Slime Rancher für die PlayStation 4 im Review: Intergalaktische Glibber Aufzucht

© Monomi Park

Farmsimulationen haben irgendetwas sonderbar Anziehendes an sich – Als Genre haben sie eine lange Tradition, gelten heutzutage als Inbegriff der „Casual Games“ und haben offensichtlich eine breite Anhängerschaft hinter sich stehen.  Anders lässt sich der Erfolg von Reihen wie „Harvest Moon“, „Rune Factory“, „Stardew Valley“ aber eben auch die Fanbase der drölfmillionen Social Media-Games von Zynga a la Farmville und Konsorten, die zu ihren Spitzenzeiten bis zu 80 Millionen User zählten, nicht erklären. Was ist es? Die soziale Komponente, die häufig eine tragende Rolle in diesen Titeln spielt? Das meditative Anbauen und Abernten von Gemüse? Der ökonomische Aspekt der Spielmechanik? Oder liegt die Wurzel unserer Faszination tiefer und es ist die Sehnsucht nach ein wenig Archaik, dem Reiz des „Simple Lifes“? Mit „Slime Rancher“ ist im August letzten Jahres ein süßer, kleiner Titel vom kalifornischen Indie-Studio Monomi Park für PC und Xbox One erschienen, dem zuvor bereits eine durchaus erfolgreiche Early Access-Phase vorausging. Am 7. September erscheint der schleimige Spaß dann schließlich auch für die PlayStation 4 als Retail-Fassung und verbindet klassische Farmsimulation mit süßer, knuddeliger und anthropomorpher Schleim-Nutztierhaltung und Exploration in einer offenen Welt in der First Person-Perspektive. Ob uns dieses Konzept zu begeistern vermag, erfahrt ihr in dieser Besprechung.

© Monomi Park

FAR, FAR AWAY…

Wir spielen die junge Beatrix LeBeau – Eine ambitionierte Farmerin, die sich entschlossen hat eine Ranch weitab der irdischen Heimat zu betreiben. Diese Ranch befand sich zuvor im Besitz des legendären Slime Ranchers Hobson Twillgers, der aber unter ominösen Umständen verschwand und die Farm in diesem Zuge sich selbst überließ. Sie befindet sich rund 1000 Lichtjahre von der Erde entfernt, auf einem offiziell unbenannten Planeten, der lediglich als „Far, Far Range“ bezeichnet wird und mit seinen Ozeanen und einer atmungsaktiven Atmosphäre eine Vielzahl verschiedener Arten und Rassen von anthropomorphem Schleim beheimatet. Diese seltsamen Lebensformen wiederum, sondern bei Nahrungsaufnahme Exkremente namens Plorts ab, die auf der Erde als facettenreiche Ressource für eine breite Spanne an Produkten genutzt werden. Dementsprechend sind diese verschiedenartigen Plorts denkbar wertvoll und können auf dem Plort Market gegen bare Newbucks verkauft werden.

© Monomi Park

VAC NATION

Mit dem sogenannten VacPac, einer Mischung aus Kanone und Staubsauger, ähnlich der Gravity Gun aus Half Life 2 können sowohl die Schleime, als auch Nahrungsmittel, Plorts und Slime Science Ressourcen eingesogen werden und auf jeweils einen der vier internen Slots abgelegt werden. Das VacPac ist das zentrale Allzweck-Werkzeug, um mit der Welt in Slime Rancher zu interagieren. Bis zu zwanzig Einheiten eines Objektes können in einem Slot aufgenommen werden. Sowohl das Einfangen der wilden Glibber Kreaturen, als auch der gesamte Ackerbau wird statt mit Harke und Pflug mit dem VacPac erledigt. Es ist mitunter eine relativ frustrierende Angelegenheit mit dem Teil, weil man immer wieder alle möglichen Dinge einsaugt, mit denen man die limitierten Slots zumüllt. Hier wäre nur ein klein bisschen mehr Feintuning nötig, um den nervig-chaotischen Beigeschmack zu schmälern. Denkbar wären etwa aufrüstbare Upgrades, mit denen man bestimmte aufzusaugende Dinge filtern kann. Es ist grundsätzlich nichts, was sich nicht durch einen nachträglichen Patch ändern lassen könnte.

