CD Projekt RED: The Witcher-Autor Andrzej Sapkowski fordert nachträgliche Lizenzabgaben

© CD Projekt RED

Das Warschauer Entwicklungsstudio CD Projekt Red, die Köpfe hinter der The Witcher-Videospielreihe, hat gestern eine Zahlungsforderung von Andrzej Sapkowski, dem Schriftsteller hinter der The Witcher-Romanvorlage (im Polnischen „Wiedźmin“) erhalten. In dem Schreiben fordert Sapkowski 60 Millionen Zloty an nachträglichen Lizenzgebühren für die Nutzung der Marke. Das entspricht einem Wert von etwa 14 Mio. Euro.

Bereits vor einem Jahr hat sich der Autor der Witcher-Bücher frustriert zu dem Umstand geäußert, dass er sämtliche Rechte an der Reihe in einem Rutsch habe abgetreten. Zugleich zeigte er sich im Gespräch mit Eurogamer frustriert darüber, dass seine Bücher nicht die Anerkennung erhielten, die sie verdienten und im Ausland gar mit dem Artwork der Spiele auf dem Cover erschienen. Dabei habe ihm CD Projekt RED damals sogar eine prozentuale Gewinnbeteiligung angeboten, die er ablehnte, weil er nicht an den Erfolg des damals für ihn unbekannten und uninteressanten Mediums geglaubt habe.

„Ich war dumm genug, alles in ihrer Hand [CD Projekt Red] zu lassen, da ich nicht an ihren Erfolg geglaubt hatte. Aber wer hätte diesen Erfolg vorhersehen können? Ich nicht.“

CD Projekt RED hat in der Zwischenzeit das eingegangene Schreiben veröffentlicht. Darin erklären die Anwälte von Sapkowski, dass die bestehenden Lizenzverträge zwischen dem Autor und dem Entwicklerstudio „diese nicht wirksam von zukünftigen Ansprüchen des Autors befreien könnten“ (und zwar auch, wenn sie die entsprechenden Klauseln enthalten). Die Anwälte verweisen in diesem Zusammenhang auf Artikel 44 des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte, wonach „die mit der Nutzung eines Werkes verbundenen üblichen Lizenzgebühren, insbesondere bei Anpassungen, etwa 5 bis 15 Prozent der erzielten Gewinne ausmachen können“. Im Falle von The Witcher verlangen die Anwälte Sapkowskis, dass der Schriftsteller mindestens 6 Prozent der erzielten Gewinne erhalten solle. Darüber hinaus wird auch hingedeutet, dass die Lizenzbestimmungen so ausgelegt werden könnten, dass der Autor dem Studio damals lediglich die Rechte an einem ersten The Witcher-Spiel verkauft habe.

CD Projekt RED weisen die Forderungen recht vehement zurück, unter Verweis auf die ursprünglichen Lizenzvereinbarungen: „Nach Ansicht des Unternehmens sind die in der Bekanntmachung zum Ausdruck gebrachten Forderungen sowohl in Bezug auf ihre Begründetheit als auch auf den vereinbarten Betrag unbegründet. Die Gesellschaft hat ein legitimes und rechtmäßig erworbenes Urheberrecht an den Werken von Herrn Andrzej Sapkowski, u. a. soweit es für die Verwendung in von der Gesellschaft entwickelten Spielen erforderlich ist. Alle Verbindlichkeiten, die die Gesellschaft in diesem Zusammenhang zu zahlen hat, wurden ordnungsgemäß erfüllt“ (Quelle: PC Gamer via 4players)

Man bemühe sich dennoch um eine „gütliche Einigung“ in dieser Sache: „Eine solche Lösung muss jedoch die zuvor geäußerten Absichten beider Parteien sowie bestehende Verträge respektieren.“

Derzeit arbeiten CD Projekt RED an dem Sci-Fi Rollenspiel Cyberpunk 2077. Der nächste Titel, der im The Witcher-Universum geplant ist, ist die GWENT-Solokampagne Thronebreaker: The Witcher Tales, für die es allerdings noch keinen Releasetermin gibt.

Über Martin Pilot 224 Artikel
27 Jahre jung, beschäftige ich mich schon nahezu mein ganzes Leben mit Videospielen und Videospielkultur. Erstmals in Kontakt gekommen mit dem Medium bin ich Anfang der 90er Jahre mit einem Commodore 64 von der Resterampe, wo ich ausgiebig Giana Sisters und die Turrican-Umsetzungen suchtete und immer ein bisschen neidisch zu den Amiga-Besitzern rübergeschielt habe. Mitte bis Ende der 90er Jahre war ich vordergründig im Sega-Lager unterwegs - Bis heute ist die Sega Dreamcast meine liebste Plattform (Shenmue *hrhr*). Ich studiere darüber hinaus Englisch und Geschichte auf Lehramt und bin von meinen Interessen generell sehr auf die Darstellenden Künste fokussiert (Musik/Film/Theater).

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