Jump Force für PlayStation 4 im Review: Bunte Mischung oder Einheitsbrei?

©Bandai Namco

Die Realität kollidiert mit Crossovern aus der 50 jährigen Geschichte der Shonen Jump Reihe und mischt das ganze mit einem Kampfsystem a la Dragon Ball Xenoverse und einem kontroversen Grafikstil. Ob gut geklaut tatsächlich besser ist als gut gebaut, erfahrt ihr hier!

Singleplayer & Storymode- Wenn ein Charakter ohne Charakter der Jump Force beitritt

In seinem Kern will Jump Force ein Singleplayerspiel mit Story sein, denn statt eines Menus begrüßt einen das Spiel direkt mit einer bombastischen Introsequenz und schmeißt den Spieler daraufhin direkt in die Handlung. Wenn ihr euch fragt, wie die Jungs von Spike Chunsoft es geschafft haben mehrere Welten aus dem Shonen Jump Universum zu vereinen, dann ist die Antwort ganz leicht: Mit der Brechstange. Freezer greift mit der Hilfe sogenannter Venoms New York an und konfrontiert dort Son Goku. Während des Gefechts sprengt Freezer mit einem Laserstrahl einen Teil der Stadt und verursacht damit natürlich eine Menge an Kollateralschaden, darunter auch den bisher unbekannten Protagonisten. Doch hier ist das Spiel natürlich noch nicht vorbei, denn aus irgendeinem Grund besitzt Trunks einen mysteriösen Gegenstand. Mittels dieses Umbras Cubes kann nicht nur das Leben des Protagonisten gerettet werden, es werden dadurch auch Superkräfte in ihm geweckt, die ihn sofort zu einem ebenbürtigen Gegner für die ganzen Helden und Bösewichte aus dem Shonen Jump Universum machen. Interessant wird er dadurch aber noch lange nicht, denn neben einem gelegentlichen Grunzen gibt der Protagonist keinen Laut mehr von sich. Dafür ist er voll individualisierbar, denn durch den Erwerb von Kleidungsstücken und Attacken kann man sich nach Herzenslust austoben und seinen Wunschcharakter erstellen. Zumindest in der Theorie, denn viele Outfits und Angriffe muss man sich erst freispielen und das Spiel ist in erster Linie auf ewiges Gegrinde ausgelegt.

Ausgestattet mit einem individuellen Look wird der Protagonist zur Jump Force gebracht, deren Gelände als Hubwelt dient. Die Jump Force ist eine Organisation, die verschiedene Helden des Universums einsammelt um mit ihnen gegen Venoms und ihre Anführer anzutreten. Die erste wichtige Entscheidung des Spielers ist dann die Wahl seines Teams, denn die Jump Force ist in drei Teams eingeteilt, die von verschiedenen Helden angeführt werden. Team Alpha wird von Goku geleitet, Team Beta von Monkey D. Luffy und Team Gamme steht unter der Leitung von Naruto. Die Wahl des Anführers bestimmt dann auch das Moveset mit dem euer Charakter startet. Doch keine Angst vor einer falschen Wahl, denn zum einen plätschert die Handlung nur vor sich hin und zum anderen kann man sich die Movesets der anderen Charaktere im weiteren Verlauf freispielen.

In dieser Hubwelt kann man auf andere Spielercharaktere treffen, aber die Kommunikation ist auf ein paar Emotes begrenzt und bisher haben die Spieler auhc selten Anstalten gemacht sich miteinander zu beschäftigen. Da es kein Trading System gibt, ist das wohl auch nicht unbedingt nötig. Ansonsten bedient man über die Hubwelt Konsolen, bei denen man Missionen auswählen oder Ausrüstung erwerben kann. Dafür kann man wahlweise auf der unnötig großen Karte herumlaufen, bei der man zwar gelegentlich auf bekannte Gesichter trifft, die aber außer uninspirierten One-Linern keine Interaktionsmöglichkeiten bieten oder direkt zu den Konsolen teleportieren. Im Prinzip könnte man sich die Hubwelt komplett sparen, denn leider ist sie lediglich ein animiertes Menu mit Laufwegen zwischen den einzelnen Modi. Herzstück des Spiels ist aber der Kampf und der folgt unausweichlich in jeder Mission.

©Bandai Namco Customization – Fluch & Segen

Das Kampfsystem – ▢,▢,▢,R2+▢

Vor dem eigentlich Kampf stellt der Spieler sein Team aus 42 verschiedenen Charakteren zusammen. Anders als bei vielen Konkurrenten handelt es sich bei Jump Force um einen Teambrawler, bei dem pro Team drei Helden ins Gefecht ziehen. Die Kamera ist dabei knapp hinter dem aktiven Helden fixieret und zeigt so den Gegner auf der gegenüberliegenden Seite.

Das Gameplay selber ist dabei recht schnell erklärt. Es gibt eine Taste für schnelle Angriffe, die sich im richtigen Rhytmus gedrückt, zu unterschiedlich langen Angriffssequenzen verbinden lassen. Dazu gibt es schwere Angriffe, die den Gegner ein Stück zurückwerfen, die obligatorische Blocktaste, die auch mächtige Angriffe blocken kann und Würfe, die den Block durchbrechen. Doch das Herzstück der Fights sind die vier Spezialangriffe, die jedem Charakter zur Verfügung stehen. Drückt man die entsprechende Taste wird eine opulent inszenierte Attacke ausgeführt, die bei Erfolg wie eine kurze Videosequenz wirkt und dabei auch nicht mehr unterbrochen werden kann. Dabei kann man auch auf Hilfe des Teams zählen, da man seine Verbündeten per Tastendruck zu einem Hilfsangriff animieren oder direkt gegen den aktuellen Kämpfer austauschen kann. Dabei umgehen die Entwickler die Möglichkeit einen verletzten Charakter hinter den anderen zu verstecken, indem sich alle Kämpfer den selben Lebensbalken teilen. Im ersten Moment fühlt sich diese Entscheidung etwas unrealistisch an, letztendlich handelt es sich hier aber um eine Mangaumsetzung mit Angriffen, die sprichwörtliche die Erde spalten. So werden die Kämpfe zumindest nicht unnötig in die Länge gezogen.