SCHLEIM ÖKOLOGIE

Bevor wir uns aber auf den Weg machen, um eine breite Masse an Schleimkreaturen zu domestizieren, müssen wir unsere Farm artgerecht gestalten. Wir können, die entsprechende Anzahl an Newbucks vorausgesetzt, Gehege bauen, in denen wir die Slimes ablegen. Während die anfänglichen pinken Slimes noch sehr pflegeleicht sind und lediglich das Basis-Gehege ohne nennenswerte Extras benötigen, sind andere Arten durchaus anspruchsvoller: Am Wasser lebende Schleime brauchen etwa entsprechende Teichanlagen, lichtempfindliche- oder nachtaktive Artgenossen hingegen Gehege mit entsprechend lichtundurchlässigen Überdachungen. Auch die Nahrungsaufnahme gestaltet sich zunehmend komplexer – Es gibt Allesfresser wie die pinken Schleime, reine Karnivoren, deren Hunger mit Hühnchen gestillt werden will (die auch herangezüchtet werden müssen), Pflanzenfresser und auch einige deutlich wählerische Vertreter. Die Plorts werden auch gerne verspeist (igitt!) – dabei sollten die Schleime primär nur Plorts zu sich nehmen, die sie selbst produziert haben. Nehmen sie andersfarbige Plorts auf, werden die puren Schleime zu sogenannten Largo Slimes. Diese sind wesentlich größer, schwieriger zu kontrollieren, produzieren dafür aber auch seltenere, und demnach auch wertvollere Plorts. Das kann für den geneigten Rancher ein ergiebiges Geschäft sein, kann aber auch durchaus zu chaotischen Verhältnissen führen. Typunkompatible Plorts bei Largo Slimes führen nämlich zu Mutationen mit eher negativen Auswirkungen. Dann nämlich werden die für sich friedliebenden Slimes zu sogenannten Tarrs – Aggressive Mutanten, die Beatrix attackieren, andere Slimes verspeisen und sich auf diese Weise dann auch reproduzieren. Dieses Phänomen nennt sich „Tarr Outbreak“. Da sie eine große Zerstörungskraft mit sich bringen und keine ergiebige Plortquelle sind, sollte man also tunlichst darauf achten, dass sich andersfarbige Slimes zumindest zu Beginn nicht ins Gehege kommen. Im Gegensatz zu puren Slimes, sind Largo Slimes übrigens zu groß für das VacPac. Es lässt sich daher nur ein Exemplar ansaugen und muss dann direkt zum Zielpunkt gebracht werden.

© Monomi Park

Diese Verhältnisse sind nicht nur auf der Ranch relevant, sondern gleichsam finden sich diese ökologischen und evolutionären Bedingungen auch in der Wildnis wieder. Dort trifft man auch auf einen weiteren feindlichen Typ Schleim: Der Feral Slime ist dem Rancher nicht sonderlich wohlgesonnen und attackiert ihn unmittelbar beim Anblick. Während Largo Slimes und Tarrs nicht zurück in ihre Ursprungsform zurückverwandelt werden können, benötigt ein Feral Slime lediglich Nahrung, um wieder handzahm zu werden. Der Schwierigkeitsgrad ist dabei nicht sonderlich hoch: Die Gefahr, beim Erkunden der Welt K.O. zu gehen ist relativ unwahrscheinlich. Im Zweifelsfall kann man gerade zu Beginn auch einfach abhauen. Sollte es dennoch mal zu einem Ableben kommen, gibt es keine nennenswerten Konsequenzen, außer dass man die Ressourcen verliert, die man bei sich hatte.

