Odin Sphere Leifthrasir auf dem Prüfstand: In Kapiteln durch den Kontinent Erion

Neuauflagen vergangener Spiele… Mittlerweile ein Trend, den man hin und wieder durchaus kritisch beäugen darf. Oft werden hier nämlich Spiele, die es eigentlich gar nicht wirklich verdient haben, mehr oder minder recycelt, um so die Wartezeit bis zum nächsten neuen Titel zu überbrücken. Ob sich Odin Sphere Leifthrasir, bei dem es sich auch um ein Remake des 2007 erschienenen PlayStation 2 Spiels Odin Sphere von Vanillaware handelt, in diese unrühmliche Liste einreiht oder stattdessen im neuen Gewand überzeugen kann? Ihr erfahrt es in unserem Test:

 

Story

Die Geschichte von Odin Sphere Leifthrasir ist im Vergleich zu vielen anderen RPGs etwas anders gestrickt. Insgesamt spielt ihr im Laufe des Games fünf unterschiedliche Charaktere, angefangen mit der Walküre Gwendolyn, über den Prinzen Cornelius, die Hexe Velvet, den Schattenritter Oswald, bis hin zur Königin der Feen Mercedes. All diese fünf Geschichten, die ähnlich einem Märchenbuch in mehrere Kapitel und Akte aufgeteilt sind, stehen nicht einfach nur für sich alleine, sondern sind dabei im Kontext des übergeordnet vorherschenden Krieges auf geschickte Art und Weise irgendwie alle miteinander verknüpft. Das fällt aber auch nicht besonders schwer, denn das chaotische Fantasy-Setting von Odin Sphere hilft dabei merklich. Neben einer Welt, die einen nordisch angehauchten Namen trägt und dem Dämonenkönig des Königreichs Ragnanival Odin, der dem Spiel seinen Namen verleiht, griffen die Entwickler auf eine ganze Reihe an mythischen Gestalten und Fabelwesen zurück, die man gefühlt nach Gutdünken gemischt hat. Dazu zählen neben Trollen, Feen, Zwergen, Drachen, Untoten und Feuermenschen sogar lebendige Pflanzen und Hasenmenschen. Dabei erscheint dieses Fantasy-Chaos keinesfalls negativ, sondern fungiert mehr als ein erfrischendes Element, das dem Spiel ein gewisses Alleinstellungsmerkmal verleiht und in sich irgendwie stimmig daherkommt. Eure Aufgabe besteht nun darin, euch durch diese verrückte Welt zu kämpfen, in der ihr dabei jeder Menge Gefahren aber auch Gefühlen ausgesetzt werdet.

Gameplay

Was Odin Sphere Leifthrasir genauso auszeichnet, wie schon das Original von 2007, ist die Tatsache, dass es sich bei dem Titel um ein Side-Scrolling RPG handelt. Eine Zeit lang völlig in Vergessenheit geraten, erlangt das Genre heute zwar wieder mehr Beachtung, was auch an einer ganzen Reihe von Indie-Games liegt, die in den vergangen Jahren erschienen sind, doch an den Glanz vergangener Zeiten kann dabei nur selten angeknüpft werden. Bei Odin Sphere hat man sich allerdings sehr schnell wieder an diese mittlerweile untypische Spielart gewöhnt und wird zu Beginn auch zeitnah mit den ersten Kämpfen konfrontiert. Dabei kommt einem das Spiel zunächst eher wie ein 2D-Hack and Slay vor, denn die anfänglichen Prügeleien lassen jede, in einem RPG eigentlich übliche Taktik vermissen. Hat man sich aber zu den ersten Boss-Kämpfen durchgeschlagen, wird schnell klar: Ganz ohne Taktik kommt man bei Odin Sphere nicht aus. Ganz im Gegenteil: Im Verlauf des Spiels werdet ihr zwei wichtige Crafting-Systeme erlernen, die entscheidende Auswirkungen auf den Ausgang eurer Scharmützel haben können. Zusätzlich dazu erhaltet ihr immer neue Spezialfähigkeiten, indem ihr euch auf verschiedenen Wegen Phosonenprisma aneignet. Diese Fähigkeiten können einem Kampf eine unerwartete Wendung bescheren oder geschickt in eure Taktik integriert werden.

