Judgment für die PlayStation 4 im Review: Ein Yakuza im Namen der Gerechtigkeit

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Judgment hatte zwischenzeitlich einen schweren Stand – kurz schien eine westliche Veröffentlichung gar völlig auf wackeligen Beinen zu stehen, nachdem SEGA in Japan einen Verkaufsstopp erwirkte. Grund dafür war der Skandal um den japanischen Schauspieler Pierre Taki, der wegen mutmaßlichen Kokainkonsums verhaftet worden war und im Spiel der Figur des Kyohei Hamura, Captain der Matsugane-Familie, Aussehen und Stimme verlieh. Übrigens nicht das erste Mal – Etwas ähnliches passierte damals bereits beim Release von Yakuza 4 – Damals war es der Schauspieler Hiroki Narimiya, der ebenfalls wegen Kokainbesitzes dingfest genommen worden war. Aber skippen wir direkt zum Happy End: Pierre Taki wurde durch einen anderen Schauspieler ersetzt und glücklicherweise haben wir die dezent geänderte Fassung am 25. Juni via Deep Silver auch im Westen bekommen. Aber zu einem richtig guten Ende gehört natürlich ein richtig gutes Spiel: Ob Judgment bloß ein lauer Yakuza-Aufguss ist oder sich tatsächlich mit frischen Mechaniken von der Hauptreihe emanzipieren kann, erfahrt ihr in dieser Review.

WHEN LAW IS LAWLESS

Wir schreiben das Jahr 2018 – In Judgment folgen wir über 13 Kapitel hinweg der Geschichte des ehemaligen Anwalts Takayuki „Tak“ Yagami – Der vormalige Shooting Star des japanischen Justizsystems trat unrühmlich aus seinem Berufsfeld zurück, als er wider aller Erwartungen einen Freispruch für einen Serienmörder erwirkte, der kurz nach Prozessende ein junges Mädchen ermordete. Fortan verdingt sich Yagami nicht zuletzt aufgrund seiner Schuldgefühle als Privatdetektiv in Kamurocho, dem aus der Yakuza-Serie vielfach bekannten Vergnügungsviertel Tokyos, das dem realen Kabukicho nachempfunden ist. Dennoch hat er engen und familiären Kontakt zur einstigen Anwaltskanzlei Genda Office, die ihn immer wieder zu Rate ziehen. Und auch zur Yakuza selbst hat er ein ambivalentes Verhältnis, schließlich wurde er nach dem Mord an seinen Eltern von dem alternden Familienpatriarch Mitsugu Matsugane aufgenommen und aufgezogen…

Unterstützt wird er dabei passenderweise von seinem besten Kumpel Masaharu Kaito, einem Ex-Yakuza der Matsugane-Familie, die wiederum zum aus der Haupt-Serie bekannten Tojo-Klan gehört. Auch er musste sich eher gezwungenermaßen von seiner Yakuza-Karriere verabschieden, nachdem es innerhalb der Matsugane-Familie zu einem Vorfall gekommen ist, bei dem er die Verantwortung für sein vermeintlich fahrlässiges Handeln übernehmen musste. Als Teil des Underdog-Duos arbeitete er im Anschluss für die Yagami Detective Agency.

Die Matsugane-Familie ist dann auch Dreh- und Angelpunkt der Geschichte: Denn in Kamurocho passieren Serienmorde, die nur vermeintlich wie ein eskalierender Yakuza-Konflikt zwischen den Tojo und dem in Kansai beheimateten Kyohei-Clan ausschauen: Das Prozedere ist immer gleich, Yakuza-Mitglieder werden in abgelegenen Hinterhöfen mit ausgestochenen Augen aufgefunden. Wir steigen just zum Zeitpunkt in die Handlung ein, als das dritte Opfer aufgefunden wird – ein niederrangiges Kyohei-Mitglied: Vermeintlicher Mörder ist der unausstehliche Matsugane-Captain Hamura. Doch weil Yagami dessen Schuld anzweifelt und die Taten einem anderen Drahtzieher zuschreibt, den er den „Maulwurf“ betitelt, erwirkt er mit seinen Ermittlungen Hamuras Freispruch. Die Geschichte scheint sich zu wiederholen: Doch die Geschichte nimmt weitaus größere Dimensionen an – Nicht nur hängen Politik- der Justizbetrieb und finanzstarke Bauunternehmen mit in der Sache drin, die Sache betrifft auch recht schnell Yagami persönlich.