Generell: Die Ökologie ist durchaus facettenreich, aber eher basal. Das heißt, unabhängig von ein paar bestimmten Faktoren wie Nahrungspräferenzen, kreuzbaren Arten und der Behausungsart, müssen wir uns nicht mit sonderlich komplexen Wechselwirkungen herumschlagen. Das macht die ganze Geschichte auch eher repetitiv, wirkt als Spielprinzip trotzdem seltsam befriedigend. Es ist einer sehr „casual“-orientierte Art von Spiel, die nicht unbedingt fordert, aber auch fortgeschrittene Spieler*Innen mit dem ruhigen, beinahe meditativen Pacing bei der Stange hält. Cool wäre dennoch auch irgendwo ein Survival-Modus, der alles ein wenig härter macht und ein bisschen mehr Stress- und Adrenalin und eine Portion Unberechenbarkeit in den Rancher-Alltag bringt. Vielleicht wird so ein Modus in ähnlicher Form ja irgendwann nachgereicht, zumal er eventuell auch ein wenig mehr Tiefe ins Spielprinzip bringen würde. Grundsätzlich existieren ja drei unterschiedliche Modi, namentlich „Abenteuer“, „Casual“ und „Hast“, die auf dem Papier genau die angesprochenen Schwerpunkte ansprechen sollen. Allerdings zeigt sich auch der „Abenteuer“-Modus weniger abenteuerlich, als vielmehr tiefenentspannt.

FREI BEGEHBARE WELT IN PUTZIGER OPTIK

Die Map, über die wir uns bewegen, ist dabei relativ groß und frei begehbar und besteht aus mehreren Territorien, die unterschiedliche Voraussetzungen für die Slimes mitbringen. Dabei bewegen wir uns durchgehend in der Ego-Perspektive durch sie hindurch. Wir wandern an Küstenabschnitten entlang, durch dunkle Höhlen, gebirgige Regionen und durch recht fruchtbare Gebiete. Die Areale orientieren sich an den Jahreszeiten und beherbergen auch ab und an kleinere Puzzles im Metroidvania-Style. So bleiben uns bestimmte Areale etwa vorbehalten, solange wir nicht bestimmte Tools mitbringen. Ein später verfügbares Jetpack erlaubt uns dann zum Beispiel das Erklimmen bislang unerreichbarer Areale. Das Weltdesign fällt dabei tatsächlich liebevoll und durchaus clever aus. Obwohl weitgehend nur von Slimes bewohnt, deren KI jetzt nicht ultimativ clever ist, fühlt sie sich doch recht lebendig an und lädt zum Erkunden ein. Das von Unity befeuerte Art Design der Welt mutet simpel, aber recht hübsch an – Alles wirkt recht rundlich, strahlt einen putzigen Charme aus und kommt in knalligen Farben daher. Es passt also wunderbar zur casual-Zielgruppe und eignet sich auch für jüngere Spieler*Innen. Gleiches gilt für die durchaus hochwertige Soundkulisse, die mit ihren eingängigen und schön arrangierten Feel Good-Tunes an etwaige Nintendo-Titel erinnert und was sehr Warmherziges für sich hat, in passenden Momenten aber auch treibend und dramatisch kann. Sprachausgabe durch NPCs gibt es übrigens keine, lediglich die quirligen Laute, welche die Schleime von sich geben.

© Monomi Park

Die PlayStation 4-Fassung ist dabei ein grundsolider Port, der sich nicht sonderlich von den anderen Fassungen unterscheidet, weder im Positiven, noch im negativen Sinne. Hatte die Xbox One-Fassung letztes Jahr noch mit technischen Problemen wie Tearing und deutlich wahrnehmbare Framerate-Einbrüchen bei hoher Slime-Population zu kämpfen, wurden diese Probleme in der PlayStation 4-Fassung weitgehend ad acta gelegt. Es gibt zwar auch hier ab und an ein paar Slowdowns, aber nie in derart gravierendem Umfang, als dass es das Spielerlebnis merklich beeinträchtigt. Exklusiv der PlayStation 4-Retail Fassung vorbehalten sind das Slimepedia-Booklet, sowie der Downloadcode für den offiziellen Soundtrack.

