Gal Gun: Double Peace im Review – Pheromongeballer in der High School

Mit Gal Gun: Double Peace hat Publisher PQube den zweiten Teil der Anime Rail Shooter-Reihe nach Europa gebracht. Während Teil 1 für die XBox 360 und später auch für die PlayStation 3 noch ein Japan-Exklusivtitel war, erschien der Nachfolger für die PlayStation 4 und die PS Vita im August 2015 in Japan und vor wenigen Tagen nun auch bei uns. Wir haben den Titel für euch einmal genauer unter die Lupe genommen:

Story

Die Story von Gal Gun: Double Peace ist schnell erklärt und erfüllt im Grunde alle nur vorstellbaren Animeklischees. Ihr schlüpft in die Rolle des High School Schülers Hodai, der von einem Engel in Ausbildung ausversehen mit einer deutlich zu starken Ladung an Liebespfeilen erwischt wird. Das führt dazu, dass Hodai anstelle eines kleinen Attraktivitätsschubes plötzlich eine extrem anziehende Wirkung auf fast alle weiblichen Schülerinnen ausübt. Das klingt doch gar nicht so tragisch? Leider hat das Ganze einen enormen Nachteil, denn durch die Überdosis an Pfeilen verbraucht Hodai sein gesamtes Glück in Sachen Liebe an nur einem einzigen Tag, was bedeutet, dass ab dem nächsten Tag selbst Tiere und seine männlichen Mitschüler nur noch Leere für ihn empfinden. Doch natürlich gibt es eine Möglichkeit zur Rettung! Ihr müsst einfach bis zum Ende dieses einen Tages Hodais wahre Liebe ausfindig machen und mit dieser zusammenkommen. Dabei stehen euch aber natürlich Horden von liebestollen Mädels im Weg, denen ihr euch mit Hilfe von Pheromonschüssen erwehren müsst.

Neben dem Engel Ekoro, der ihr diesen ganzen Schlamassel zu verdanken habt, müsst ihr euch aber auch noch (wie sollte es anders sein) mit einer Dämonin herumschlagen, die ebenfalls ihr Abschlussexamen zur Vollendung ihrer Ausbildung bestreitet. Auch zwei Kindheitsfreundinnen, die Schwestern Shinobu und Maya, zu denen vor drei Jahren allerdings der Kontakt abbrach und die im Grunde die Anime-Charakterklischees von Tsundere und Loli verkörpern, spielen im Verlauf der Geschichte eine Rolle. Dem interessierten Spieler sollte außerdem bewusst sein, dass Gal Gun: Double Peace neben Rail Shooter und Dating-Sim Elementen auch mit Erotik (Ecchi) nicht geizt. Wer sich davon gestört fühlt, der sollte direkt von diesem Spiel Abstand nehmen.

Gameplay

Gal Gun: Double Peace kommt als Rail-Shooter (bspw. House of the Dead) im Anime-Stil daher und repräsentiert dabei ein Genre, dass der interessierte Spieler vermutlich eher aus Arcade-Spielhallen kennt, denn ihr bewegt euch während des Spiels nicht selber, sondern automatisch. Euch wird lediglich das Zielen und feuern der Pheromonschüsse überlassen, mit denen ihr die heranstürmenden Mädchenhorden in Ekstase versetzt und euch diese so vom Leib haltet. Das Ganze könnt ihr außerdem nur aus der Egoperspektive erleben. Ansonsten könnt ihr lediglich einige Entscheidungen treffen, beispielsweise, wenn es um die Wahl des nächsten Schauplatzes geht oder hin und wieder auch, was den Weg innerhalb eines Kapitels betrifft, in die das Spiel eingeteilt ist. Davon abgesehen könnt ihr in einigen Zwischensequenzen, in Gesprächen, eine von mehreren Antwortoptionen auswählen, die die Reaktion eures Gegenübers entsprechend beeinflussen, was normalerweise ein klassisches Element aus dem Dating-Sim Genre darstellt. Aus diesem hat man auch die Einteilung des Spiels in verschiedene Routen übernommen. Dabei kommt ihr irgendwann an einen Punkt, an dem ihr euch entscheiden müsst, wer eure wahre Liebe ist. Dabei könnt ihr entweder eine klare Entscheidung treffen oder eine Route mit einem eher offenen Ausgang wählen. Von eurer Entscheidung wird der Folgeverlauf des Spiels maßgeblich beeinflusst, so dass jede einzelne mögliche Route noch einmal ein etwas neues Spielerlebnis darstellt, zumindest im Hinblick auf die Handlung. Das ist auch gut so, denn eine einzelne Route für sich genommen hat eine eher überschaubare Spieldauer.

