Gamescom 2019: Zu Gast bei: Bandai Namco: Dragon Ball Z: Kakarot

Dragon Ball Z Kakarot
© Bandai Namco

Im diesjährigen Messe Line-Up dürfte wohl das von CyberConnect2 entwickelte Action-Rollenspiel Dragon Ball Z: Kakarot zu den großen Hoffnungsträgern des Publishers Bandai Namco gehören. Der Titel ist hier Programm: Das neue Dragon Ball-Spiel rollt die Z-Saga um Goku bzw. Kakarot einmal neu auf.  CyberConnect2 hat ja bereits einige namhafte Lizenzen versoftet – u.a. die populäre Naruto Ultimate Ninja Storm-Trilogie sowie die .hack-Spiele. Während die Naruto-Ableger eher reinrassige Brawler sind, und die .hack-Spiele aus der PS2-Ära ihre Wurzeln im Action-JRPG-Metier haben, findet bei Dragon Ball Z: Kakarot scheinbar endlich zusammen, was zusammengehört, um es nach Willy Brandt zu formulieren: D.h. gleichermaßen emanzipiert man sich von den prügellastigen Vorgängern und setzt auf eine eher erzählerische Rollenspiel-Komponente. Eine Entscheidung, die mir ausnehmend gut gefällt und die selige Erinnerungen an die „Das Erbe von Goku“-Trilogie auf dem Game Boy Advance weckt, die eine ähnliche Prämisse verfolgte.

Von Raditz bis Cell

Demnach spielen wir erneut die wohlbekannte Z-Saga durch, beginnend mit dem Einfall auf der Erde durch Gokus biologischen Saiyan-Bruder Raditz, über den Kampf gegen Freezer bis hin zum Cell-Arc, der im Rahmen der Gamescom 2019 enthüllt wurde. Bislang wurde die Boo-Saga zwar noch nicht als Teil der Handlung benannt, es liegt allerdings nahe, dass auch diese bis zum Release in 2020 in den Handlungsbogen von Dragon Ball Z: Kakarot aufgenommen wird. Anfang 2019 wurde das seinerzeit noch als DragonBall Game Project Z: ACTION RPG betitelte Abenteuer als „epische Nacherzählung“ der Abenteuer von Kakarot bezeichnet. Und das trifft es ganz gut: Es ist ein nachspielbarer Manga, der genug epische Momente und Fan-Service inne hat, um sowohl Neueinsteiger, Veteranen und Gelegenheitsleser- und Zuschauer mit ins Boot zu holen. Allerdings kann ich mir zugleich vorstellen, dass all die Fans, die Dragon Ball über die Jahre hinweg verfolgt haben und auch bei Super noch am Ball geblieben sind, sich vielleicht mehr Nebenhandlungsstränge wünschen würden. Denn zumindest inhaltlich wird so kein Mehrwert geboten.

Mehrere spielbare Charaktere aus dem Z-Roster

Obgleich der Untertitel „Kakarot“ darauf hindeutet, dass Goku zentraler Protagonist des Ganzen ist, werden wir auch in die Haut anderer Figuren des Z-Rosters schlüpfen können: Bislang wurden hier Piccolo, Vegeta und Son Gohan bestätigt. Die wiederum warten mit jeweils eigenen Movesets und Speziellen Angriffen auf. Darüber hinaus wird es passive Support Charaktere geben, die zwar nicht selbst spielbar sind, aber ins Kampfgeschehen proaktiv eingreifen und den Spieler unterstützen können: Hier werden dann so Dragon Ball Nebencharaktere wie Tenshinhan, Yamchu und Chaozu ins Spielgeschehen eingegliedert. Rollenspieltypisch kann man sich natürlich auch mit entsprechenden Tränken eindecken, die wahlweise die KI- oder Gesundheitsleiste auffüllen. Und weil Goku und Konsorten ziemliche Schlemmermäuler sind, sorgt zusätzliches Futter für höhere Stats.