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Im Kern setzt das Ryu Ga Gotoku-Studio auf ähnliche erzählerische Zutaten wie bei Yakuza: Eine spannend erzählte Geschichte aus Intrigen- und Ränkespielen im japanischen Unterwelt-Milieu. Allerdings wirkt Judgment vom Erzähltenor her wesentlich realistischer und geerdeter. Viele Yakuza-Teile neigen ja zum Ende hin immer ein wenig den Faden zu verlieren und sich in epischer Strahlkraft zu übertreffen. Und generell wirkt Yakuza auch immer ein wenig wie spielbarer Shonen-Anime für Erwachsene – Kazuma Kiryu, der stoische und charismatische Superheld mit dem Herz am rechten Fleck, in menschlicher und physischer Hinsicht nahezu unfehlbar. Ähnlich präsentiert sich in Yakuza auch häufig der Rest des Casts: Ob Goro Majima, Akijama, Taiga Saejima oder auch Ziehtochter Haruka – Sie alle haben eher eine Charakterzeichnung, wie man sie aus Manga- und Anime Produktionen kennt: Sie sind Archetypen – leidenschaftliche Unterworfene ihrer stilprägenden Charaktereigenschaft.

Bei Judgment hingegen ist Yagami zwar definitiv auch Sympathieträger, aber er wirkt menschlich ein wenig kantiger als die Yakuza-Figuren: Er betont trotz aller Empathie und Bezugspunkte zu seinen Klienten immer wieder, dass er nicht die Wohlfahrt ist und dass sein guter Wille einen Preis hat. Auch seine Vergangenheit zeigt vor allem eines: Yagami ist ein fehlbarer Typ, einer der Fehler macht. Einer, der auch Opfer des eigenen Egos sein kann. Das spiegelt sich auch in den anderen Figuren wieder: Ob sein Partner Kaito-, sein ehemaliger Mentor und späterer Rivale Shintani oder der korrupte Cop Ayabe – alle sind moralisch nicht ganz so fix positioniert wie die Protagonisten der Yakuza-Reihe, wo man zwischenzeitlich auch mal vergisst, dass es sich um Akteure des organisierten Verbrechens handelt. Und auch die Story ist zwar politisch aufgeladen und nimmt epische Züge an, ist aber düsterer und realistischer als in den Yakuza-Teilen: Immerhin geht es hier um grausame Serienmorde. Der komödiantische Aspekt von Yakuza fehlt ein wenig. Allerdings kann sich Judgment in der Hinsicht auch von der Hauptreihe emanzipieren. Die schrillen Yakuza-Charaktere bekommen im realistischen Kamurocho auch keine Cameo-Auftritte spendiert, obwohl es sich mit Blick auf den Fan Service ja grundsätzlich anböte. Mutige Entscheidung, die ich positiv anrechne.

L.A. NOIR MEETS YAKUZA

Die Spielmechanik ist schwerpunktmäßig ein wenig anders gesetzt als in den Yakuza-Teilen: Während dort ein Großteil des Spielfortschritts über ein JRPG-artiges System definiert wird, d.h. man levelt mittels verschieden gelagerter Erfahrungspunkte den Charakter und seine Werte auf, schaltet neue Kombos und Heatmoves frei, rüstet ihn bei Bedarf aus und ist gen Ende des Spiels gegenüber den meisten Widersachern schwerst überlegen: Auch in Judgment gibt es nach wie vor einen Skilltree, der über Punkte ausgebaut wird. Aber Yagami hat keinen Level- es gibt nur noch eine Art von Punkten, die gesammelt wird, und der Baum ist merklich reduziert – man kann etwa den Gesundheitsbalken ausbauen, aber nicht den Verteidigungswert- Angriffswert und Tempo können zwar ausgebaut werden, allerdings in lediglich drei Schritten. Die Brawlmechanik ist also zwar im Wesentlichen Yakuza entlehnt, fühlt sich aber durch die Reduktion der Werte- und Movesets dennoch simplifiziert an.