Beim ersten der beiden Crafting-Systeme handelt es sich zunächst um ein Nahrungs-System: Immer wieder werdet ihr in der Welt des Kontinents Erion Pflanzensamen oder später auch Tiere (die ungelogen teilweise an Bäumen wachsen) finden, von denen ihr Nahrung gewinnen könnt, die ihr entweder im rohen Zustand zu euch nehmt, um so einen kleinen Teil eurer Lebensanzeige zu regenerieren und etwas Erfahrung zu sammeln, oder die ihr wahlweise auch zu eurem Koch bringen könnt, der praktischerweise auf all euren Abenteuern immer in der Nähe zu sein scheint. Dieser kann euch dann auf Basis von Rezepten, die ihr entweder als Belohnung im Kampf erhaltet oder kaufen könnt, narhafte Speisen kredenzen, die für einen deutlich größeren Schub an Gesundheit und Erfahrung sorgen, als es die Zutaten alleine vermögen. Doch Vorsicht: Um die gefundenen Samen in Beeren oder anderes Obst zu verwandeln sind Phosonen nötig, die ihr im Laufe des Spiels von besiegten Gegnern oder speziellen Pflanzen oder Schmetterlingen einsammelt. Diese Phosonen dienen euch aber auch dazu, eure Spezialfähigkeiten und magischen Waffen zu verstärken. Somit will gut abgewägt sein, wie ihr die erhaltenen Phosonen im Einzelnen einsetzt.

Zusätzlich existiert in Odin Sphere ein Alchemie-System. Erinnert ihr euch noch an die zuvor erwähnten lebenden Pflanzen? Diese kleinen putzigen Teilchen kommen als Zutaten in der Alchemie ins Spiel, wofür ihr sie allerdings zunächst mit einem gezielten Hieb ins Jenseits befördern müsst. Zusätzlich benötigt ihr noch leere Flaschen, Materie genannt, die ihr immer wieder beispielsweise in Truhen finden könnt. Kombiniert ergeben sich so kraftvolle magische Tränke, die verschiedenste Effekte haben können. Neben heilenden Elixieren existieren dabei vor allem offensiv einsetzbare Gemische, die häufig nützlich sind, wenn ihr es mit einer ganzen Horde an Gegnern gleichzeitig aufnehmen müsst, da sie meist Fläschenschaden verursachen. Diese Tränke könnt ihr wahlweise aber auch durch die gezielte Zugabe von weiteren Stoffen verstärken oder gleich in einen ganz anderen Trank umwandeln, je nachdem, was die Situation gerade erfordert.

in erster Linie diese Tränke in Kombination mit den Spezialfähigkeiten eures Charakters, von denen ihr gleich vier Stück auf Schnellzugriffs-Tasten parken könnt, verleihen vor allem den Bosskämpfen ein dynamisches Element, das Odin Sphere erst in ein waschechtes RPG verwandelt. Zumal auch eure Gegner hin und wieder über Zauber und Tränke verfügen. Seid also auf der Hut!

Insgesamt ist das Gameplay des Remakes überaus gelungen, was dem Spieler mehrere Stunden Spielspaß verspricht. Die Freude über das tolle Spiel wird aber ein wenig getrübt, denn wie sollte es anders sein? Es existieren auch Schwächen, die man sicherlich Erwähnen muss. So geschickt man die Schicksale der Charaktere miteinander verwoben hat, so langweilig kann es doch hin und wieder erscheinen, die immer sehr ähnlichen oder oft gar gleichen Schauplätze zu bereisen. Das hätte man auflockern können, indem man mehr Diversität bei den Gegnern ins Spiel gebracht hätte. Doch leider auch hier Fehlanzeige: Altbekannte Gegner werden immer wieder gerne auch in späteren Abschnitten der Geschichte verwendet und sogar Boss-Gegner werden teils recycelt. Schade… denn das Spiel bietet ansonsten wenige Schwächen.

