Journey to the Savage Planet für die Playstation 4 im Review – Metroidvania at its best

© Typhoon Studios/505 Games

Einige der besten Spiele sind weniger Story- und mehr Gameplay-orientiert. Anstatt zu versuchen, einen Gegner aufzuhalten oder ein Hindernis zu überwinden, macht es einfach Spaß, in dieser Welt zu sein und zu sehen, was sie zu bieten hat.

Dies ist ein Konzept, das für Journey to the Savage Planet gilt. Zwischen verrückten Kreaturen, majestätischen Gegenden und unzähligen Geheimnissen bietet es den Spielern eine Menge, aber wird es ausreichen?

Das Weltallunendliche Weiten. Für Entwickler eine Quelle unendlicher Inspirationen, die zu einigen recht seltsamen Spielen führen kann. Mit dem neuen Projekt von 505 Games und Typhoon Studios bekommt der Nutzer ein Abenteuer, bei dem die Erkundung der bizarren und farbenfrohen Welt, die den Hirnen der Kreativen des kleinen Studios entsprungen sind, von großer Bedeutung ist und sie damit versuchen, sich aus dem Gros der Masse heraus zu heben. In diesem Test wird man herausfinden, ob der Indie-Entwickler erfolgreich war.

Willkommen auf AR-Y-26

Ein ruhiger, aber furchtlose Weltraumabenteurer ist der Held in Journey to the Savage Planet. Er ist Angestellter der viertbesten Raumfahrtfirma der Welt, Kindred Aerospace.

Der Welt geht es nicht gut und jeder fühlt sich schlecht. Darum werden verschiedene Astronauten in die Weiten des Universums geschickt, um für die Menschheit eine neue Heimat zu finden.

So findet man sich nach dem Start des Spiels auf einem unbekannten Planeten mit dem Namen AR-Y-26 wieder, mit der Aufgabe, diesen gründlich zu erforschen. Der Spieler hat grundlegend das Ziel, alle Geheimnisse und verborgene Infos auf dem neuen Planeten zu finde.

Daher gilt es in der Hauptstory herauszufinden, ob AR-Y-26 für eine Besiedlung durch die Menschen geeignet ist. Doch, wie bei so manchen Spielen, geht dieser doch einfach erscheinende Plan gründlich in die Hose. So findet man sehr bald heraus, das man nicht der Erste ist, der sich auf dem farbenfrohen Planeten austobt. Also macht man sich zur Aufgabe, herauszufinden, ob diese alte Zivilisation eine Bedrohung für den Plan der neuen Heimat ist.

Zugegeben, es ist nicht die neueste und originellste Geschichte für ein Spiel, aber der Spaß liegt genau darin. Das liegt an dem komischsten und absurdesten Humor in der Geschichte, die man seit langem gesehen hat. So macht das Entdecken der Hintergründe zwischen AR-Y-26 und seinen Bewohnern, die miteinander verbunden zu seien scheinen, enorm viel Vergnügen.

Mit einem breiten Lächeln auf Entdeckungsreise

Nach einer harten Landung auf AR-Y-26 muss man das eigene Raumschiff gründlich untersuchen und feststellen, was repariert werden muss. Gut nur, dass der Raumanzug des Helden mit einem eingebauten Sensor geliefert wird. Jetzt geht es darum die Umgebung zu scannen und die verschiedenen Tier- und Pflanzenarten kennen zu lernen. Als treue Begleiterin steht einem die weibliche KI EKO zur Seite, die Tipps, Informationen und wunderbar sarkastisch/witzige Kommentate bereit hält. Journey to the Savage Planet hat die Prämisse, sich selbst nicht ernst zu nehmen, und das ist ein großer Vorteil dieses Spiels.

