Yu-Gi-Oh! Legacy of the Duelist: Link Evolution! für die Nintendo Switch im Review: Das bislang umfangreichste TCG der Franchisegeschichte!

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Gotta catch ´em all?

Ich glaube, ich war auf der einzigen Schule in Deutschland, an der es keine Trading Card Games gab. Gut, mag daran liegen, dass sich meine Schule (für mich im Nachhinein) als Sportgymnasium entpuppte, vielleicht hing ich aber auch an den falschen Orten rum und soo schlimm ist Rundlauf beim Tischtennis eigentlich gar nicht… Aber was soll`s?

Dementsprechend spät habe ich meinen ersten Kontakt mit Yu-Gi-Oh gehabt und zumindest designtechnisch hat mich der Kollege, der einfach mal zwei Frisuren gleichzeitig trägt, auch nicht umgehauen. Aber manchmal steckt der Teufel im Detail und die Serie lebt definitiv nicht von ihren einprägsamen Charakteren. Dafür steckt da ein Kartenspielsystem dahinter, das nicht umsonst in einer Reihe mit Pokemon und Magic; The Gathering genannt wird und sich hinter keinem der anderen Systeme verstecken müsste. Und das gibt es jetzt in Form von Yu-Gi-Oh! Legacy of the Duelist: Link Evolution! auch auf der Nintendo Switch. Ob die Umsetzung dem Kartenspiel das Wasser reichen kann?

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Und wieder switcht ein altes Spiel auf die Switch

Aber fangen wir mal mit dem eigentlich Game an, denn Yu-Gi-Oh! Legacy of the Duelist!: Link Evolution! ist, wie es  leider viel zu oft der Fall ist, kein brandneues Spiel für Nintendos Handheld. Vielmehr handelt es sich um eine leicht aufpolierte Version des Yu-Gi-Oh! Legacy of the Duelist! Spiels . Das Spiel bringt es nun also auf gut 9000 Karten und eine fast schon homöopathische Minikampagne, die mit lediglich drei Leveln bei dem Wust an bereits bestehendem Content kaum auffällt.

Das heißt also faktisch, dass man sich munter durch sechs Kampagnen zocken darf, bei denen man in stark verkürzter Form den Staffeln der Animeserie folgt. Dabei trifft man auf alle namhaften Charaktere und fordert sie nach kurzem Wortgeplänkel in Form von Standbildern zu einem Kartenduell.

Die Duelle laufen dabei nach einem grundsätzlich sehr simplen Prinzip ab, erhalten aber durch die Unmenge an Karten eine enorme Tiefe, so dass sich kein Match wie das gleiche anfühlt. Denn ganz grob gesagt, starten beide Kontrahenten mit einem selbsterstellten Deck, das zwischen 40 und 60 Karten umfasst, und versuchen dem Gegner zuerst seine 8000 Lebenspunkte abzuluchsen. Dazu beschwört man in der Regel ein Monster pro Runde und zaubert zusätzlich so viele Zauber, wie die sechs Handkarten zulassen. Das ist das Gameplay im ganz Groben, denn wenn man sich mit einem erfahrenen Spieler an den Tisch setzt, dann kann das ganze auch gleich komplett anders aussehen. So beginnt man beispielsweise die Kampagne mit Yugi und seinem Exodia-Deck, bei dem man eine zusätzliche Win-Condition erhält. Denn schafft es Yugi alle fünf Einzeleile von Exodia auf der Hand zu halten, erringt er sofort den Sieg. Und das ist nur eine von hunderten Möglichkeiten sich sein Deck zu gestalten.

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Tradingcard Games gehen auch kundenfreundlich

9000 Karten sind eine ganze Bank. Aber fast das beste Featue von Yu-Gi-Oh! Legacy of the Duelist!: Link Evolution! ist, dass das Spiel ganz ohne DLC oder Lootboxes auskommt. Wer die Kohle für das Spiel in die Hand nimmt, kann alle Karten erhalten. Aber ganz ohne das TCG-Feeling muss man hier nicht auskommen, denn die Karten schaltet man nicht nur im Rahmen der Kampagne frei, man erhält dort auch eine Ingame-Währung mit der man sich Booster kaufen muss. Wer also auf ein bestimmtes Deck hinarbeiten will, muss da schon das ein oder andere Päckchen aufreißen. Während man sich so als Neuling über jede Karte freut, hat man als erfahrener Spieler, der es auf ein bestimmtes Deck abgesehen hat, gar nicht so leicht, zumal man viele Händler für die Packs erst über die Kampagne freischalten muss.