Grafik

Grafisch überzeugt das Remake auf ganzer Linie. Man mag nun argumentieren, dass die Grafikverbesserung bei einem 2D-Sidescroller ein leichtes ist, tatsächlich haben sich die Entwickler die Ganze Sache aber eines nicht gemacht: leicht! Um Odin Sphere Leifthrasir im neuen Glanz und in 1080p erstrahlen zu lassen, wurden die Grafiken des ursprünglichen Spiels komplett überarbeitet, soll heißen, man hat alle Grafiken des 2007 erschienen Spiels noch einmal von Grund auf neu gezeichnet – und das merkt man auch! Neben den detailreichen Hintergründen kann das Spiel nämlich auch mit seinen liebevoll umgesetzen Charakteren überzeugen. Zusätzlich zur hübschen Optik liefert das Game nun auch durchgehende, flüssige 60fps. Nur auf der PlayStation Vita kann es ganz selten zu im Grunde unmerklichen, kleineren Einbrüchen in der Framerate kommen. Damit hat das Spiel dem Original gegenüber einen unabstreitbaren Vorteil, denn dieses begann vor allem bei hektischen Bosskämpfen und vielen Gegnern gerne zu ruckeln und brachte die PlayStation 2 so oft an ihre Grenzen.

Sound

Wer sich einmal die Zeit nimmt und den Soundtrack des Startmenübildschirms von Odin Sphere Leifthrasir auf sich wirken lässt, der wird gleich merken, dass auch bei der Vertonung des Spiels nicht mit Feinheiten und Details gegeizt wurde. Man fühlt sich so schon gleich zu Beginn in einer mythischen Fantasiewelt gefangen, ohne auch nur einen Bruchteil von dieser gesehen zu haben. Aber auch im Spiel überzeugen die passend gewählten Hintergundmusiken und auch die Geräuscheffekte, beispielweise im Kapmf wirken passend und abgestimmt. Hier kann man den Entwicklern absolut keinen Vorwurf machen. Hut ab!

Hier könnt ihr das Spiel bestellen:

Odin Sphere Leifthrasir
  • 8.5/10
    Story - 8.5/10
  • 7/10
    Gameplay - 7/10
  • 9/10
    Grafik - 9/10
  • 8/10
    Sound - 8/10
8.1/10

Kurzfassung

Mit Odin Sphere Leifthrasir bringen die Entwickler einen JRPG-Klassiker nicht nur im modernen Gewand, sondern auch mit neuem Glanz zurück auf die heimischen Bildschirme und zeigen damit: Ein Remake kann durchaus sinnvoll sein und überzeugen! Fans von Japano Rollenspielen sollten dieses Juwel vergangener Tage nicht verpassen und sich auf einige gepflegte Stunden Spielspaß einstellen, trotz der kleinen Schwächen des Spiels, die Odin Sphere Leifthrasir hin und wieder ein wenig langatmig erscheinen lassen können. Das machen die verrückte, detailreiche Fantasy-Welt und die liebevoll umgesetzen Charaktere gepaart mit einer komplett neuen, handgezeichneten Grafik aber locker wieder wett. Da heißt es spielen, egal ob man das Original damals verpasst hat oder das Spiel nun noch einmal neu erlebt. Nur wer generell nichts mit RPGs anfangen kann, wem das spezielle Setting von Odin Sphere zu chaotisch wirkt oder wer partout nicht mit einem 2D-Side-Scroller liebäugeln kann, der sollte sich lieber anders orientieren.

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