© Typhoon Studios/505 Games

Schon am Anfang von Journey bekommt man dies mit, während man im Computer des Raumschiffs einen kleinen Fragebogen über sich selber ausfüllt und dabei sehr unterschiedliche Fotos für sein Konterfei aussuchen kann. Diese Bilder zeigen schon den Humor, der den Nutzer das ganze Abenteuer hindurch begleiten wird, denn man kann auch einen Hund als Identität angeben – Kindred Aerospace hat anscheinend kein Problem damit.

Das Raumschiff ist auch während der ganzen Story eine oft ausgesuchte Anlaufstelle, denn auf der Javelin wird die Geschichte weiter erzählt und man bekommt die seltsamsten Videos vom CEO von Kindred Aerospace, Martin Tweed, zu sehen, in denen er zum Beispiel auf sehr ironische Weise die Bedeutung des Helden für das Unternehmen darlegt. Absolut sehenswert.

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Die bunte und (un)gefährliche Welt von AR-Y-26

Der Planet, auf dem man gestrandet ist, wird von allen Arten von Kreaturen bewohnt, die freundlich oder feindlich sein können. AR-Y-26 besteht aus drei verschiedenen Gebieten mit jeweils eigener Artenvielfalt. Im ersten Bereich befinden sich der Spieler zum Beispiel in einer rutschigen Tundra, in der es nur Schnee und Eis gibt und hier und da einige halluzinierende Pflanzen zu finden sind. Es gibt auch hühnerähnliche Kreaturen, die Pufferbirds genannt werden und die keine Bedrohung darstellen und den Protagonisten gemäß der Beschreibung sogar lieben. Kurz nach dem Scan dieses Tieres hört man, wie EKO sagt, dass sie super süß ist und dass es nichts mehr will, als ein Freund zu sein. „Aber schieß trotzdem“, fährt EKO fort, sodass man das Abenteuer fortsetzt und weiter lacht.

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Daneben gibt es aber einige andere Kreaturen, die alle sehr einzigartig und extrem farbenfroh dargestellt werden. Insekten, fliegende Kraken, Puffbirdfressende Monster, stechende Salsmander – die Fauna und Flora des Planeten ist mannigfaltig und extrem abwechslungsreich. Typhoon Studios verwendet unglaublich helle Farben und daher sieht die Welt sehr lebendig aus.

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Auch wenn es nur drei unterschiedliche Bereiche auf dem Planeten zu geben scheint, sind diese aufgrund der Abwechselung nicht so schnell langweilig. So befindet man sich anfangs in einer gefrorenen Eisumgebung die über dunkle Höhlen mit leuchtenden Kristallen (Der Dunkle Kristall lässt grüßen), über Vulkane zu verschiedenen Altären einer alten außerirdischen Zivilisation führt. Dies und viel mehr findet man auf AR-Y-26, was diesen zu einem gut gefüllten Planeten macht, der nie langweilig wird. Man findet auch verschiedene Orte, an denen man sich fragt, ob man sie erreichen könne…

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Gadgets, es gibt Gadgets

Um diese scheinbar unzugänglichen Stellen im Spiel zu entdecken, braucht man natürlich Werkzeuge. Zunächst hat man mit nichts, aber bald muss eine Laserpistole hergestellt werden. Auf diesem fremden Planeten findest man Ressourcen, die gebraucht werden. Dies sind Aluminium, Silikon und Carbon. Man findet diese drei Materialien in der Welt, aber auch in den Kreaturen, die hier leben. Pazifisten kommen nicht weit und das Spiel erwartet auch, dass man sich wie ein Bastard auf AR-Y-26 verhält und buchstäblich jede Kreatur tritt, schlägt und tötet. Die Nahkampfangriffe sind daher in diesem Spiel sehr lustig. Man kann die Kreaturen sogar mit der flachen Hand schlagen oder kleine Kreaturen wegwerfen, als würde man einen Freistoß ausführen.

