Die Geschichte der E3: Rückblick auf das größte Game-Event

© E3

Wenn der Juni beginnt, versammeln sich die großen – und auch kleineren – Entwickler aus der ganzen Welt zur E3. Dort werden die geheimsten Projekte vorgestellt, die im Vorfeld der Show heiß von Influencern und Branchenveteranen diskutiert werden. So ermöglicht die E3, dass die Leidenschaft für unser Lieblingshoppy mit seinem Einfluss auf die Unerhaltungsindustrie weltweit anerkannt wird.

Jetzt, da sich die Eröffnungsfeier mit großen Schritten nähert, ist es an der Zeit, einmal einen Rückblick auf dieses Showergeignis zu zeigen.

Die E3, eigentlich ja Electronic Entertainment Expo, besitzt eine relative kurze Geschichte. Doch trotzdem hat sie es geschafft, sehr schnell zur größten Veranstaltung der Spielebranche zu werden. Sie ist untrennbar mit der Videospielkultur verbunden. Fast alle AAA-Entwickler und Plattformen zeigen dort ihre neuesten Projekte. Dies sorgt jedes Jahr zu einem Massenhype in der gesamten Gaming-Community.

1995 startete die E3 erstmals, um die Branche um Video- und PC-Spiele der Weltbühne zu präsentieren.

Doch, obwohl es Stolpersteine und übertriebene Aufregungen bei den Shows gab und gibt, bleibt die Messe die am sehnlichst erwartete Veranstaltung für Spieler jedes Jahr. 24 Jahre nach der ersten E3 hat sie sich weiter an die Branche und Kultur der Spiele angepasst.

1995–2002:

E3 1995 Playstation

Auch wenn es Videospiele schon seit Jahrzehnten gab, haben viele Menschen im Jahr 1991 die Branche nicht erst genommen und die Fans belächelt. Tom Kalinske, CEO von Sega America von 1990 bis 1996, beschreibt, wie sich das Phänomen damals zeigte:

„In den frühen neunziger Jahren haben wir immer etwas auf der [Consumer Electronics Show] in Las Vegas gezeigt. Wir waren dort zusammen mit den Leuten, die ihre neuen Autolautsprecher oder ihre neuen Computersysteme oder Fernseher oder Telefone zeigten. 1991 stellten sie uns in ein Zelt zur Verfügung, und Sie mussten an allen […] Anbietern vorbeigehen, um Nintendo und uns und die Lizenznehmer von Drittanbietern zu finden. Ich war nur wütend auf die Art und Weise, wie  die CES die Videospielbranche behandelte, und ich hatte das Gefühl, dass wir eine wichtigere Branche sind, als sie uns zugetraut haben. Also habe ich geplant, die CES zum Teufel zu schicken.“

Videospiele sind Spielzeug – so hieß es in den neunziger Jahren und man fand Konsolen und Cambridges auch nur in den Spielzeigabteilungen von  Karstadt und Co. Nicht ganz unschuldig daran war Nintendo, die mit den Werbekampagnen meist die jüngere Zielgruppe ansprach. So mussten die Wettbewerber zwangsläufig auf andere Gruppen zurück greifen.

So wandten sich Spiele, wie Myst und Mortal Kombat, eher an ein älteres Publikum. Mit dem Erfolg dieser Programme konnten viele Menschen die PC- und/oder Konsolenspiele nicht mehr ignorieren, auch wenn damit die nächste Kontroverse entstanden ist, wie weit Blut und Gewalt den menschlichen Geist beeinflussen könnte.

Aus Angst vor staatlicher Kontrolle gründeten die Spielehersteller die Interactive Digital Software Association (ISDA). Die ISDA wurde dann zur Entertainment Software Association (ESA), einem vereinten Block, der die Spieleindustrie vertritt. Die ISDA schlug die ESRB vor, die Alterseinstufungen für Spiele auf der Grundlage der vorhandenen Einstufungen für Filme standardisierte. Der Kongress der Vereinigten Staaten genehmigte die ESRB und erlaubte der Glücksspielindustrie, weiter zu machen.

Nachdem der Heim-PC einen Boom erlebte und mit Grafik-Zusatzkarten (wer kennt noch die Voodoo-Karte?) die 3D-Grafik salonfähig und erschwinglich machte, eröffnete dies dem Gaming neue Möglichkeiten. So begann eine Firma, die sich ausschließlich mit Entertainment-Produkten, wie Musik, Playern oder Fernsehern, beschäftigt hat, mit der Entwicklung einer Heimspielkonsole, die den Weltmarkt verändern sollte: Sony. 1995 startete die Entwicklung der Playstation, ein wahnsinns Fortschritt, da der japanische Großkonzern für zuverlässiges Elektronikunternehmen hoch angesehen war.

Mit 40.000 Teilnehmern war die erste E3 ein nicht zu erwartende Erfolg. Fer sogenannte Konsolenkrieg, in dem jeder Hersteller ein Stück vom Kuchen ab haben wollte, war im vollen Gange.

Ab 1995 lag der Fokus dann mehr darauf, Spiele zu präsentieren. Tomb Raider und Resident Evil führten die Technologie an unerwartete Grenzen. Neue Genres entstanden: filmisches Geschichtenerzählungen und visuelle Meisterwerke zogen in die Spielegeschichte ein.