Sobald ihr das erste Mal in das Spiel eingetaucht seid, wird euch die recht einfache Steuerung des Rail Shooters nach und nach erklärt. Dabei wird schnell klar, die Targets (also eure Mitschülerinnen) sind im Grunde in vier (sehr erogene) Zonen aufgeteilt, von denen jeweils eine einen Schwachpunkt darstellt, der je nach Target variieren kann. Trefft ihr mit eurem Pheromonschuss den Schwachpunkt, sind die meisten Mädels direkt außer Gefecht gesetzt. Achtet ihr darauf weniger, sind auch schonmal mehrere Schüsse von Nöten. Alternativ könnt ihr euren Schuss durch längeres Drücken der Feuertaste auch aufladen, bevor ihr diesen auf die Reise schickt. Trefft ihr mit einem solchen aufgeladenen Schuss ein Ziel, werden auch Schülerinnen in der Nähe des eigentlichen Targets davon beeiflusst. Mit Hilfe des Zoom-Knopfes könnt ihr neben genaueren Schüssen auch durch einige Gegenstände, wie Büsche oder so manche Schranktür spähen, um Ziele dahinter ausfindig zu machen. Der Nebeneffekt: Habt ihr ein Mädchen mit der Zoom-Funktion ins Visir genommen, werden die Körperumrisse unter der Kleidung deutlich erkennbar.

Neben den Pheromonschüssen existiert eine weitere Methode, mit deren Hilfe ihr euch zur Wehr setzen könnt: der Doki-Doki Modus. Aktiviert ihr diesen bei einem oder mehreren Zielen, kommt ihr in ein Fenster, in dem ihr das Target aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und mit einer virtuellen Hand berühren könnt. Stellt ihr das Ganze dabei richtig an, füllt sich an der linken Bildschirmseite eine Ekstase-Anzeige, die wenn sie zur Gänze gefüllt ist, zum Double Peace bei eurem Ziel führt. Kommt es soweit, werden auch alle Ziele im Umkreis außer Gefecht gesetzt. Ein nützliches Mittel also, wenn euch direkt eine ganze Horde von Mädels gegenübersteht.

Ansonsten gibt man dem Spieler noch die Möglichkeit mit Hilfe von gezielten Schüssel auf kleine pinke Kreaturen Bonuspunkte zu sammeln oder auch Gegenstände aufzunehmen. Dazu zählen in erster Linie Schüler-Handbücher, aber es können auch andere Gegenstände gefunden werden, was oft ein Ziel von Mini-Missionen ist, die ihr per Smartphone vor dem Beginn der nächsten Stage erhaltet.

Schließt ihr eine Stage erfolgreich ab, erhaltet ihr neben den gesammelten Punkten, die ihr unter anderem gebrauchen könnt, um euch wiederzubeleben, wenn ihr doch einmal erwischt wurdet, auch noch goldene Federn, mit denen ihr euch einige Items im Schulkiosk kaufen könnt, die euch zum Beispiel widerstandsfähiger machen oder eure Feuerkraft verstärken.

Die Ganze Steuerung des Spiels ist dabei zwar auf Grund der geringen Komplexität intuitiv, jedoch muss man sich an das Zielen per Analogstick erst einmal gewöhnen, was aber ja ein generelles Problem von Shootern ist, wenn man diese mit einem Gamepad spielt. Einmal eingespielt, funktioniert das Ganze aber relativ gut. Es erfordert allerdings ein wenig Übung, um wirklich in allen Passagen des Spiels schnell genug zu reagieren. Auch das Aufsammeln der Bonusgegenstände fällt nicht immer ganz leicht. Hierfür sind meistens sehr präzise Schüsse von Nöten, die in der Kürze des Augenblicks oft nicht so einfach auzuführen sind.

