PC Engine CoreGrafx mini: Nicht profitabel und Zweifel an Hardware-Qualität

PC Engine CoreGrafx
© Konami

Während Nintendo mit seinen beiden Mini-Konsolen damals einen derartigen Hype generierte, dass es zu Lieferengpässen und einem zeitlich limitierten Produktionszyklus kam, sind das Probleme, von denen die Konami Group derzeit nur träumen dürfte. Die Retro-Konsole PC Engine CoreGrafx mini (in den USA: TurboGrafx-16 mini, in Japan: PC Engine mini) wurde letztes Jahr im Rahmen der E3 2019 angekündigt und wird am 19.03.2020 in einer kleinen Auswahl an Ländern auf den Markt kommen.

In Europa bringt Konami die Mini-Konsole im Vereinigten Königreich, in Frankreich sowie in Italien auf den Markt. Darüber hinaus wird noch der nordamerikanische und japanische Markt mit den oben genannten Modellen bedient. Deutschland bleibt demnach außen vor.

Doch laut dem japanischen BusinessJournal dürfte die Konsole eher ein massiver Flop sein und erinnert damit nicht zuletzt an Sonys Debakel mit der PlayStation Classic.

So läuft das Geschäft mit den Vorbestellungen bei Amazon Japan derzeit wohl ziemlich mau – Es wurden wenige Geräte von Kunden reserviert, und Bestellmöglichkeiten sind durchgängig gegeben. Laut Mitarbeitern von Konami liegt die Zahl der Vorbestellungen unter den Erwartungen. Ein Break Even, also der Schwellenpunkt zur Profitabilität,  ist bislang nicht erreicht.

Obschon viele und auch populäre Spiele vorinstalliert seien, fiele der Preis vergleichsweise hoch aus, sodass sich wenige Kunden für das Gerät interessieren würden, so ein Konami-Sprecher. Das Business Journal geht davon aus, dass die Verkaufszahlen unter denen des (m.E. grandiosen) Mega Drive Mini liegen werden. Viele Fans des PC Engine besitzen noch die Ur-Konsolen oder die Derivationen mit integriertem CD-ROM Laufwerk (Duo/Duo-RX) und eine entsprechend große Spiele-Bibliothek. Diese würden keinen Grund sehen, eine solche Mini-Konsole zu erwerben.

Es gibt mehrere Faktoren, die für den schleppenden Verkauf verantwortlich sein könnten:

Zum einen die Amazon-Exklusivität: Kunden haben konkret nach anderen Kaufoptionen gefragt, während Einzelhändler kritisieren, dass sie vom Verkauf ausgeschlossen seien. Zwar räumt Konami die Möglichkeit ein, dass die Exklusivität zu einem späteren Zeitpunkt aufgehoben werde, und dass die Konsole dann auch in regulären Fachgeschäften erhältlich sei, man geht aber davon aus, dass die Mini-Konsole ähnlich verramscht werde wie die PlayStation Classic, wenn man sie direkt zum Marktstart über alle Vertriebskanäle verkaufe.

Die Parallele zur PlayStation Classic führt dann zum zweiten Faktor: Die PlayStation Classic ist bekanntlich nicht ohne Grund so derart schnell im Preis gefallen; tatsächlich war es die blasse Spielauswahl und vor allem die mangelhafte Emulation, die zu ihrem Scheitern geführt hat.

Etwas Ähnliches scheint man bei auch bei der PC Engine mini zu befürchten.  Denn während die originale PC Engine 1987 vom Elektronikriesen NEC Home Electronics in Kooperation mit Hudson Soft entwickelt worden ist, hat die Konami Group mit Konsolen-Hardware bislang wenig am Hut gehabt. Die Rechte an der PC Engine-Marke sind Konami durch den vollständigen Aufkauf von Hudson Soft im Jahr 2012 zugefallen.

Offenbar hegen Presse und Kunden eine gewisse Skepsis – So schreibt das Business Journal:

„Einige Leute machen sich Gedanken wegen mangelndem Know-How, weshalb die Entwicklung der PC Engine mini so lange dauert“ (Übersetzung von Gamefront)

Ob die technische Umsetzung tatsächlich unzureichend ausfällt, bleibt abzuwarten. Preisgestaltung, Amazon-Exklusivität und die geringe Reichweite bleiben indes ganz klar verkaufshemmende Faktoren.

Generell scheint auch der Nostalgiefaktor bei der PC Engine-Marke nicht mehr derartig stark zu ziehen: Denn die offizielle PC Engine T-Shirt-Kollektion, die parallel zur Konsole erscheinen soll, stößt ebenfalls  auf nicht sonderlich begeisterten Zuspruch. Laut dem Business Journal könnte die PC Engine mini das Ende der Mini-Retro-Konsolenwelle einläuten.

Die 32-Bit Generation wird wohl tendenziell nicht als Plug & Play Mini-Konsole aufbereitet werden. Sega Saturn und Nintendo 64 seien deutlich schwieriger zu emulieren und werden daher eher nicht als Mini-Konsolen erscheinen, mutmaßt das Business Journal; bezüglich der Nintendo 64 erteilte Nintendo einer Mini-Version erst vor wenigen Tagen eine mehr oder minder unmissverständliche Absage.

Eine vorerst letzte Retro-Konsole könnte das MSX Mini sein, das quasi eine konsolisierte Fassung des MSX-Home Computer-Standards sein soll.  Zu dieser Umsetzung gibt es aber bislang keine konkreten Details.

Pünktlich zum Release veröffentlichen wir eine Besprechung zur PC Engine CoreGrafx mini und informieren euch, ob sich ein möglicher Import des Gerätes lohnt.

 

Über Martin Pilot 429 Artikel
27 Jahre jung, beschäftige ich mich schon nahezu mein ganzes Leben mit Videospielen und Videospielkultur. Erstmals in Kontakt gekommen mit dem Medium bin ich Anfang der 90er Jahre mit einem Commodore 64 von der Resterampe, wo ich ausgiebig Giana Sisters und die Turrican-Umsetzungen suchtete und immer ein bisschen neidisch zu den Amiga-Besitzern rübergeschielt habe. Mitte bis Ende der 90er Jahre war ich vordergründig im Sega-Lager unterwegs - Bis heute ist die Sega Dreamcast meine liebste Plattform (Shenmue *hrhr*). Ich studiere darüber hinaus Englisch und Geschichte auf Lehramt und bin von meinen Interessen generell sehr auf die Darstellenden Künste fokussiert (Musik/Film/Theater).

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*