Doch die Materialien sind nicht alles, was gesucht werden muss. Sogenannte Alien Alloys (Legierungen) sind essentiell für die Erstellung neuer Gadgets. Doch findet man diese Metallkugeln nicht einfach so. Sie sind an allen Orten versteckt und fungieren auch als Fähigkeitspunkte. Erst wenn man alles zusammen hat, kann man zurück auf die Javelin und sich, dank des eingebauten 3D-Druckers, neue Sachen herstellen. Im Laufe der Story wird so der Scanner um eine größere Reichweite verbessert, Jetpacks müssen erforscht und gedruckt werden, um höher springen zu können und der Rucksack wird verbessert, damit mehr getragen werden kann – und es gibt noch so viel mehr. Das Tolle an diesem Spiel ist, dass viele dieser Upgrades optional sind und man daher nicht alle Nebenmissionen ausführen muss. In Journey to the Savage Planet ist der Spieler ziemlich frei in der Herangehensweise, abgesehen von ein paar Kleinigkeiten, die wirklich benötigt werden, um in der Geschichte voranzukommen.

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Die Laserpistole ist der ständige Begleiter inder rechten Hand. Sie kann erweitert und verbessert werden, wie gesagt: rein optional. Natürlich erleichtert eine bessere Waffe das Abenteuer ungemein. Außerdem braucht man während des Abenteuers einen Kletterhaken, um die Welt zu durchqueren, und das ist perfekt gelungen.

Das Spiel konzentriert sich hauptsächlich auf die Erkundungen, bei denen man auch viel Zeit auf Plattformen verbringt, was sich gut spielen lässt. Schließlich hat man alle möglichen Geräte in der linken Hand, die man nach und nach entsperrt. Dies sind explodierende, ätzende oder schockierende Granaten, und man erhält auch andere Werkzeuge, die man benötigt, um bestimmte Bereiche zu erreichen.

Der Suchtfaktor beim Erkunden ist hoch

Wer denkt, das Spiel wäre gradlinig, täuscht sich gewaltig. Auf AR-Y-26 gibt es auch unzählige Geheimnisse, teilweise gut zu erreichen, anderseits auch an schwer zugänglichen Stellen. Dank des ausgeklügelten Greifhakensystems lohnt es sich aber auch, danach zu suchen.

So findet man nach und nach auch eine Art Superfrucht, Orange Goo, die dem Helden mehr Leben und Ausdauer gibt. In den Architekturen der Außerirdischen findet man, wenn man sich gut umsieht, auch Botschaften von diesen. Das Erforschen im Spiel macht also süchtig und man sollte nicht zögern, bestimmte Bereiche erneut zu untersuchen. Das Klettern, Klettern und Greifen und Greifen ist schließlich gut genug gelungen und es gibt viel zu sehen und zu entdecken. Die Reise zum wilden Planeten kann von Anfang bis Ende faszinieren, und das ist ein großes Plus.

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Zu zweit geht alles besser

Der Koop-Modus des Spiels fügt eine großartige Ebene hinzu, die die Navigation in der Welt und das Abschließen von Quests erleichtert. Es bringt aber auch die Herausforderung mit sich, nicht allein, sondern gemeinsam zu plattformen.

Die Gesamterfahrung, wie das Spiel Spaß machen soll, schrullig und mit dem Dialog – was übrigens großartig ist – eine Komödie, macht das Spielen mit einem Freund um so viel besser. Dieses Spiel wurde für lustige Erkundungstouren mit leichten Gefechten entwickelt und ist größtenteils nicht so schwierig, sodass die Spieler Spaß daran haben, miteinander zu spielen. So kann es auch zu lustigen Situationen kommen, wenn man seinem Partner/-in kleinen Köder auf denn Kopf wirft und zuschaut, wie er von den Feinden angegriffen wird.

Der Plattformaspekt ist großartig für einen Partner, da man verschiedene Kombinationen von Tools und Aktionen verwenden muss, um die verschiedenen Bereiche zu durchlaufen. Wenn mam es mit einem Freund tut, kann man problemlos beobachten, wie jemand anderes erfolgreich ist, sodass man  es replizieren kann, oder der eine Spieler beobachtet, wie der Partner versagt, damit er weiß, was zu vermeiden ist. Darüber hinaus ist das Überqueren von Bereichen, die die Verwendung von Pods und eines Greifhakens erfordern, mit einem zweiten Spieler viel einfacher, da man im Wesentlichen doppelt so viele Pods verwenden kann.