Und die stellt vermutlich das Herzstück des Spiels dar. Wie anfangs schon erwähnt, spielt man hier im groben die Anime-Serie nach, kann aber auch direkt zu Beginn mit einer späteren Staffel einsteigen und so Zugriff auf bestimmte Karten erhalten, die es am Anfang noch nicht gegeben hat. Der Clou an der Sache ist, dass man die Kampagne auf zwei verschiedene Arten spielen kann. Zum einen kann man nämlich mit Decks spielen, die einem das Spiel vorgibt. Das sind dann Decks, die ein bestimmtes Thema haben und den jeweiligen Charakter repräsentieren. Da man nicht im Voraus sehen kann, welche Karten in diesem Deck stecken, wird der Modus so ein bisschen zu einem Rätselspiel, denn man muss sich die Win-Conditions erst im Spielverlauf erarbeiten. Besiegt man seinen Gegner, kann man im Nachhinein auch mit vertauschten Rollen und seinem Deck zur Revanche antreten.

Alternativ kann man die Kampagne aber auch mit selbsterstellten Decks durchspielen und so an seinem Set feilen. Die Variante macht gerade erfahreneren Spielern vermutlich mehr Spaß, leider stößt aber die KI hier häufig auf ihre Grenzen. Der Computer hat nämlich zwar theoretisch Zugang zu allen Karten, er weiß gelegentlich aber gar nicht mit ihnen umzugehen und spielt auch mal Züge aus, die ihn in eine schlechtere Position bringen.

Yu-Gi-Oh
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Großer Umfang mit kleinen Tücken

Der große Umfang wird aber scheinbar auch mit einigen Schwierigkeiten erkauft. Denn gerade bei der Technik zickt das Spiel an manchen Stellen arg herum.

Zwar sind die Karten alle in ihrem Originaldesign, mit all den Vor- und Nachteilen, die die lange Geschichte der Serie mit sich bringt, aber gerade im Handheldmodus sind die Karten selbst kaum zu lesen. Auch am Fernseher wird das ganze nur ein bisschen besser. Es gibt zwar zu jeder Karte eine Box, die den Text lesbar wiedergibt, aber gerade bei den späteren, schöneren Artworks stellt sich die Frage, wieso man die Karten nicht zu jederzeit bequem vergrößern kann. Der Kritikpunkt ist aber noch zu verschmerzen, ähnlich wie die etwas klobige Menuführung, die das Spiel manchmal unnötig hölzern wirken lässt. Da das Spiel in unterschiedlichen Phasen abläuft, muss man per Knopfdruck manuell zwischen ihnen hin-und-herschalten. Hier wäre es auf jeden Fall wünschenswert gewesen, wenn man die Option hätte automatisch in die nächste Phase zu springen, wenn man seinen Zug ausgeschöpft hat, oder zumindest per Knopfdruck einfach sofort in die folgende Phase zu wechseln ohne sich mit drei Knopfdrücken durch mehrere Menus zu clicken. Auch die seltenen Abstürze sind schade, aber da das Spiel kaum Ladezeiten hat, sind sie zu verschmerzen.

Was aber wirklich nervt und für mich nicht zu erklären ist, ist das Sortiersystem der Karten. Yu-Gi-Oh! Legacy of the Duelist!: Link Evolution! bietet 9000 Karten. Ich habe lange noch nicht alle freigeschaltet, aber mein Menu platzt bereits so schon aus allen Nähten und eine bestimmte Karte herauszusuchen ist unnötig schwer. Es gibt zwar einige Filter, die sind aber nicht ausreichend, um die Menge an Karten sinnvoll einzugrenzen. Man kann beispielsweise nicht nach Namen suchen, nur alphabetisch sortieren. Auch  die Möglichkeit schlicht nach neuen Karten zu sortieren ist nicht vorhanden. Viel Spaß an alle, die vergessen haben, wie die coole Karte aus dem neusten Boosterpack nochmal geheißen haben mag!

Auch online hat das Spiel mit Lags zu kämpfen. Ob das jetzt an der Verbindung der Gegner oder dem Spiel selbst liegt, kann ich nicht beurteilen, aber den Spielspaß trübte die Technik deutlich mehr, als die krassen Decks meiner erfahreneren Gegner, die mich wiederholt in Windeseile vom Platz gefegt haben.

Dabei ist technisch nicht alles schlecht. Das Spiel hat stimmige Spielhintergründe, läuft flott und die dudelige Musik ist zwar kein Ohrwurmgarant, stört aber auch nicht. Und mit den kurzen Introvideos für legendäre Karten gibt es sogar ein kleines grafisches Highlight. Die sind zwar im Prinzip unnötig, sehen aber für Switch-Verhältnisse schmuck aus und stören den Spielfluss kaum.

  • Story
  • Technik
  • Gameplay
  • Umfang
4.1

Summary

Yu-Gi-Oh! Legacy of the Duelist: Link Evolution! ist für Fans des Kartenspiels ein Pflichtkauf. Aber auch Leute, die mit der Serie nichts am Hut haben, aber auf der Suche nach einem sehr guten und umfangreichen Kartenklopper sind, machen mit dem Switchremake überhaupt nichts falsch, denn das Spiel hat die nötige Tiefe, lässt sich schnell verstehen und leicht bedienen. Und für die hartgesottenen Profis gibt es auch noch einen Onlinemodus, der zwar leichte Problemchen hat, aber praktisch unbegrenzten Spielspaß ermöglicht.
Von mir gib es einen dicken Daumen hoch!

 

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