Nioh 2 für die Playstation 4 im Review: Schon wieder auf Dämonenjagd?

©Team Ninja

Stubenhocker sein ist zur Zeit en vogue wie noch nie und da kommt einem ein umfangreiches Rollenspiel doch sehr entgegen. Ob Nioh 2 nur ein lauer Aufguss vom gelungenen Vorgänger oder gar ein Dark Souls Killer ist, erfahrt ihr in unserer ausführlichen Rezension!

Story und andere Nebensächlichkeiten

©Team Ninja – Nicht abgebildet: Sein cooler Affe

Die Entwickler von Team Ninja sind mit Klassikern wie Dead or Alive, Ninja Gaiden und dem gelungenen Vorgänger Nioh ganz bestimmt keine großen Geschichtenerzähler. Und die Tradition führen die Japaner im Übrigen mit Nioh 2 auch fort, denn es gibt zwar eine Geschichte, aber die tritt im Vergleich zum actiongeladenen Gameplay eher in den Hintergrund.

Erneut angesiedelt im Japan des 16. Jahrhunderts spielt ihr dieses Mal Hide, einen Halb-Yokai, einen Mensch-Dämon-Hybriden, der sich dem Kampf gegen die dämonischen Horden verschrieben hat. Bald trifft er auf den wagemutigen Tokichiro, der nicht nur als comedic relief, sondern auch als eine Art Auftraggeber fungiert. Gemeinsam mit ihm macht ihr euch auf die Jagd nach Ruhm und Reichtum.

Für die Story wird also vermutlich keiner Nioh 2 zocken, Spieler die ein Souls-Like Action RPG suchen, das durch seine Handlung überzeugt sollten daher eher zu Star Wars – Jedi: Fallen Order greifen. Dennoch ist Tokichiro ein charmanter Typ und die in kurzen Videosequenzen erzählten Storyabschnitte sind zwar inhaltlich unspektakulär, stören aber den Spielfluss überhaupt nicht und machen manchmal sogar optisch einiges her!

Schnetzeln, leveln, looten = Rollenspiel?

©Team Ninja – Ein guter Bosskampf? Gibt`s alle paar Meter!

Das Spielprinzip von Nioh 2 ist so eingängig, wie bekannt. Wie in anderen Vertretern des Action Adventure mit Souls-Anleihen auch schnetzelt man sich munter durch die Gegend ohne das eigene Verhalten oder das Der Gegner auch nur im geringsten zu hinterfragen.

Dabei gibt es jede Menge RPG-Anleihen. Das beginnt schon damit, dass man sich diesmal einen eigenen Charakter erstellen kann, denn Nioh 2 spielt zeitlich vor dem Vorgänger, so dass der irische Geralt-Verschnitt William hat seinen Dienst als Samuraiheld noch gar nicht begonnen hat. Dafür schlüpft man in die Rolle eines klassischen J-RPG Charakters: Der stumme Held. Den kann man sich im ziemlich umfangreichen Editor selbst erstellen und kann sogar das Geschlecht auswählen. Das wirkt sich auf das Spiel kaum aus, hilft aber ungemein sich mit seinem Helden zu identifizieren. Schon bei der Charaktererstellung trifft man auf einen weiteren Aspekt, den es im Vorgänger nicht gegeben hat: Der eigene Held hat auch eine Yokai-Seite, die man ebenfalls optisch anpassen kann. Sollte man mit seiner Entscheidung übrigens unzufrieden sein, kann man sein Aussehen zwischen den Missionen einfach abändern.

Während man sich also von Level zu Level kämpft, erhält man Seelen, die man für Levelaufstiege nutzen kann. Die sind ähnlich wie im Vorgänger ziemlich komplex und bieten auch jede Menge Gelegenheiten sich zu verleveln, man sollte sich also zumindest frühzeitig für eine bestimmte Waffengattung entscheiden, denn die bestimmt im weitesten Sinne das Hauptattribut das man steigern sollte. Aber da Nioh 2 gut gedesignt ist, gibt es natürlich auch Items, die dem Spieler erlauben seine Stats erneut zu verteilen.

Der Rest ist aus Dark Souls und dem Vorgängerspiel bekannt. Die Level sind groß und verschachtelt, dabei dürfen natürlich die Genreklassiker, wie verschlossene Tore, die sich nur von der anderen Seite öffnen lassen und clever daraus abgeleitete Abkürzungen nicht fehlen, ebenso wenig wie clever platzierte Fallen, die den unvorsichtigen Spieler mittels gut platzierten Loot-Orbs in den Tod locken. Daneben gibt es gelegentlich auch Schatztruhen, die deren Lootdrops schon fast Ausmaße wie bei Diablo & Co annehmen, denn Rüstungen, Waffen und andere Items gibt es in riesigen Mengen.