Die Tatsache, dass sich das Spiel auf Erkundung und nicht auf Kampf konzentriert, macht es gut für die Zusammenarbeit. Man muss sich keine Sorgen machen, dass der Partner ständig in ernster Gefahr oder in Schwierigkeiten ist. Es gibt offensichtlich Kreaturen, die in freier Wildbahn angreifen, aber die meisten von ihnen sind neutral, sofern sie nicht provoziert werden. Auf diese Weise können die Spieler wirklich herumrennen und die schöne Welt erkunden, ohne sich auf „Bist du in Ordnung?“ konzentrieren zu müssen.

Mehrspieler mit kleiner Macke

Aber der einzige Nachteil ist wirklich eine kleine Eigenheit. Wenn der eingeladene Spieler zusammen plattformiert und den Host-Spieler trifft, bewegt sich der Host-dieser nicht. Das heißt, wenn der Host-Spieler die gleiche Aktion ausführt, wird der eingeladene Spieler aus dem Weg geräumt. Kleiner Fehler, große Wirkung: dies führt zu vielen vermeidbaren Toden, bis man das verstanden hat und sich auf den Plattformen darann gewöhnt hat.

100 Prozent erreicht?

Ist die Reise zum wilden Planeten perfekt? Nein, natürlich nicht. Zum Beispiel hat das Spiel ein paar kleinere Fehler, die manchmal etwas irritierend sein können. Beispielsweise verschwinden Gefahrenhinweise manchmal nicht aus dem Blickfeld, auch wenn man sich bereits außerhalb dieses Bereichs befindet oder die Aliens bereits besiegt worden sind. Diese gehen nur dann weg, wenn man das Spiel neu startet, und das kann etwas ärgerlich sein, weil es einen falschen Eindruck von der Situation vermittelt.

Das Schießen fühlt sich manchmal auch etwas ungenau an. Einige Kreaturen können nur durch Treffer auf ihre Schwachstelle besiegt werden, und das Schlagen ist manchmal nicht möglich. Die Grafikqualität ist auch nicht zu hoch, aber die Atmosphäre auf diesem Planeten ist ausgezeichnet und man kann am Sounddesign nichts aussetzen.

© Typhoon Studios/505 Games
  • Grafik
  • Sound
  • Story
  • Multiplayer
3.9

Mit Journey to the Savage Planet erschaffen die Typhoon Studios ein lustiges Abenteuer, mit viel kruden Humor

Die Reise zum wilden Planeten fühlt sich in guter Weise wie eine Mischung aus No Man’s Sky, Ratchet & Clank, Castlevania und Metroid Prime an.

Wo andere Games ihre Eigenheiten bei so vielen Quellen der Inspiration vergessen, bleibt sich Journey to the Savage Planet immer treu.

Die Story ist lustig und macht viel Spaß, auch wenn sie nicht viel Neues zeigt. Aber genau diese wird durch den absurden Humor und die Heiterkeit, die das ganze Abenteuer hindurch den Spieler begleitet, ausgezeichnet. (Die Videoclips im Spiel sind einfach der Hammer) Die Beschreibungen, Texte und Umgebungen enthalten so viel bizarren Humor, dass man oft mit einem Lächeln spielt und sogar hier und da laut lacht. Auf AR-Y-26 gibt es viel zu entdecken und zu sehen, wenn man sich die Zeit dazu nehmen.

Für Freunde des Koop-Modus ist Journey To The Savage Planet ein Genuss mit kleinen Fehlern, der aber noch ein bisschen mehr Spaß macht, als der Solo-Teil.

Für Freunde von Metrodvania-Spielen (Metroid  und Castlevania) ist der Kauf bestimmt nicht verkehrt.

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