets zu finden, vor denen viele andere unangenehm abschreckt waren.

Interessanterweise waren viele Menschen an Universitäten im ganzen Land anfangs sehr skeptisch gegenüber dem Versprechen vernetzter Computer und Roberts musste sie im Wesentlichen dazu überreden, die neue Technologie auszuprobieren.

„Obwohl sie im Hinterkopf wussten, daß dies eine gute Idee war, unterstützten uns aus philosophischer Sicht und aus praktischer Sicht, Minsk und McCarthy [zwei prominente Informatiker] und alle, die über eine eigene Maschine verfügten. Ich wollte [weiterhin] eine eigene Maschine haben“, sagte Roberts 1989 in einem Interview, das auf der Website des Computer History Museum veröffentlicht wurde. „Erst ein paar Jahre nach ihrem Einstieg in [ARPANET] schwärmten sie darüber, wie sie jetzt Forschungsergebnisse teilen, gemeinsam Papiere veröffentlichen und andere Dinge tun könnten, die sie vorher nie tun konnten.“

In den frühen 70er Jahren, bevor er ARPA verließ, entwickelte er noch die E-Mail. Diese wurde so schnell so beliebt, daß 1974 schon 75 Prozent des Netzwerkverkehrs hierfür verwendet wurden.

Die New York Times erklärte in ihrem Nachruf, was Roberts nach seinem Ausscheiden bei APRA getan hat, um im privaten Sektor Fuß zu fassen:

„Dr. Roberts verließ ARPA 1973 und wurde der Gründungsvorsitzende von Telenet, einem Netzwerkunternehmen, das Paketvermittlung einsetzte. Sieben Jahre später verkauften Dr. Roberts und seine Mitbegründer Telenet für 60 Millionen Dollar an GTE.

Die folgenden Start-ups konzentrierten sich auf Algorithmen zur Flusskontrolle für den Internetverkehr und erzielten nicht den gleichen Erfolg. Es gelang ihm letztendlich nicht, erheblichen Wohlstand aus dem Internet zu gewinnen.

„Es ist, als hätten Sie den Spider-Man-Charakter erschaffen und er wurde zu einer riesigen Franchise, aber Sie wurden nur stundenweise dafür bezahlt, dass Sie ihn gezeichnet haben“, sagte Pascha Roberts, der Sohn von Larry.

Trotzdem blieb Dr. Roberts über diesen Aspekt seines Lebens philosophisch. „Es ist traurig, dass mir das nicht geholfen hat“, sagte er im Interview von 2018. „Aber es ist interessant, und ich liebe das Wissen, das ich durch den Bau und die Nutzung gewonnen habe und es von Anfang an verstanden habe.“

In Connecticut geboren, machte Roberts seinen Bachelor in Elektrotechnik am MIT und promovierte 1963. In den 1960er arbeitete er am Lincoln Laboratory des MIT an bahnbrechenden Technologien, darunter sehr primitive virtuelle Realität. Er begann Ende 1966 bei ARPA.

Heutzutage erhalten andere Namen, wie Vint Cerf, in der populären Presse mehr Anerkennung für die Entwicklung des Internets. Vielleicht, weil Roberts, im Gegensatz zu dem notorisch publikationshungrigen Cerf, nicht das gleiche Gespür für Eigenwerbung hatte, wie andere Internet-Pioniere. Aber ohne Larry Roberts und seine entschlossene Vision, was Netzwerke tun können, hätte die Geschichte des Internets sicherlich ganz anders ausgesehen.

Wir danken Larry Roberts und möge er in Frieden ruhen.

 

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