Dabei ist aber nicht alles nur ein Abklatsch vom Vorgänger, eine Neuerung im Leveldesign sind die Yokai-Realms. Diese Gebiete sind mit dem schwarzweißen Schleier verhüllt, den man manchmal bei anstehenden Bossen sieht oder der von Dämonen hinterlassen wird. Hier regeneriert man seine Ausdauer deutlich langsamer und Yokai sind stärker, also ist hier besondere Vorsicht geboten. Zum Glück kann man diese Areale bannen, wenn man den Oberyokai dieser Gegend findet und über den Jordan schickt, dann kehren diese Yokai-Realms auch nicht wieder und belohnen den siegreichen Spieler in der Regel mit zahlreichem Loot.

Natürlich mit von der Partie sind leuchtende Gräber, die zeigen wo und woran andere Spieler gestorben sind. Das sorgt zum einen für Schadenfreude, dient als Hinweis und zusätzlich können diese Gräber auch aktiviert werden um mit einer von der KI gesteuerten Schattengestalt zu kämpfen, die von den Werten und der Ausrüstung her anderen Spielern entspricht. Kann knifflig sein, zur Belohnung gibt es aber häufig die Ausrüstung der Gegner.

Ähnliche Gräber gibt es auch in blau, hier kann man sich dann Hilfe von KI-gesteuerten Spielercharakteren holen. Die sind zwar, wie der Rest der Gegner, nicht besonders schlau, dafür umso furchtloser und können als Kanonenfutter durchaus etwas hermachen!

Ein Kampfsystem das tiefer geht als jeder Dolch

©Team Ninja – So einen Skilltree gibt es für alle Waffen. Klar.

Das Kampfsystem von Nioh 2 ist so komplex, dass es einen eigenen Abschnitt verdient. Gleich zu Beginn hat man die Qual der Wahl, denn man kann sich hier direkt für 2 Waffengattungen entscheiden von denen es insgesamt 9 gibt, die alle eigene Angriffsanimationen und einen dazugehörigen Skilltree haben. Dabei gibt es neben den bereits aus dem Vorgänger bekannten Katanas und an Ketten hängenden Kusarigamas auch Neuzugänge wie die Switchglaive, die mit ihrem klappmesserartigen Design schwer an Bloodborne erinnert. In diesen Skilltrees kann man neue Combos und Fähigkeiten freischalten, da steht dem Wunschbuild eigentlich nichts im Weg, denn sowohl ein langsamer Krieger mit schwerer Rüstung, als auch ein blitzschneller Ninja mit zwei Schwertern ist möglich und auch stark genug, um sich durch das Spiel zu metzeln.

Hinzu kommen noch NInja, Samurai und Zauberfähigkeiten. Die Skillpunkte für diese Trees erhält man übrigens durch das Nutzen der jeweiligen Waffenart, The Elder Scrolls lassen grüßen! Die drei Fernkampfwaffenarten Bogen, Gewehr und Kanone finden sich in den anderen Skilltrees wieder und haben keinen eigenen Eintrag.

Dazu kommt noch, dass Waffen in einem gewissen Maß mitwachsen, denn jede Waffe hat einen Familiarity Wert, der anzeigt, wie geübt man mit der Waffe ist. Beherrscht man die Waffe vollständig wird sie stärker.

Neu sind übrigens auch die verfluchten Waffen, die nicht nur ein einzigartiges Design aufweisen, sondern auch stärker werden, je mehr man sie benutzt. Jede dieser Waffen hat eine Leiste, die sich durch Angriffe füllt und der Waffe dann für kurze Zeit einen zusätzlichen Effekt verleiht und gleichzeitig den in der Waffe gebundenen Geist sprechen lässt. Ein cooles Feature, das gerne noch weiter ausgebaut werden kann, denn sich durch Gegnerhorden zu schnetzeln und dabei von seinem Schwert zu mehr Gewalt angefeuert zu werden hat einfach Stil.

Damit wäre Nioh 2 eigentlich schon komplex genug, aber keine Sorge, Team Ninja hat da noch ein paar Asse im Ärmel. Zusätzlich zu den zahlreichen Waffen gibt es auch Rüstungen, die in drei Kategorien daherkommen und bestimmen, wie schwer sie sind und euch entsprechend verlangsamen.

Damit man als Spieler dabei ungefähr die Ausrüstung erhält, die man haben will, trifft man schon früh im Spiel auf eine Schmiedin, die das Crafting System eröffnet. Hier kann man sich dann nach Herzenslust austoben, Waffen und Rüstungen herstellen, verbessern oder deren magischen Eigenschaften verändern.