Fazit:

Monomi Park ist mit Slime Rancher ein charmanter Indie-Titel mit niedlichen Art Design gelungen, der mit seinen PC- und Xbox One-Ablegern bereits einige wohlverdiente Erfolge verbuchen konnte. Und natürlich ändert auch die seit Freitag erhältliche PlayStation 4-Fassung nichts am putzigen Erfolgsrezept. Die Mischung aus Schleimzucht, Farm-Management und Exploration der durchaus großen und lebendigen Spielwelt motiviert viele Stunden lang, und hat was wunderbar Befriedigendes an sich. Langfristig aber ist die Schleimzucht ein wenig zu banal geraten und vertrüge gerne ein wenig mehr Tiefe und Komplexität. Gerade weil sich die Strategien und Prinzipien auch bei selteneren Schleimen gleichen, stellt sich irgendwann ein repetitiver und monotoner Spielrhythmus ein. Auch kleinere Mankos wie das störrische VacPac, das hemmungslos alles einsaugt, was dem Gerät in die Quere kommt, trüben den Spielfluss ein wenig. Hier könnte man ggf. via Patch noch ein wenig nachjustieren. Alles in allem ist Slime Rancher aber ein schönes Indie-Kleinod, das man sich durchaus zu Gemüte führen kann.

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  • Geschichte
  • Inszenierung/Regie
  • Grafik
  • Soundtrack
  • Pacing
  • Spielmechanik
  • Online/Spielmechanik
  • Umfang
3.1

Kurzfassung

Monomi Park ist mit Slime Rancher ein charmanter Indie-Titel mit niedlichen Art Design gelungen, der mit seinen PC- und Xbox One-Ablegern bereits einige wohlverdiente Erfolge verbuchen konnte. Und natürlich ändert auch die seit Freitag erhältliche PlayStation 4-Fassung nichts am putzigen Erfolgsrezept. Die Mischung aus Schleimzucht, Farm-Management und Exploration der durchaus großen und lebendigen Spielwelt motiviert viele Stunden lang, und hat was wunderbar Befriedigendes an sich. Langfristig aber ist die Schleimzucht ein wenig zu banal geraten und vertrüge gerne ein wenig mehr Tiefe und Komplexität. Gerade weil sich die Strategien und Prinzipien auch bei selteneren Schleimen gleichen, stellt sich irgendwann ein repetitiver und monotoner Spielrhythmus ein. Auch kleinere Mankos wie das störrische VacPac, das hemmungslos alles einsaugt, was dem Gerät in die Quere kommt, trüben den Spielfluss ein wenig. Hier könnte man ggf. via Patch noch ein wenig nachjustieren. Alles in allem ist Slime Rancher aber ein schönes Indie-Kleinod, das man sich durchaus zu Gemüte führen kann.

Über Martin Pilot 322 Artikel
27 Jahre jung, beschäftige ich mich schon nahezu mein ganzes Leben mit Videospielen und Videospielkultur. Erstmals in Kontakt gekommen mit dem Medium bin ich Anfang der 90er Jahre mit einem Commodore 64 von der Resterampe, wo ich ausgiebig Giana Sisters und die Turrican-Umsetzungen suchtete und immer ein bisschen neidisch zu den Amiga-Besitzern rübergeschielt habe. Mitte bis Ende der 90er Jahre war ich vordergründig im Sega-Lager unterwegs - Bis heute ist die Sega Dreamcast meine liebste Plattform (Shenmue *hrhr*). Ich studiere darüber hinaus Englisch und Geschichte auf Lehramt und bin von meinen Interessen generell sehr auf die Darstellenden Künste fokussiert (Musik/Film/Theater).

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