Es gibt zwei Kampfstile, die farblich rot- und blau markiert werden. Der blaue Kampfmodus eignet sich für Gegnermobs und geht eher in die Breite, der rote hingegen ist für den One-on-One-Kampf ausgelegt und setzt entsprechend auf schnellere Kombosätze. Analog zu den Heatmoves in Yakuza, gibt es in Judgment auch einen EX-Balken, mit dem sich in einen entsprechenden Modus wechseln lässt, sobald der Balken gefüllt ist – in diesem ist man standhafter und teilt mehr aus. Alternativ kann man aber auch aus der regulären Kampfhaltung heraus besonders verheerende EX-Finisher starten. Im Gegensatz zu dem schwerfälligen Kampfstil von Kazuma Kiryu in Yakuza, ist Yagami deutlich flotter und setzt auf mehr Beinarbeit – Franchisekenner dürften den Kampfstil am ehesten mit dem Akiyama- Stil assoziieren. Auch herumliegende Gegenstände lassen sich als Waffen missbrauchen – allerdings ist die Variation an verwertbarem Material deutlich geringer als in Yakuza.

Neu ist hingegen die Wandsprung-Option – Aus dem Lauf heraus kann Yagami an eine Wand springen und diese als Absprungs Plattform nutzen, um die Widersacher aus dem Sprung auszuknocken. Man kann auch über die Schultern von Gegnern hüpfen, um ihnen dann in den Rücken zu fallen. Dadurch fühlt sich der Kampf tatsächlich recht frisch und dynamisch an und nicht etwa wie eine lieblose Wiederaufbereitung alter Kampfstile aus der Hauptreihe.

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Ebenso neu sind die tödlichen Verwundungen: Treffen stärkere Gegner Yagami mit besonders wuchtigen Angriffen, wird der Balken eklatant dezimiert und kann auch durch Nahrung oder die bekannten Stamina- und Tauriner-Tränke nicht wieder restauriert werden. Dann muss man entweder zum Arzt oder benötigt ebenso rares wie teures Verbandmittel.

SPIELMECHANISCHER SCHWERPUNKT LIEGT AUF DER DETEKTIVARBEIT

Aber das Brawling-Element bei Judgment ist eigentlich sekundär, obwohl es doch meist das Finale jeden Konflikts darstellt: Man kämpft nämlich tatsächlich wesentlich seltener als in den Yakuza-Teilen. Stattdessen wird der Schwerpunkt auf die Detektivarbeit gelegt: Man fliegt etwa Drohnen, um räumlich unerreichbare oder gefährliche Areale auszukundschaften, man beschattet oder verfolgt Leute; setzt verkleidungstechnisch auf verschiedene Tarnungen á la Hitman, untersucht Akteure und Räumlichkeiten nach Indizien, die einen im Fall weiterbringen, knackt Schlösser unter Zeitdruck –

 

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Diese Mechanismen sind größtenteils als Minispiele angelegt: Der Drohnenpart ist etwa ein reines Geschicklichkeitsspiel á la Pokémon Snap- die Beschattung erfolgt als sehr reduzierte Stealth-Mechanik- man muss zu jedem Zeitpunkt den Augenkontakt zum beschatteten NPC wahren, und sich im Fall des Falles hinter allerlei Objekten zu verstecken. Die Verfolgung ist ein reines Quick Time Event-basiertes Minigame und die Untersuchung von Tatorten erfolgt nach dem Wimmelbild Prinzip. Zwar macht das Ganze durchaus Laune, aber ebenso wie bei Rockstar/Team Bondis L.A. Noir kommt man nicht umhin zu denken, dass man das Ganze auch hätte spielerisch fordernder und komplexer gestalten können. Letztlich wirkt die Detektivarbeit schlicht ein wenig zu profan.

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Dennoch wirken so Dinge wie Multiple Choice-Antwortmöglichkeiten in Dialogen und oben besagte Mechaniken für ein frisches Spielgefühl, wenngleich sie sich in ihrer Gesamtheit dennoch ein wenig altbacken anfühlen, eben weil westliche Produktionen in der Hinsicht ein wenig weiter sind.

NEBENFÄLLE UND FREUNDSCHAFTSEVENTS

Substories wie bei Yakuza gibt es auch hier – allerdings nennen die sich „Nebenfälle“ und sind als Jobs konzipiert, die man entweder im eigenen Detektivbüro, bei der Anwaltskanzlei Genda oder in der heimischen Stammkneipe, dem Tender, annehmen kann. Folgerichtig erarbeitet man sich über diese Nebenfälle auch Geld und einen zunehmend höheren Ruf, der dann weitere Kunden akquiriert. Die Nebenfälle sind nicht direkt ab Kapitel 1 verfügbar, sondern werden kapitelweise freigeschaltet.

