Klassische Game Boy Spiele entwickeln ohne Programmierkenntnisse

© Nintendo Credits: Chris Maltby

Was in den 1990ern und bis vor kurzem noch in mühevoller Handarbeit zusammengeschustert werden musste, lässt sich seit kurzem dank eines kostenlosen Tools namens GB Studio narrensicher in bester What-you-see-is-what-you-get Manier völlig ohne Programmierskills bewerkstelligen: Spiele für den klassischen Game Boy entwickeln.

Bereits kurz nach Download kann man ohne große Hürden damit beginnen, ein kleines lauffähiges Programm zu entwickeln. Beim mitgelieferten Beispieltitel kann man sich mit dem Aufbau vertraut machen – Testweise können wir die Dialogzeilen der NPCs, etwa eines Dorfbewohners, einer Katze oder eines herumstreunenden Hundes via Drop-Down Menü ändern, oder deren Laufrichtung verändern. So weit, so cool. Aktuell ist die MIT lizensierte Engine vor allem auf JRPGs ausgelegt, das macht sich primär in der einzig anwählbaren 2D Top-Down Perspektive bemerkbar. Wir können Sprites importieren und bearbeiten. Wir können ein kleines Script entwickeln, und das Verhalten bestimmen – Man kann recht einfach auf ein Objekt klicken und es an ein Sprite Sheet koppeln, es rotieren oder sich beliebig bewegen lassen, kleine Interaktionen triggern und hübsch visualisierte Szenenwechsel initiieren.

Credits: Chris Maltby

GB Studio ist bislang wie ein extrem simpler und rudimentärer Ableger vom RPG Maker aufgebaut. Während die jüngeren RPG Maker immer mächtiger sind und wo man, will man diese ausreizen, tatsächlich auch Programmierkenntnisse mitbringen muss, ist GB Studio auch für Anfänger ein probates Instrument, zumal man den Source Code jederzeit anzeigen lassen kann. Und angesichts des eher basalen Aufbaus können wir auch keine allzu komplexen Spiele wie etwa Pokémon entwickeln. Es ist mehr eine Demo – Wir können kleine text- und rätselbasierte Adventures bauen. Eine Kampffunktion ist noch nicht gegeben.

Aber es ist unglaublich befriedigend zu sehen, dass man das ROM exportieren kann und tatsächlich auf dem echten Game Boy abspielen kann (z.B, mithilfe von Flashkartenlösungen wie Everdrive). Ansonsten lässt es sich aber auch als Web App im HTML5-Format abspeichern, das auf dem Smartphone gespielt oder auf itch.io hochgeladen werden kann. Ein Beispiel hat auch GB Studio-Entwickler Chris Maltby direkt selbst geliefert: Klick

Wir können vermutlich davon ausgehen, dass da künftig mehr nachgeliefert wird. Maltby postete auf Reddit:

“Diese Version ist in erster Linie dafür gedacht, simple Adventure Spiele ohne Kämpfe zu erstellen. Es gibt die Funktion, Entscheidungsbäume in die Dialoge einzubauen, du kannst Hol- und Bring-Quests erstellen und Block Puzzles und weitere ähnliche Dinge. Ich wollte diese Version veröffentlichen, während ich darüber nachdenken, wie man es in Zukunft bestmöglich erweitern kann 🙂 Im Moment auch keine Color-Unterstützung, um es vorerst simpel zu halten!”

Sobald basale Kampf Features eingeführt werden, dürfte das Tür und Tor für diverse Zelda-altige Homebrew-Games ebnen. In allen Fällen handelt es sich beim GB Studio um ein ebenso cooles, wie beeindruckendes Projekt.

Herunterladen könnt ihr das Tool sowohl für Mac, als auch Linux und Windows hier: Klick

Den Sourcecode findet ihr auf Github: Klick

Angesichts des 30. Geburtstages der Game Boy-Reihe am morgigen Sonntag, dem 21. April, haben wir kürzlich einen kleinen Rückblick veröffentlicht, in dem wir sowohl auf die regulären- als auch die limitierten Fassungen der verschiedenen Game Boy-Derivate eingehen.

Quelle:

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Über Martin Pilot 303 Artikel
27 Jahre jung, beschäftige ich mich schon nahezu mein ganzes Leben mit Videospielen und Videospielkultur. Erstmals in Kontakt gekommen mit dem Medium bin ich Anfang der 90er Jahre mit einem Commodore 64 von der Resterampe, wo ich ausgiebig Giana Sisters und die Turrican-Umsetzungen suchtete und immer ein bisschen neidisch zu den Amiga-Besitzern rübergeschielt habe. Mitte bis Ende der 90er Jahre war ich vordergründig im Sega-Lager unterwegs - Bis heute ist die Sega Dreamcast meine liebste Plattform (Shenmue *hrhr*). Ich studiere darüber hinaus Englisch und Geschichte auf Lehramt und bin von meinen Interessen generell sehr auf die Darstellenden Künste fokussiert (Musik/Film/Theater).

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