Das Kampfsystem ist damit eindeutig auf diese Abilities ausgelegt, Combos spielen eine untergeordnete Rolle und sind ohnehin bei allen Charakteren zwar optisch unterschiedlich, letztendlich aber gleich. So sind die ersten Matches echte Hingucker, denn die Kämpfer schleudern ihre bekannten Fähigkeiten aufeinander, schmeißen sich gegenseitig durch die Gegend und lassen sprichwörtlich die Fetzen fliegen, wenn Kleidung im Kampf Schaden nimmt. Mechanisch ist das ganze aber unbefriedigend, denn durch die eigenwillige Perspektive wird das Spiel schnell unübersichtlich. Von den Effekten der Fähigkeiten überladen, ist der Gegner im Hintergrund oft kaum auszumachen. Man kann so kaum auf seine Handlungen reagieren und das Spiel verkommt zum reinen Buttonmasher. Auf seine Feinde kann man ohnehin kaum reagieren, zwar gibt es Blocks und Dashes, aber viele Fähigkeiten verfolgen den Angegriffenen und so ist Abstand meist die einzig sichere Option, da richtige Konter meist nur über bestimmte Fähigkeiten möglich sind.

Wie bei jedem anderen Beat-em-up gibt es auch in Jump Force einen Multiplayer, den man über die zentralen Konsolen auf der Hubwelt starten kann. Das ganze bleibt aber sprichwörtlich eine Frage der Perspektive. Bleibt beim online Multiplayer alles beim Alten, gibt es beim lokalen Multiplayer einen großen Unterschied. Die Kamera sitzt immer hinter dem angreifenden Spieler. Die ohnehin schon unübersichtlichen Kämpfe verkommen so durch die asymmetrische Perspektive zu reinen Buttonmashern. Kombiniert mit den langen Ladezeiten kommt hier kaum echter Spielspaß auf.

©Bandai Namco

Technik – Eigenwilliger Look, Effektgewitter und Laaaaadeeeezeeeiiiteeeeeen

Der Clou von Jump Force ist ja das verschmelzen der Realität mit den Comicwelten und das zeigt sich auch im Look des Spiels. Denn anders als andere Genrevertreter, wie Dragon Ball Xenoverse, versuchen die Entwickler gar nicht erst eine überzeugende Cel Shading Optik zu erschaffen, die die Manga zum Leben erweckt, sondern nutzt einen semi-realistischen Stil. Während die ohnehin humanoiden Charaktere und Aliens dabei gut wegkommen, sehen manche Vertreter aber auch eigenartig aus. Die Kämpfe selbst sind wunderbar animiert, Fans können sofort jeden einzelnen Helden und sein Moveset wiedererkennen.  Durch die Kamera und die leicht ausführbaren Spezialattacken wirkt das Spiel irre dynamisch. Außerdem haben die Helden ihre originalen japanischen Synchronsprecher, die mit der japantypischen Inbrunst Angriffe kreischen. Weniger überzeugend ist die Hubwelt. Hier gibt es kaum vertonte Dialoge, die Charaktere laufen alle gleich und überhaupt wirkt hier alles ziemlich übereilt und irgendwie unnötig. Hier ist viel Potential ungenutzt geblieben.

Aber der größte technische Kritikpunkt sind die horrenden Ladezeiten. Das Spiel wurde auf einer normalen Playstation 4 getestet und Wartezeiten die über einen 30 Sekunden Zeitraum hinausgehen begegnen einem ständig. Lust dein Outfit zu wechseln? Ladezeit. Kampfmission? Ladezeit, unvertonter One-line, Ladezeit, Kampf, Ladezeit. Hier muss unbedingt nachgebessert werden, denn so ist das Spiel kaum spielbar!

©Bandai Namco

 

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Jump Force
  • Grafik
  • Sound
  • Gameplay
  • Story
  • Multiplayer
3.4

Summary

Jump Force glänzt. Es glänzt vor allem mit der Lizenz und der durchaus beeindruckenden Optik. Aber nicht alles glänzt ist auch Gold und so dauert es auch nicht lange, bis man auf die ersten unübersehbaren Kritikpunkte stößt.

Das Kampfsystem, das Herzstück jedes Fighters, ist eher flach und die Kämpfe durch die verzerrte Perspektive sind zwar dynamisch aber unübersichtlich. Die Story ist unspektakulär und hahnebüchen, tut aber nicht weh. Es gibt massig Fanservice und der Spieler hat zahlreiche Möglichkeiten auf die Helden des Jump Universums zu treffen.

Ein kompetetives Kampfspiel wird Jump Force nicht werden, will es aber auch nicht sein. Für Fans der Manga, die ein repetetives Gameplay nicht scheuen lohnt sich ein Besuch bei der Jump Force aber schon, aber erst, wenn die Ladezeiten deutlich verbessert werden!

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