Die Branche war in den Beginn des modernen Glücksspiels eingetreten.

2002–2009:

Die sechste Generation der Konsolen kam heraus und der Markt für Gaming war riesig. Doch, nur drei Plattformen konnten dem harten Wettbewerb standhalten – Sony, Microsoft und Nintendo. Bis 2002 dominierten diese drei Unternehmen die nächsten acht Jahre auf der E3.

Erst 2005 wurde das erste Mal über die E3 in den weltweiten Medien berichtet. Die Besucherzahl stieg auf 70.000. Der Hype war ungebrochen und mit der Ankündigung der Playstation 3 und der XBox 360 wurde dieser nocht weiter angestachelt.

Doch, wo Licht ist, ist auch Schatten: die ESA verkleinerte die Messe, da von den Ausstellern die Meinung geäußert wurde, dass, aufgrund des überwältigenden Wachstums, es zu schwierig geworden wäre, die Zielgruppen zu erreichen.

Infolgedessen wurde E3 von 2007 bis 2008 in E3 Media & Business Summit umbenannt. Die Teilnahme war auf 10.000 Personen begrenzt. Mit ein wenig Ironie beschädigte dieser Schritt die E3, als die Medienberichterstattung stark eingeschränkt wurde.

E3 war zu einer Veranstaltung geworden, die größtenteils für Unternehmen stattfand, und obwohl der Media & Business Summit weitaus überschaubarer war, wurde er beinahe zum Motor seines eigenen Untergangs. Die ESA erkannte, dass Blogger, Journalisten und Persönlichkeiten die Dynamik und den Hype der Messe vorangetrieben hatten.

2009–2018:

E3 2009 Sony

Die ESA reagierte und 2009 wurde die Messe wieder auf die bekanntere und eingängigere E3 umgestellt. Damit öffnete die ESA die Türen erneut für ein breites Publikum. 41.000 Besucher kamen 2009 wieder in die Hallen, um sich über Neuerungen und geheime Projekte zu informieren. Im folgenden Jahr präsentierten sich die Entwickler von Big Games erstmals gemeinsam mit den drei großen Plattformspielern. Ubisoft, Konami und EA haben mit ihren Gaming-Produkten dazu beigetragen, die Reichweite der E3 weiter auszubauen.

2017 änderte sich nochmals etwas: die Tore wurden erstmalig für die Öffentlichkeit auf gemacht. Fans konnten an Gesprächen teilnehmen, Vertreter der Unternehmen treffen und kommende Spiele antesten. Da Streaming-Dienste und Online-Plattformen immer beliebter wurden, stieg auch die Popularität der E3 weiter an. Mit Livestreams konnte die Show nun auch Menschen erreichen, die nicht die Möglichkeit hatten, dies alles vor Ort mitzuerleben.

Der Erfolg der E3 bedeutete erneut, dass einige Unternehmen Schwierigkeiten hatten, das gewünschte Publikum zu erreichen, insbesondere bei so großem Wettbewerb. Nintendo war der erste große Name, der sich von der E3 verabschiedete, um seine Spiele über Nintendo Direct zu präsentieren. Anschließend starteten Electronic Arts (EA) mit EA Play ihre eigenen Präsentationen.

E3 war auch von entscheidender Bedeutung für die Unterstützung von Indie-Spielen, indem die Reichweite erhöht wurde. Im vergangenen Jahr waren namhafte Verlage, wie Microsoft und Bethesda, mit Indies auf der Hauptbühne vertreten.

Bis 2019 und darüber hinaus:

E3 2018

Die E3 hat ihre Position als prestigeträchtigste Gaming-Veranstaltung gefestigt und die diesjährige Veranstaltung beginnt am 11. Juni. Die Show wird mit spannenden AAA- und Indie-Spielen, die für die Jahre 2019–2020 angekündigt wurden, sicherlich wieder viele Zuschauer anziehen. Fans und Medien möchten unbedingt weitere Informationen zu diesen erwarteten neuen Titeln erhalten .

Leider kann dies jedoch manchmal eine unglückliche Auswirkung auf Spieleentwickler haben, indem es den Hype um die Spiele, die es präsentiert, anheizt. Bei der E3 2018 war Anthem eines der am meisten erwarteten Spiele, konnte jedoch die hohen Erwartungen bei der Veröffentlichung im Februar dieses Jahres nicht erfüllen.

Vielleicht wären Spiele, wie Anthem, sowieso wie ein Bleiballon untergegangen, aber vielleicht hat die E3 die Erwartungen weit über das hinaus gesteigert, wozu Anthem fähig war.

Darüber hinaus schockierte Sony die Spielebranche, indem sie ankündigten, dass sie nicht an der E3 2019 teilnehmen werden und kündigte dann in einem Interview mit Wired unkonventionell Details zur Playstation 5 an .

Diese jüngsten Schritte werfen letztendlich die Frage auf: Ist die E3 überhaupt noch notwendig?

In seiner jetzigen Form scheint die E3 eine Hommage an die Vergangenheit zu sein – eine Zeit, in der selbstgemachte Entwickler und Spiele auf Streaming-Plattformen wie Twitch und YouTube rund um die Uhr verfügbar waren. Ob sich die E3 jedoch an die sich ständig ändernde Gaming-Landschaft anpassen wird, bleibt abzuwarten.

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