Spiele Review: Blazing Chrome auf Playstation 4

© JoyMasher

Aus Brasilien kommt ein neues Spiel von JoyMasher, die bekannt für ihre Old-School-Spiele sind. Diesmal geht es aber nicht um Spukschlösser oder Ninjas  – dieses mal hat sich das brasilianische Studio dem Run’nGun-Genre angenommen und lässt die glorreiche 16-Bit-Zeit mit Blazing Chrome wieder aufleben, oder?

JoyMasher kann die Inspirationen nie wirklich bei seinen Spielen verbergen: Oniken erinnert an die ersten Ninja Gaiden-Spiele, während Odallus: The Dark Call seine Wurzeln eindeutig bei Castlevania hat. Damit zeigen die Entwickler, wie stark sie die Games der 90er Jahre mögen. Trotzdem zeigen sie eine gewisse Meisterleistung, dieses Retrofeeling aus einer anderen Zeit in das Heute zu übernehmen. Mit Blazing Chrome bringen sie eine Hommage an die Side-Shooter, wir Contra/Gryzor/Propotector oder Metal Slug. So ein Spiel, mit Pixelgrafik und einfachem Spielprinzip auf die jetzigen Konsolen zu bringen ist doch einfach, meint man. Aber, ist es das wirklich?

Super Metal Slug Probotector

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Blazing Chrome startet seine Show mit einer Post-Apo/Science-Fiction-Geschichte, die alle Terminator-Fans aufjubeln lässt: zerstörte Welt, katastrophales Wetter, Alien-Invasionen und ein rothaarige Roboter-Punk Mohawk. Man wird sofort an einige Spiele der Ära SNES/Mega Drive/NeoGeo erinnert. Mit ruckliger verpixelter Grafik zeigt sich Blazing Chrome in einem damals beliebten visuellen Stil, der direkt aus Contra III, Super Turrican oder R-Type stammen könnte. JoyMasher schafft es, die dunkle schmutzige Zeit der dystopischen Science-Fiction-Spiele und -Filme mit geringe Mitteln auf den heimischen Bildschirm zu bringen. Mit verweisen auf Axelay und Gradius zeigt das Spiel, was Shooter im Run’n’Gun-Gewand so beliebt gemacht hat.

Ich kenne das doch, irgendwie

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Die Frage sei gestattet: wo ist die Grenze vom Tribut zum Plagiat überschritten? Irgendwie schaffen es die Entwickler sich genau zwischen diesen Grenzen zu bewegen. Einige Spieler werden diesen Grenzweg nicht so zufrieden stellend finden, da eine persönliche Note zu fehlen scheint. Das ist aber nicht weiter störend, im Gegensatz zur eingeschränkten Farbpalette. Obwohl die Level sehr unterschiedlich sind, werden die Farben nicht so eingesetzt, wie man es sich vielleicht wünscht, um jeder dieser Ebenen eine eigene Persönlichkeit zu geben. Trotzdem schafft es Blazing Chrome mit seiner Ästhetik die Zeiten der verrückten Retro-Ära wiederzubeleben. Mit Bang und Kaboom ist es hübsch und gut anzusehen, könnte aber noch hier und da ein bisschen mehr vertragen.

Mal hier Schießen, mal da Springen – reicht das, für ein gutes Gameplay?

Also, das Spiel schaut nett aus, aber was bringt es, wenn man es spielt? Ironischerweise, sehr viel. Man findet alles, was man bei Games dieser Art erwartet, ohne irgendwelche Neuigkeiten hinzu zu fügen. Nachdem man sich über das Entdecken und Erforschen der Ebenen gefreut hat, erkennt man aber doch einige kleine Fehler, die nervig sein können. Blazing Chrome verzeiht aber keine, und so bringt stupide Auswendiglernen von Gegnerformationen hier gar nicht viel.

