Comic Review: Lake of Fire – Aliens im Mittelalter

Inspiriert von dem Meat Puppets Klassiker mit dem selben Namen bringen Nathan Fairbairn und Matt Smith einen interessanten Genremix, denn bei Lake of Fire handelt es sich um eine Mischung aus Historiendrama und SciFi-Horror. Ob der Comic mit B-Movie Charakter überzeugt, erfahrt ihr hier!

 

Knights & Aliens

Die Geschichte von Lake of Fire ist schnell erzählt. Wir befinden uns im Frankreich des 13. Jahrhunderts, einer Zeit die von Kreuzzügen und Glaubenskriegen gekennzeichnet ist. Der junge Knappe Theo und sein Freund Hugh wollen ihren Teil zu diesem Kreuzzug beitragen und so Ruhm und Ehre als Ritter einheimsen, deswegen nehmen sie kurzer Hand Reiß aus und machen sich auf den Weg zu einem der örtlichen Fürsten, um sich seinem Heer anzuschließen. Dort treffen sie auf den vergrämten, alten Recken Sir Raymond, der den Glauben an das Heldentum an den Krieg verloren hat und den blutrünstigen Mönch Arnaud, der nichts lieber tut als Häretiker zu verbrennen. Die vermutet er auch direkt in der jungen Bernadette, die als Heilerin außerhalb des Dorfes arbeitet und einem anderen christlichen Glaubensbekenntnis angehört. Prompt wird ihr die Schuld an der Dämoneninvasion in die Schuhe geschoben und ihre Hinrichtung angewiesen. Das können die jungen Ritter natürlich nicht auf sich sitzen lassen, so dass eine Gegeninvasion gestartet wird. Eine Gruppe von zumeist namenlosen Rittern macht sich somit auf den Weg zum Feuersee, der sich an Bord des abgestürzten UFOs befindet.

Der Mix aus Geschichtserzählung und Sci-Fi ist tatsächlich noch ziemlich unverbraucht, vom Plot selber kann man das aber nicht sagen. Denn wie zu erwarten tauchen bald die ersten Aliens auf und verbreiten Furch und Schrecken bei den Bewohnern. Beim Leser leider deutlich weniger, denn weder haben die Aliens ein erkennbares Motiv noch ein bedrohliches Erscheinungsbild. Die nackmullartigen Aliens verhalten sich wie die typischen Schwarmbiester, ähnlich wie Zerg in Starcraft, Tyraniden in Warhammer, Bugs in Starship Troopers und so weiter und so standard, lassen sich aber verhältnismäßig mühelos mit den Waffen des Mittelalters bekämpfen. Wie die humanoiden Aliens, die im Besitz von fortgeschrittener Technologie in Form von Laserwaffen, so leicht überrumpelt werden konnten, bleibt leider ungelöst.

 

Offene Fragen, deren Antwort keinen interessiert

Die Autoren und Künstler haben viel Potential verschenkt. Denn das größte Potential liegt meiner Meinung nach in der Mischung aus Fantasy und SciFi, insbesondere also der Interaktion zwischen den vermeintlichen „Dämonen“, die sich als Außerirdische herausstellen sollten und den vom Glauben geprägten Dorfbewohnern. Das findet leider aber nicht statt, da die Schwarmaliens scheinbar nicht an Diplomatie interessiert sind. Umso interessanter wären hier dann andere Spezies. Beispielsweise sieht man im Rahmen des UFO Absturzes, welcher die Handlung überhaupt erst ermöglicht, humanoid erscheinende Aliens, die vermutlich unter dem Ausbruch des Schwarms die Kontrolle über ihr Schiff verloren haben. Aber das ist reine Spekulation, die anderen Aliens und ihre Gründe für eine Reise in die Nähe der Erde werden nämlich gar nicht erwähnt. Ebenso wird aus Buch selbst heraus nicht klar, ob es sich hier um eine abgeschlossene Geschichte oder eine noch fortlaufende Handlung handeln soll.

 

Technische Umsetzung: Wieder super Arbeit von Cross Cult

Mit Lake of Fire veröffentlicht Cross Cult einen Sammelband, der die sechs, ursprünglich über Image Comics veröffentlichten, Einzelausgaben zu einer broschierten Ausgabe zusammenfasst. Dabei kommt das Buch in gewohnt hoher Cross Cult Qualität. Der Einband ist fest, die Farben kräftig und das Papier schön dick. Auch die Lokalisation ist gut gelungen, es gibt praktisch keine Rechtschreibfehler, die Übersetzung erscheint angemessen und fängt das mittelalterliche Flair gut ein. Besonders schön ist die Gallerie am Ende, in der neben den Covern der Einzelausgaben auch Sonderedition und Skizzen gezeigt werden. Zwar tragen die zur Handlung nichts bei, sind aber meiner Meinung nach im Printcomic nahezu verpflichtend. Zum Glück sieht man das beim Verlag wohl genauso.

Lake of Fire
  • Story
  • Artwork
  • Setting
3

Summary

Eigentlich hatte Lake of Fire die perfekten Voraussetzungen für mich. Ich habe Geschichte studiert und stehe seit meiner Kindheit auf Sci-Fi, doch trotz dieser Mischung hat mich der Sammelband komplett kalt gelassen. So innovativ die Grundidee sein mag (und das ist auch schon eher großzügig bewertet), so abgedroschen ist die Handlung mit B-Movie Charm. Aber eine unspektakuläre Handlung kann mit starken Charakteren getragen werden, doch leider scheitert Lake of Fire auch daran, denn alle Protagonisten sind reine Abziehbilder. Die beiden jungen Ritter-in-spe glauben anfangs noch an das Heldentum, aber stellen dann recht zügig fest, dass Krieg deutlich weniger Spaß macht, als Lieder und Erzählungen einen glauben lassen wollen. Wie die beiden profillosen Junghelden aber heißen, hab ich schon beim Lesen vergessen. Ähnlich steht es um Raymond, der anfänglich als Grobian dargestellte Veteran verdient sich im Laufe des Abenteuers einen sinnlosen, aber spektakulären Heldentod und der vermeintlich vom Glauben angetriebene Mönch kriegt natürlich auch eine Quittung für sein Verhalten. Das hat man alles leider schon dutzendfach gesehen, meistens aber leider besser. Die größte Enttäuschung sind für mich aber die Aliens. Klar, hat man fiese Fresskäfer auch schon tausend mal gesehen, aber die Aliens aus Lake of Fire sehen aus wie hundsgroße Nacktmulls. Das Design transportiert für mich schlicht den Horror nicht, dem die Charaktere ausgesetzt sind. Der Rest des gelungenen Artworks kann den Comic dann auch nicht mehr aus der Durchschnittlichkeit befreien. Schade, zumal die Autoren durchaus smart schreiben können und das insbesondere in den wirklich lustigen Selbstbeschreibungen beweisen.

 

ISBN: 978-3959817837

Umfang: 168 Seiten, farbig

Maße: 24,2 x 1,2 x 31,7 cm

Klappenbroschur

Preis: EUR 25,00, erschienen bei Cross Cult

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