Ein letzter zentraler Spielmechanismus ist das Freundschaftsevent, das ein wenig an die Persona-Reihe erinnert: In Kamurocho befinden sich überall NPCs, die potentielle Freunde sind – Das können Kneipen- und Restaurantbesitzer sein, Katzenliebhaber- Otakus und andere skurrile Gestalten. Im Kern erfüllt man deren Wünsche, und füllt damit die jeweiligen Freundschaftsbalken – Ist dieser grün, bekommt man immer wieder mal kleine Geschenke oder Unterstützung im Kampf.

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Auch Dating-Spielereien gibt es erneut: Diese sind jetzt allerdings nicht mehr als Hostessen-Dates konzipiert, sondern meist in bestehende Nebenfälle eingegliedert. Vier potentielle Freundinnen gibt es – etwa die junge Sängerin Sana Mihama, die voller Hoffnung aus der japanischen Provinz nach Kamurocho gekommen ist, um ihr Songmaterial unters Volk zu bringen – oder der Drohnenfreak Nanami Matsuoka – Nach einem Nebenfall kontaktieren einen die jungen Damen meist irgendwann via SMS. Übrigens kann man in Judment auch ohne jede Konsequenz viergleisig fahren – Grundsätzlich zeichnet sich die Yakuza-Serie ja nicht gerade durch ein besonders progressives Frauenverständnis aus, aber hier hätte man, ähnlich wie in Persona, zusätzliche Events triggern können, wenn man sich dafür entscheidet, mehrere Damen zu daten.

REDUZIERTE OPEN WORLD

Die offene Welt in Yakuza war ja flächenmäßig immer deutlich kleiner als das Rockstar-Äquivalent, hat das Ganze aber über mehrere Städte und eine enorm dichte Detailfülle wettgemacht. In Judgment beschränkt sich das Ganze auf das Tokioter Vergnügungsviertel mit seinen bekannten neonlichtdurchfluteten Straßen, Gassen und Hinterhöfen – Veteranen finden sich hier sofort zurecht: Das Kamuro-Theater, der Millenium-Tower- die CLUB SEGA-Arcades – alles findet sich an den bekannten Stellen wieder.

Dennoch gibt es gefühlt deutlich weniger NPCs auf den Straßen und auch die Anzahl der Nebenaktivitäten wurde ein wenig reduziert:

In den CLUB SEGA-Spielhallen kann man wie schon in Yakuza 6 erneut eine vollständige Arcadeversion von Virtua Fighter 5 zocken, darüber hinaus den SEGA Saturn-Klassiker Fighting Vipers, das Rhythmus-Spiel Puyo, den 8-Bit Evergreen Fantasy Zone und die bekannten UFO-Slots. Am Theater Square finden sich dann noch Spielhallenautomaten mit Yu Suzukis Space Harrier, Darts und, das ist neu, ein an House of the Dead angelehnter Rail-Shooter namens Kamuro of the Dead.

Es gibt darüber hinaus eine Institution namens Paradise VR, in der man in einer Kamurocho nachempfundenen virtuellen Realität wertvollen Preisen hinterherjagt und Drohnenrennen, in denen man die eigene Drohne mit aufsammelbaren Komponenten aufwerten kann.

In Yagamis Büro gibt es einen spielerisch eher ekligen Pinball-Flipperautomaten, der merkwürdigerweise als separate in Unity entwickelte Anwendung ausgeführt wird, eine etwas träge Performance und krude Ballphysik mit sich bringt. Das Ding ist also technisch und spielmechanisch eher eine zu vernachlässigende Gurke.

Ansonsten haben wir die üblichen Verdächtigen mit an Bord: Japanisches Glücksspiel im Dragon’s Palace (Koi-Koi, Oicho-Kabu und die westliche Blackjack und Poker-Variationen), Shogi- und Mahjongvariationen in den verschiedenen Spielhöllen und Baseball im Batting Center.

Was leider fehlt ist etwa die Karaoke-Option- oder größere Minigames wie den Hostess Club-Mode in Kiwami 2-, die Taucher-Harpunenmissionen und Clan Missions in Yakuza 6 oder die Cat Fights in Yakuza Zero. Das ist schade, allerdings wirkt Judgment als Spin Off ein wenig erzählgetriebener als die Yakuza-Spielwiesen.

