Grandia HD Collection für die Nintendo Switch im Review: Oldie JRPG im neuen Gewand? Wirklich HD, oder nur eine Mogelpackung?

Retro-Fans werden die Grandia HD Collection zu schätzen wissen. Beide Spiele machen Spaß und obwohl sie sich in ihrem Ton sehr unterscheiden, scheinen sich die beiden Spiele zu ergänzen. Leider sind die Spiele nie so bekannt geworden, so dass ältere und jüngere Spieler diese Klassiker kaum zu schätzen wissen.

Spieleklassiker werden in der Spielwelt mit Minikonsolen wiederbelebt, aber auch Remakes alter Spiele-Klassiker wie Link’s Awakening kehren zu neuen Konsolen zurück. Es gibt auch gute Nachrichten für Fans alter RPGs, da Grandia die HD Collection jetzt auf der Switch gespielt werden kann. Dieses Bundle sammelt beide Teile der Grandia-Reihe und entführt die Spieler in eine magische Welt von 1997! Aber wie gut sind die Spiele gealtert?

Zwei Titel, zwei Geschichten

Mit der Grandia HD Collection sammelt Game Arts Co. die HD Remaster von Grandia und Grandia 2. Dies sind klassische RPGs aus den späten 90ern, die mittlerweile zu echten Kultklassikern geworden sind. Die Geschichten der beiden Spiele haben jedoch nichts miteinander zu tun.

Grandia erschien ursprünglich auf dem SEGA Saturn und später auf der Playstation. Teil 2 erschien auf der Dreamcast. In beiden Titeln trifft man die notwendigen interessanten Charaktere während der Geschichte.

Absolut klassisches JRPG

In Grandia dreht sich die Geschichte um Justin, einen Jugendlichen und selbsternannten Abenteurer. Obwohl er in einer Zeit lebt, in der „alles entdeckt wurde“ und Abenteurer nicht mehr ernst genommen werden, bleibt er positiv. Dann entdeckt er, dass der Stein, den sein Vater einmal gefunden hat, wirklich magisch ist und öffnet damit eine geheime Tür. Eine mysteriöse Frau bittet ihn, ein verlorenes Volk zu finden, und so beginnt seine Geschichte.

Die Story dreht sich ausschließlich um das Gefühl des Abenteuers und Justins Begeisterung ist ein wichtiger Antrieb dafür. Seine positive Einstellung, die er trotz allem zu bewahren vermag, ist ansteckend. Er schafft es, Spieler mitzunehmen und das dann in das Geschehen zu investieren. Das Spiel erzeugt auch eine gewisse Wärme von allen fröhlichen Charakteren. Dies macht Grandia sehr angenehm zu spielen. Außerdem sind einige Schnittszenen altmodische Anime-Bilder, die mit dem neuen optionalen japanischen Audio hervorragend funktionieren. Leider wurde die Schauspielarbeit sehr sparsam eingesetzt. Tatsächlich wird nur während dieser Zwischensequenzen geredet, darüber hinaus gibt es Gespräche über Sprechblasen. Schade, denn das Schauspiel trägt zur Atmosphäre bei.

Grandia ist optisch etwas aufpoliert. Das Spiel kombiniert Sprites mit 3D-Hintergründen und beide wurden leicht verbessert. Vor allem die Sprites sehen fantastisch aus. Die fröhlichen Farben und einfachen, aber unterhaltsamen Figuren geben den Ton für das Spiel an. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Grandia sehr alt ist und es zeigt. Diejenigen, die keinen Retro-Look mögen, werden Probleme mit dem Aussehen dieses Spiels haben.