Adventure-Mode und Bossfights

Während der Gamescom 2019 waren zwei Sequenzen anspielbar: Der Raditz-Build sollte den Adventure-Modus in den Vordergrund rücken und endete mit dem recht frühen Bosskampf gegen Raditz, während der Cell-Bosskampf aus einem späteren Zeitpunkt des Spiels stammte. Bei ersterem ging es um Exploration der Spielwelt, wir können uns gemeinsam mit dem einstigen Rivalen Piccolo fliegend durch die Areale fortbewegen- Collectibles einsammeln– sowie kleinere Nebenquests absolvieren. Die werden von diversen bekannten Charakteren vergeben und liefen zumindest in der Gamescom-Demo immer nach demselben Schema ab: Finde Gegner XY und verdresch sie ordentlich. Ansonsten gab es tendenziell wenig zu tun: Die meisten Dinge waren in diesem noch sehr frühen Build (vermutlich Alpha-Status) nicht interaktionsfähig, sondern lediglich optische Deko. Die Spielwelt, die vorwiegend aus den serientypischen Canyons bestand, wirkte noch recht steril und leblos und erinnerte eher an rohe Unreal-Stock Assets. Ich kann mir vorstellen, dass mich der fertige Adventure- und Rollenspielpart durchaus begeistern könnte, die bisherige Demo kann das Gefühl aber noch nicht angemessen transportieren. Hier muss noch ordentlich am Questdesign und an der Optik geschraubt werden. Eine gute Referenz wäre hier die Yakuza-Reihe bzw. das Fist of the North Star: Lost Paradise-Spin Off, die mit ihren mehrstufigen Aufgaben und Charakterinteraktionen tatsächlich eine recht lebendige Spielwelt vermitteln. Genügend skurrile Charaktere hat das Dragon Ball Z-Universum jedenfalls, um hier einen ähnlichen Weg zu gehen.

Dragon Ball Z Kakarot-2
© Bandai Namco

Auch der Kampf zwischen Cell und Son Gohan wirkte für mich noch ein wenig durchwachsen: Zwar spielte er sich vergleichsweise dynamisch und lief vonseiten der Performance schon flott ab, aber als dann mehrere Cell-Klone auftraten, ging für mich die Übersichtlichkeit schnell flöten. Ein Umstand, den ich recht häufig bei CyberConnect2-Titeln vernommen habe. Zudem gab es in der Demo noch nicht die Möglichkeit, Supporter einzusetzen. Die Angriffe waren auf ein leichtes- und schweres Angriffsmanöver beschränkt, auf Knopfdruck lädt man die KI-Leiste auf, mit der sich dann ein besonders starker Signature Angriff ausführen lässt. Ansonsten können wir nach vorne oder hinten dashen und den gegnerischen Angriffen ausweichen. So weit, so gehabt. Wir können aus dem entsprechenden Menüpunkt heraus Items verwenden, die entweder unseren Gesundheitsbalken wieder auffüllen oder aber die KI-Leiste. Rollenspielaspekte waren bislang in den beiden Demos eher unterrepräsentiert. Bis auf den Level-Balken bei den Gegnern (Widersacher Cell war etwa auf Lvl. 52), ließen sich keine nennenswerten Rollenspielmechaniken entdecken. Die Kampfanimationen waren hübsch, auch beim Cell-Kampf wirkte die Welt aber befremdlich leer.

Fazit: Dragon Ball Z: Kakarot vereint auf dem Papier alles, was einen Dragon Ball-Fan ansprechen dürfte. Brachiale Kämpfe in der Luft, Testosteronlastige Saiyan-Power und eine offene Welt mit viel Fan Service und Rollenspielaspekten. An all dem muss Entwickler CyberConnect2 aber noch hart arbeiten, bis das Spiel 2020 erscheint. Die in Cel Shading-Optik gehaltene Welt ist noch zu trist und steril und die Nebenquests zu generisch, um wirklich zu überzeugen: Was CyberConnect2 nach wie vor kann, ist die Fighting-Mechanik: Die Kämpfe wirken (für mich) unübersichtlich, dafür aber dynamisch und schnell. Sobald die Supporter, vollständige Movesets und andere Mechaniken greifen, dürften sie auch bedeutend an Komplexität gewinnen. Die Rollenspielaspekte habe ich in den beiden Demo-Builds aber mit der Lupe suchen müssen. Ich hoffe auf ein befriedigendes Endergebnis, das Potential ist da, ich bleibe aber noch zugegebenermaßen etwas skeptisch.

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Quelle:

Bandai Namco

Über Martin Pilot 375 Artikel
27 Jahre jung, beschäftige ich mich schon nahezu mein ganzes Leben mit Videospielen und Videospielkultur. Erstmals in Kontakt gekommen mit dem Medium bin ich Anfang der 90er Jahre mit einem Commodore 64 von der Resterampe, wo ich ausgiebig Giana Sisters und die Turrican-Umsetzungen suchtete und immer ein bisschen neidisch zu den Amiga-Besitzern rübergeschielt habe. Mitte bis Ende der 90er Jahre war ich vordergründig im Sega-Lager unterwegs - Bis heute ist die Sega Dreamcast meine liebste Plattform (Shenmue *hrhr*). Ich studiere darüber hinaus Englisch und Geschichte auf Lehramt und bin von meinen Interessen generell sehr auf die Darstellenden Künste fokussiert (Musik/Film/Theater).

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