Was den Schwierigkeitsgrad angeht, so bietet das Spiel zwei Optionen: Anfänger oder Experte. Diese Differenzierung erscheint ein wenig grob. Hier hätte man von Entwicklerseite vielleicht besser eine Einteilung in mehr Schwierigkeitsstufen vornehmen sollen. Zusätzlich sollte gesagt sein, dass man für das Spiel Englischkenntnisse benötigt, denn die japanische Vertonung wird auch bei uns in Deutschland nur mit englischen Untertiteln unterlegt, was angesichts der recht einfach gestrickten Handlung jedoch auch für Anfänger der englischen Sprache ausreichen sollte.

Alternativ zum Story-Modus hat der Spieler noch die Möglichkeit im Score Attack Modus auf die Jagd nach dem persönlichen Highscore zu gehen. Dabei können alle Stages gespielt werden, die ihr im Story Modus bereits besucht habt. Auch alle Zwischengegner stehen zur Auswahl und können erneut herausgefordert werden.

Grafik

Die Grafik im Anime-Stil passt natürlich gut zum Spiel und wurde insgesamt gut umgesetzt, ohne die Möglichkeiten der Konsole auszureizen, was jedoch bei einem Rail-Shooter auch nicht zwingend nötig erscheint. Allerdings hätte die Darstellung der Umgebung an einigen Stellen durchaus ein wenig detailreicher ausfallen dürfen. Da hilft es auch nicht gerade, dass beispielsweise die meisten Büsche oder auch Schränke immer wieder gleich aussehen, nicht nur innerhalb einer Stage, sondern auch über das ganze Spiel hinweg. Hier hätte man sich durchaus ein wenig mehr Vielfalt gewünscht.

Sound

Der Soundtrack zum Spiel passt hervorragend zur Thematik. Gleich zu Beginn zeigt man euch eine Introsequenz, die direkt aus einem Anime stammen könnte. Dazu trägt nicht nur der Stil dieses Clips bei, sondern eben auch der Introsoundtrack. Dieser ist stimmig und eingängig, wie man es von einem Theme erwarten würde. Auch die Hintergrundmusik der einzelnen Stages wirkt passend und ist rhytmisch schnell genug, um das gewollte Shooterfeeling zu untermalen. Doch nicht nur der Soundtrack, sondern auch die Soundeffekte erscheinen meist als passend. Ob es nun die verzückten Stimmen der Mitschülerinnen sind, nachdem ihr diese in Ekstase versetzt habt, oder das Geräusch eurer Schüsse. Dementsprechend gibt es hier kaum etwas zu bemängeln.

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Der Soundtrack während der Intro-Sequenz vor dem Titelbildschirm passt perfekt zum Anime-Stil des Spiels
Gal Gun: Double Peace
  • 4/10
    Story - 4/10
  • 6.5/10
    Gameplay - 6.5/10
  • 6.5/10
    Grafik - 6.5/10
  • 8/10
    Sound - 8/10
6.3/10

Kurzfassung

Gal Gun: Double Peace präsentiert sich, was das Gameplay anbelangt, als solider Rail-Shooter im Anime-Stil. Schwächen bei der Steuerung, die jedoch verschmerzbar und teils auch durch Übung zu kompensieren sind, paaren sich jedoch leider mit einer recht schwachen Story, die offenbar jegliche Anime-Klischees bedienen möchte. Die Spielzeit jedes einzelnen Arcs kommt recht kurz daher, nimmt man jedoch alle möglichen Routen zusammen, kommt Gal Gun: Double Peace auf eine passable Länge. Leider kann es beim Spielen nach einer Zeit zu Langeweile kommen, weil sich einige Passagen bei jeder Route wiederholen. Grafisch bleibt das Spiel dem angestrebten Anime-Stil treu, offenbart jedoch kleinere Schwächen bei den Details. Der Soundtrack jedoch ist sehr gut gewählt und versetzt den Spieler schon während der Introsequenz in einen „gespielten Anime“ hinein. Alles in allem handelt es sich bei Gal Gun: Double Peace um einen netten Rail-Shooter für zwischendurch, der vor allem Anime-Fans anspricht, die auch ein wenig Ecchi vertragen können. Wer gerne mehrere Stunden am Stück daddelt, dem könnte auf Dauer aber schonmal ein wenig langweilig werden.

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