© Game Arts

Das Gameplay ist unverändert geblieben. Die Kämpfe wechseln sich ab, aber mit einer Wendung, auf die der Spieler mit seiner Aktion warten muss (Active Time Battle ATB). Wenn man diese zur richtigen Zeit ausführen, unterbricht man auch die Aktion des Feindes, wodurch das Spiel etwas strategischer wird. Das macht Spaß, aber das Spiel ist so einfach, dass dieses strategische Gameplay nur in einigen Bosskämpfen zum Vorschein kommt. Im Übrigen ist ein strategischer Kampfansatz völlig unnötig. Es ist jedoch dringend notwendig, sich den Kämpfen zu stellen, damit man stärker wird und Fortschritte macht. Das Besondere zu dieser Zeit war, dass die Charaktere während der Kämpfe dynamisch im Kampfgebiet herumlaufen, wobei das richtige Timing der Angriffe ebenfalls einen großen Einfluss hat. Obwohl das Kampfsystem nicht sehr tief ist, funktioniert es sehr gut und unterscheidet sich von den meisten traditionellen JRPGs. Die Vielzahl von Spezialangriffen und Magie zwischen den verschiedenen Charakteren sorgt in der Tat für ausreichende Tiefe.

© Game Arts

Während des Abenteuers trifft man auf insgesamt 8 Charaktere, die mit dem Spieler kämpfen und jeder hat seine eigenen Kräfte und seine eigene Magie. Und wo Spiele heutzutage oft eine möglichst komplizierte Geschichte haben, bleibt dies bei Grandia schön und einfach zu verfolgen. Es gibt mehr als genug Handlungsänderungen und die Geschichte fasziniert weiterhin. Man kann sie leicht verfolgen, ohne jedes Wort lesen zu müssen. Darüber hinaus sind die Charaktere stark porträtiert.

Erkunden ist ein Teil des Abenteuers und das ist sicherlich vorhanden. Fans, die gerne stöbern, finden in jeder Ecke des Spiels Kisten und andere Dinge. Das ist schön, aber die Gestaltung der Gebiete erschwert die Erkundung. Es ist schwierig festzustellen, wo man sich gerade befinden und vor allem, ob man schon einmal irgendwo war. Dies ist sehr frustrierend und kann manchmal den Spielspaß erheblich beeinträchtigen.

© Game Arts

Erwachsener und dunkler

Grandia 2 verabschiedet sich von diesem fröhlichen Ton und gibt der Geschichte eine viel dunklere Wendung. Es ist immer noch ein Abenteuer, aber die Freude wurde ein wenig zurückgedrängt. Der Protagonist Ryudo kümmert sich wirklich nur um sich selbst und er hasst Religion und Gläubige. Als Geohound wird er angewiesen, Elena zu einem Ritual zu führen, und das geht völlig schief. Als er beauftragt wird, das besessene Mädchen zum Papst zu begleiten, damit er es exorzieren kann, tut er dies nur, weil er bezahlt wird.

Die Tatsache, dass das Spiel weniger gut gelaunt ist, bedeutet jedoch nicht, dass es nicht so überzeugend ist. Die Geschichte ist gut geschrieben und obwohl sie voller Jrpg-Klischees ist, gelingt es ihr, die Spieler mit einer interessanten Handlung zu faszinieren. Es ist, als wäre Grandia mit dem damaligen Publikum gewachsen und Grandia 2 konzentriert sich mehr auf Erwachsene.

Das Erscheinungsbild von Grandia 2 hat sich ebenfalls erheblich verändert. Die Sprites werden von 3D-Modelle aus Polygonen ersetzt. Um ehrlich zu sein, ist dieser Stil viel weniger veraltet. Wo die Sprites jedoch noch einen gewissen Charme haben, würden man die Modelle eher als „alt“ denn als „retro“ bezeichnen. Spieler der neuesten Generation werden sicherlich Schwierigkeiten mit dem Aussehen dieses Spiels haben.

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Grandia II wurde insgesamt nicht sonderlich optisch aufgewertet. Das Intro-Video ist extrem pixelig. Einige der Zaubereffekte sind nur Videos, die über dem Spiel platziert werden, und auch wenn diese speziellen Zaubersprüche verwendet werden, verschwinden die Feinde manchmal vom Bildschirm, obwohl sie getroffen werden. Andere Zaubersprüche, wie Brennen, erzeugen einen Feuerball über dem Kopf des Charakters. Die Beleuchtung davon ist sehr schlecht gemacht und man hätte da leicht nachbessern können. Es ist ziemlich enttäuschend, dass Grandia II anscheinend nicht die Sorgfalt erlangt hat, die das erste in dieser Sammlung hatte. Außerdem sind, besonders im späteren Spieleverlauf, die Zwischensequenzen so dunkel, dass man nichts erkennen kann. Ob das mit dem versprochenen Update behoben wird?