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Das neue Spiel von JoyMasher ist in vielem jeden Run’n’Gun ähnlich: Rennen, Springen, an Schienen hängen, in alle acht Richtungen schießen und verschiedenen Waffentypen ausprobieren. So bekommt der Protagonist (man kann am Anfang wählen, ob eine weibliche Soldatin, oder der Indianer-Roboter) regelmäßig Container mit Boni oder neuen Waffen. So kann sich ein kleiner Roboter manifestieren, der die Feinde seinerseits mit Munition beharckt. Manchmal muss man die angebotenen Bonusgegenstände nutzen, um weiter zu kommen, denn sie können auch explosive Überraschungen enthalten.

So vorbereitet durläuft der Spieler die vier Grundstufen und, sobald diese geschafft sind, die letzte fünfte. Leider sind die Level ziemlich kurz, aber der Schwierigkeitsgrad sollte selbst den erfahrensten Spielern einiges abverlangen. Okay – es gibt drei Schwierigkeitsstufen, die sich aber nur in der Anzahl der verfügbaren Leben unterscheiden. Man sei hiermit gewarnt!

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Die Basiswaffe selbst ist durch ihre Hochgeschwindigkeitsmunition äußerst effektiv gegen… nun ja  fast alles. Hier hätte JoyMasher ihr Talent besser einsetzen sollen, die Zusammenstöße zwischen Held und Feinden besser zu variieren. Auch wenn man sich von Dach zu Dach hangelt oder an Bord eines Mechs durch die Ruinen einer kriegszerrütteten Stadt kämpft – es werden Unmengen von Angreifern dem Spieler entgegen geworfen. Man muss schon selber herausfinden, ob man diese berühren darf, oder aus sicherer Entfernung abballern muss. Im Endeffekt spielt das aber kaum eine Rolle. Mit frohem Herzen kämpft sich der Held von Bildschirm zu Bildschirm und man freut sich darauf, was als nächstes kommt. Blazing Chrome schafft es, trotz extrem hoher Schwierigkeit, den Wunsch des Spielers zu erwecken, wissen zu wollen, was als nächstes kommt.

Autsch… da sind ja doch Fehler

Ja, im Design haben die Leute von JoyMasher einige Schnitzer hingelegt. So ist das schlecht kalkulierte Timing der Feinde und die unkorrekte Kollisionsabfrage bei den diagonalen Plattformern doch sehr ärgerlich. Besonders bei dem Letzten ist es schwierig, bei einem Spiel bei dem man sich „nur“ in acht Richtungen bewegen, bzw. schießen kann, zu zielen und zu treffen. Eine weitere Panne, ist das Design einiger Feinde, einschließlich derer, die als Crawler bezeichnet werden, tierisch aussehende Kreaturen, die auf allen Vieren auf den Spieler zugehen. Dieser kleine Schmutz ist zu niedrig, um im Stehen beschossen zu werden. Man muss sich also hinlegen, um sie zu vernichten und in manchen Situationen ist es nicht weit davon entfernt, unmöglich zu sein. Ein Angriff aus der Luft? Einige Feinde neigen dazu  genau das zu vermeiden, indem sie sich umdrehen, wenn man genau über ihnen ist. Wer sich also auf sie stürzt, bekommt als Ergebnis einen sofortigen Tod. Das ist ein wirklich nerviges Verhalten, insbesondere  wenn man sich gerade in einem hitzigen Gefecht befindet.

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  • Grafik
  • Story
  • Gameplay
  • Sound
3.6

Eine angenehme, aber unvollkommene Retro-Reise

Mit seiner post-apo Ästhetik, entlehnt an Terminator und Contra, und würdig einem Super Turrican, ist Blazing Chrome eine Hommage an das Genre Run’n’Gun, und könnte damit zu den größten Spielen dieser Tradition zählen. Dem Titel fehlt jedoch ein bisschen Identität und auch wenn das Spiel wirklich Spaß macht, ist es durch ein paar Designfehler gekennzeichnet, die es manchmal frustrierend machen können. Aber wenn wer das Genre mag oder einfach nur nostalgisch ist, hat mit Blazing Chrome eine schöne Zeitreise.

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