GRAFISCHER UNTERBAU UND AKUSTISCHE UNTERMALUNG

Technisch setzt Judgment auf die aus Kiwami 2 und Yakuza 6 bekannte Dragon Engine 2 – allerdings in einer modifizierten Variante. Gerade die Charaktermodelle- Mimik und Gestik sehen extrem organisch und lebendig aus – und auch die Licht- und Schatteneffekte sehen einen Tacken realistischer aus als in den Yakuza-Pendants. Während Yakuza immer so einen leicht cartoonigen Charakter mit sich bringt, wirkt Judgment dezent rougher.

Ansonsten spüren wir die Vorteile der Engine auch hier: Beim Wechsel zwischen Außen- und Innenrealen gibt es keine Ladepausen, was zur Immersion beiträgt. Auch zwischen Ego- und Third Person-Perspektive lässt sich beliebig umswitchen.

Der Score ist dieses Mal ein wenig ruhiger und weniger technoid als in Yakuza, da er den Fokus verstärkt auf das Herausbeschwören einer spannungsgeladenen Atmosphäre setzt. Allerdings find ich die mitunter unheilvolle Soundkulisse in Kombination mit den urbanen Lauten der NPCs irgendwie unstimmig, da merkwürdig abgemischt.

LOKALISIERUNG

Judgment ist, und hier war ich wirklich überrascht, vollständig lokalisiert worden: Es gibt bei Bedarf komplett deutsche Texte und man kann zwischen der traditionell japanischen und englischer Sprachausgabe wechseln.

Und eine weitere Überraschung: Die englische Voice Acting-Arbeit ist hier durchgängig gut gelungen – Fast alle Figuren sind mit passenden Sprechern bedacht worden, die wirklich natürlich und passend vertont sind. Das ist kein Vergleich zu der immens teuren englischen Synchro vom Yakuza-Erstling, die zwar mit Promis wie Mark Hamill und Michael Madsen aufwartete, aber trotzdem merkwürdig trashig schien. Ich habe zwar Judgment trotz allem mit japanischem Dub gespielt, aber die englische Sprachausgabe muss sich dennoch nicht verstecken.

Die deutschen Texte sind im Wesentlichen auch okay – manches Mal gibt es orthographische Fehler, seltsame Satzbaukonstruktionen oder Beleidigungen wie „Asi“ werden stattdessen als „Assi“ geschrieben (merke, „Asi“ kommt von „asozial“, daher ein „s“ – beim „Assi“ sprechen wir stattdessen vom Assistenten) – Derlei Phänomene finden sich immer wieder mal. Generell ist die deutsche Übersetzung aber bemerkenswert rau und unverwässert – Beleidigungen oder eher vulgäre Passagen werden nicht blumig umformuliert, sondern da knallen dann einem auch mal eher gröbere Worte um die Ohren.

DLC-POLITIK

Die Menüführung erfolgt ja ähnlich wie in Grand Theft Auto 5 und den jüngeren Yakuza-Ablegern über das Smartphone des Protagonisten. Neben einem Überblick über Haupt- und Nebenfälle, spielimmanente Nachrichten- den Foto- und Drohnenmodus finden sich da auch die als Werbeflächen getarnten Areale für die verfügbaren DLCs wieder:  Das können Outfits für die Dates sein, Dekoartikel für das Büro und derlei eher kosmetischer Schnickschnack. Für das VR Spiel Dice & Cube werden aber DLC-Inhalte angeboten, die für das vollständige Erspielen dieses Minispieles zwangsläufig monetäre Investitionen erfordern. Zwar ist Dice & Cube natürlich nur optionales Gimmick innerhalb des Spieldesigns: Aber selbst bei den größeren Minigames in Yakuza (Clan-Creator etwa) waren die Mikrotransaktionen nur ein Bonus – man konnte den Teil ohne Einschränkungen spielen. Insofern finde ich das Ticket-System bei Dice & Cube eher ärgerlich.