Damit kommen wir zum letzen Punkt, den wir bisher recht lange unterschlagen haben. Wie anfangs erwähnt ist Hide, der Protagonist, zur Hälfte ein Yokai und das muss sich ja auf das Spiel auswirken. Tut es auch! Zum einen gibt es gleich am Anfang die Wahl zwischen drei Yokai Formen, die verschiedene Schutzgeister mitbringen. Da habt ihr grob die Wahl zwischen einem Haudrauf, einer Schnellen und einer gemischten Form. Die kann nicht nur, wie im Vorgänger Schutzgeister heraufbeschwören, die unterschiedliche aktive und passive Fähigkeiten mitbringen, sondern ermöglicht dem Spieler auch sich in die Dämonenform zu bringen und so von Yokai-Macht geschützt ordentlichen Schaden anzurichten. Dazu kommen noch zwei essentialle Fähigkeiten, allen voran die spannendste Neuerung in Nioh 2: Der Yokai-Burst. So ziemlich jeder Gegner hat eine besonders gefährliche Attacke, die nicht selten den sofortigen Spielertod nach sich zieht. Aber dafür gibt es mit dem besagten Yokai-Burst einen Ausweg. Kündigt der Gegner den gefährlichen Angriff an, indem er rot leuchtet, muss man als Spieler schnell reagieren und mittels Yokai-Burst rechtzeitig in den Gegner reinspringen um einen mächtigen Konter auszuführen. Das Timing ist kniffling, aber unglaublich belohnend!

Noch dazu gibt es durch die Yokai Kraft auch die Möglichkeit mächtigen Gegnern ihre Fähigkeiten abzuluchsen. So kann man beispielsweise schon früh gegen Affendämonen kämpfen, die aus der Ferne mit ihrem Speer angreifen. Nervt wie sau, aber wenn man etwas Glück hat, kann man sie besiegen und so diese Fähigkeit selber erlangen. Von diesen Yokai Angriffen gibt es viele Verschiedene, von denen man stets zwei ausgerüstet haben kann. Eine klasse Neuerung, die dem Sammelfieber zu neuen Höhen verhilft!

Techniksamurai – Sauber, präzise und blitzschnell

©Team Ninja – Wenn die Yokai nicht wären, wäre das doch ein nettes Plätzchen!

Technisch gibt es bei Nioh 2 wirklich gar nichts zu meckern. Die Grafik selber ist gut, wenn auch etwas unspektakulär. Die Optik wird dann aber durch das hervorragende Design wieder auf ein tolles Level aufpoliert. Sowohl der eigene Held, als auch die verschiedenen menschlichen und übernatürlichen Gegner haben klasse Designs und machen keinen Hehl aus ihrer Inspiration aus der japanischen Folklore. Die Yokai sehen angenehm verrückt aus, der eigene Held, auch in Dämonenform könnte aus einem sehr guten Anime stammen. Und dann sind da natürlich auch einige ganz weirde Dinge, die Nioh von Dark Souls & Co abheben. Neben den putzigen Schreingeistern, die sich wieder in abgelegenen Ecken verstecken gibt es für Katzenfans einen neuen Schutzgeist, der den Spieler für kurze Zeit verfolgt und herrlich bescheuert aussieht. Unterstützt wird das ganze durch schnelle Animationen, Gegner mit ganz eigenen Angriffsanimationen untermalt von wilden Lichtblitzen, Schattenspielen und allerlei Effekten. Nioh 2 macht optisch also einiges her!

Auch soundtechnisch gibt es genug auf die Ohren. Zum einen ist das Spiel stimmig japanisch synchronisiert und reißt so den Spieler ins fiktive Japan der Feudalzeit. Zum anderen ist der Soundtrack angenehm unaufdringlich, pumpt aber bei Gefechten das Spielerherz wunderbar nach vorne. Gegner, besonders Yokai aller Art, machen eigene Geräusche und können so schon gut am Sound erkannt werden, praktisch insbesondere bei den versteckten Schreingeistern.

Und dazu muss lobend hervorgehoben werden, wie gut das Spiel technisch umgesetzt ist, denn selbst auf einer uralten Playstation sind die Ladezeiten schneller, als der Schwertarm des Protagonisten. Das klingt jetzt erstmal unspektakulär und sollte eigentlich standard sein, aber die meisten Zocker wissen, dass das nicht der Fall ist. Nioh 2 ist, genretypisch, bockschwer, man stirbt also alle naselang, da ist ein kurzer Ladebildschirm Gold wert und spart dem Spieler somit echte Lebenszeit!

Einzig das Inventarsystem könnte eine Auffrischung vertragen. Wie in eigentlich fast jedem japanischen Spiel ist das nämlich ziemlich unübersichtlich und erfordert immer irgendwie einen Knopfdruck zu viel.

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Nioh 2 [PlayStation 4]

 

  • Kampagne
  • Grafik
  • Technik
  • Gameplay
4.5

Summary

Ich mochte Nioh 1. Ich liebe Nioh 2. So, jetzt hab ich´s gesagt. Denn so werden Nachfolger gemacht! Project Ninja haben sich auf Stärken des Vorgängers berufen, die neben dem umfangreichen Loot auch im Kampfsystem lagen und haben da einfach noch eine Schippe draufgepackt. Geblieben sind der knifflige Schwierigkeitsgrad, das charmante Setting und ein Haufen Neuerungen, wie das Sammeln von Yokai-Kräften.

Fans von Dark Souls & Co kommen hier definitiv auf ihre Kosten, Genreneulinge sollten sich von dem Schwierigkeitsgrad nicht abschrecken lassen, aber ruhig mal einen Blick auf das Spiel wagen, denn Nioh 2 ist klasse!

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