Glücklicherweise wissen die älteren Spieler, dass es nicht um das Aussehen, sondern um den Inhalt des Spiels geht. Das Gameplay in Grandia 2 hat sich sicherlich verbessert. Das zugrunde liegende System ist das gleiche, aber im harten Modus gibt es viel mehr Gründe, über den nächsten Schritt nachzudenken. Das Levelsystem wurde ebenfalls verbessert, bei dem Charaktere in Grandia wiederholt dieselbe Art von Angriff oder Magie anwenden mussten, um neue Fähigkeiten zu erlernen. Fähigkeiten, Magie und Spezialangriffe werden nun mit verschiedenen Münzsorten gekauft. Diese werden von der gesamten Gruppe während der Kämpfe verdient, was bedeutet, dass sich die Spieler weniger Gedanken über die von ihnen verwendeten Angriffe machen müssen.

© Game Arts

Das Erkunden hat sich ebenfalls etwas verbessert. Die Gebiete sind immer noch etwas unübersichtlich, aber im Vergleich zum ersten Grandia ist es viel einfacher, sich zurechtzufinden. Darüber hinaus unterhalten sich die Gruppenmitglieder im Hintergrund, wodurch das Verirren weniger ärgerlich wird, da es Spaß macht, den Gesprächen zu folgen.

Fräulein?

© Game Arts

Ein kleiner lustiger Fehler, bringt auch heute noch den Spieler zum Schmunzeln: wenn ein Charakter oder Feind bei seinem Angriff den Gegner nicht trifft, erscheint eine Bildschirmanzeige, die absolut einzigartig ist. Im englischen Original heißt es dann ja „miss“ (verfehlt). Anscheinend wurde bei der Übertragung in die deutschen Bildschirmtexte ein Übersetzungsprogramm benutzt, dass aus „miss“ „Fräulein“ macht, da es das Wort als Anrede interpretiert hat. Absolut einzigartig.

  • Grandia 1: Grafik
  • G1: Sound
  • G1: Story
  • Grandia 2: Grafik (wegen den Zwischensequen)
  • G2: Sound
  • G2: Story
  • Spielzeit Granda 1 ca. 40 Stunden
  • Spielzeit Grandia 2 ca. 30 Stunden
3.1

HD? Oder, doch eher nicht?

Die Grandia HD Collection bringt zwei alte, aber hervorragende Spiele zurück in die Gegenwart. Beide Spiele wurden optisch aufpoliert und Retro-Gamer werden es sicherlich zu schätzen wissen. Außerdem bleiben sie einfach Topspiele. Jüngere Spieler, die kein Gefühl von Nostalgie haben, werden davon jedoch nicht besonders profitieren. Sicherlich ist Grandia 2 nicht so veraltet.

Ob die Grandia HD Collection sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, ob man für zwei alte JRPGs offen ist, die zu dieser Zeit sehr geschätzt wurden. Viele haben vielleicht noch nie eines der beiden RPGs gespielt, und dann ist dies definitiv  jetzt eine Chance. Es bleibt die Tatsache, dass man mit dieser Kollektion zwei echte Top-Modelle erhalten, aber der Preis von fast 40 ist etwas hoch, besonders wenn man sich das ansieht, was visuell angepasst wurde.

Ist es eine Mogelpackung? Jein! HD? Nicht wirklich, aber der Spielspaß ist doch, insbesondere für Retro-Fans, die die ATB-Kämpfe mögen, sehr hoch. Leider fehlt ein Wiederspielwert. Egal, ob Teil eins oder zwei: Einmal durchgespielt und man hat alles gesehen.

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