FAZIT

Judgment hat mich als Spin-Off der Hauptreihe, das nach Kiryus Abschied in Yakuza 6 gleichzeitig einen Neuanfang für das gesamte Franchise markiert, ziemlich gut unterhalten. Passend zum Neubeginn spendieren SEGA und KOCH MEDIA dem ganzen Ding die wohl aufwendigste Lokalisierung seit dem ersten Yakuza von 2005. Vollständig englische Sprachausgabe mit bemerkenswert hochqualitativer Sprecherriege. Die Geschichte wirkt düsterer und gesetzter als in den Yakuza-Stories, Kamurocho wirkt auch ein wenig organischer und glaubwürdiger und mit Yagami präsentiert man eine recht coole und ambivalente Sau als Privatdetektiv. Allerdings verpasst man auch einige spielmechanische Chancen: Die Detektivarbeit ist unterhaltsam gestaltet aber geht nicht über profane Minispiele hinaus – hier hätte man die Mechanismen komplexer miteinander verzahnen können. Auch die Dialogzweige sind zwar eine interessante narrative Neuerung, auch hier bleibt aber die Geschichte recht altbacken in alten linearen Mustern verhaftet. Zu guter Letzt finde ich die DLC-Politik gerade mit Blick auf Dice & Cube eher problematisch, das sollte bei zukünftigen Installationen im Franchise nicht ausgebaut werden. Die Nebenfälle sind schön gemacht und teils mehrstufig ausgebaut und auch die Freundschaftsevents tragen zur Immersion im Tokioter Vergnügungsviertel bei. Insofern ist Judgment sowohl Neueinsteigern als auch Yakuza-Veteranen zu empfehlen. Obgleich man sich nicht vollständig von der Hauptreihe lösen kann, fühlt Judgment sich frisch an.

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Judgment [PlayStation 4]

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  • Geschichte
  • Inszenierung/Regie
  • Grafik
  • Sound(track)
  • Pacing
  • Spielwelt/Details
  • Missionsdesign
3.8

Kurzfassung

Judgment hat mich als Spin-Off der Hauptreihe, das nach Kiryus Abschied in Yakuza 6 gleichzeitig einen Neuanfang für das gesamte Franchise markiert, ziemlich gut unterhalten. Passend zum Neubeginn spendieren SEGA und KOCH MEDIA dem ganzen Ding die wohl aufwendigste Lokalisierung seit dem ersten Yakuza von 2005. Vollständig englische Sprachausgabe mit bemerkenswert hochqualitativer Sprecherriege. Die Geschichte wirkt düsterer und gesetzter als in den Yakuza-Stories, Kamurocho wirkt auch ein wenig organischer und glaubwürdiger und mit Yagami präsentiert man eine recht coole und ambivalente Sau als Privatdetektiv. Allerdings verpasst man auch einige spielmechanische Chancen: Die Detektivarbeit ist unterhaltsam gestaltet aber geht nicht über profane Minispiele hinaus – hier hätte man die Mechanismen komplexer miteinander verzahnen können. Auch die Dialogzweige sind zwar eine interessante narrative Neuerung, auch hier bleibt aber die Geschichte recht altbacken in alten linearen Mustern verhaftet. Zu guter Letzt finde ich die DLC-Politik gerade mit Blick auf Dice & Cube eher problematisch, das sollte bei zukünftigen Installationen im Franchise nicht ausgebaut werden. Die Nebenfälle sind schön gemacht und teils mehrstufig ausgebaut und auch die Freundschaftsevents tragen zur Immersion im Tokioter Vergnügungsviertel bei. Insofern ist Judgment sowohl Neueinsteigern als auch Yakuza-Veteranen zu empfehlen. Obgleich man sich nicht vollständig von der Hauptreihe lösen kann, fühlt Judgment sich frisch an.

Über Martin Pilot 358 Artikel
27 Jahre jung, beschäftige ich mich schon nahezu mein ganzes Leben mit Videospielen und Videospielkultur. Erstmals in Kontakt gekommen mit dem Medium bin ich Anfang der 90er Jahre mit einem Commodore 64 von der Resterampe, wo ich ausgiebig Giana Sisters und die Turrican-Umsetzungen suchtete und immer ein bisschen neidisch zu den Amiga-Besitzern rübergeschielt habe. Mitte bis Ende der 90er Jahre war ich vordergründig im Sega-Lager unterwegs - Bis heute ist die Sega Dreamcast meine liebste Plattform (Shenmue *hrhr*). Ich studiere darüber hinaus Englisch und Geschichte auf Lehramt und bin von meinen Interessen generell sehr auf die Darstellenden Künste fokussiert (Musik/Film/Theater).

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