Wolcen: Lords of Mayhem für den PC im Review: Konkurrenz für Diablo & Path of Exiles?

©Wolcen Studio

Wolcen: Lords of Mayhem ist ein Indiespiel nach allen Regeln der Kunst, aber nicht nur wegen der klasse Optik machte das Spiel schon in seiner Betaphase auf sich aufmerksam. Ob aus dem Action-RPG tatsächlich Konkurrenz für andere Genregrößen wie Diablo und Path of Exiles geworden ist, erfahrt ihr bei uns:

Dunkel, mysteriös, austauschbar – Die Kampagne

In Wolcen schlüpft ihr in die Haut eines selbstgestalteten Charakters, der Teil eines militärischen Ordens ist, der sich dem Kampf gegen Magie verschworen hat. Gekleidet in Rüstungen, die zu fast zur Hälfte aus Schultern bestehen und so die Warcraft und Warhammer-Jünger jauchzen lassen, macht sich besagter Orden auf in den Kampf gegen eine noch unbekannte Bedrohung, die sich ziemlich schnell als dämonische Invasion entpuppt. Und weil das Spiel sonst langweilig wäre, entpuppt sich der eigene Recke auch als magiekundig und verwandelt sich in einen gewaltigen Halbgott des Krieges. Natürlich gerät man so zwischen die Fronten, denn Magier kommen bei der eigenen Fraktion gar nicht gut an. Ob der Held die Welt retten kann und ob es einen völlig vorhersehbaren Plottwist im Laufe der Kampagne geben wird, erfahrt ihr im linearen Verlauf der Geschichte, die euch durch zahlreiche, unterschiedliche Gebiete und drei Akte führt.

Wolcen: Lords of Mayhem fährt inszenatorisch gleich große Geschütze auf und kann sich so von der eher drögen Inszenierung Path of Exiles absetzen. Klar, der Übermenschenstart hat wenig Wiederspielwert, beim ersten Mal kracht das Ganze aber ganz schön! Und ohnehin ist die Geschichte in diesem Genre selten mehr als schmückendes Beiwerk. Actionrollenspiele wie Wolcen leben vom Fieslinge anclicken und Werte verbessern!

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Point & Click – Das Gameplay

Deutlich weniger linear läuft das eigentliche Gameplay, denn man wählt zwar anfangs zwischen drei vermeintlichen Optionen, fixe Charakterklassen gibt es in Wolcen aber überhaupt nicht. Bock auf Magie? Pack halt die Axt weg und leg los! Lieber Schwert und Pistole? Alles eine Frage der Ausrüstung.

Dabei ist das Spielprinzip simpel, wie genial. Ihr lauft durch labyrinthartige Level und trefft dort auf zahlreiche Gegner. Die klatscht ihr mittels eurer Fähigkeiten weg und erhaltet im Gegenzug dafür vor allem Erfahrungspunkte, Gold und Gegenstände. So einfach, so süchtig-machend.

Erhält man nach dem Prolog seinen ersten Levelaufstieg wird es auf jeden Fall interessant, denn hier wird man gleich mit zwei Fenstern belohnt, die es in sich haben. Neben der Steigerung der 4 Haupattribute, die festlegen wie effektiv man Zaubert oder wie stark man draufhaut, gibt es auch ein gewaltiges Brett mit passiven Fertigkeiten. Das erinnert schnell an Path of Exiles, ist aber glücklicherweise nicht ganz so komplex. Wobei PoE in Sachen Komplexität natürlich ein ganz eigenes Ding fährt… Aber zurück zu Wolcen. Hier wählt ihr, nach Farben sortiert in einem Gitternetz die Punkte, die eurem Wunschbuild am ehesten entsprechen und hangelt euch dann durch das Geflecht hin zu den großen Nodes, die euch mit mehr oder weniger passiven Spezialfähigkeiten ausstatten. Die sind natürlich frei kombinierbar; zusätzliche Tiefe bietet die Möglichkeit Teile des Bretts in sich weiterzudrehen um so neue Wege innerhalb des Netztes freizulegen. Klingt kompliziert und das ist es auch. Für Spieler, die nur die Kampagne durchspielen wollen gibt es hier dann auch Entwarnung: Man kommt durch das Abenteuer durch, wenn man sich nicht absichtlich zu schlechten Entscheidungen zwingt. Profis haben es aber vermutlich leichter.

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Aktive Fähigkeiten findet ihr übrigens in der Welt oder bei Händlern. Auch hier verhält sich das ganze ein bisschen wie bei Path of Exiles, hat aber auch eine gehörige Prise aus Diablo 3. Die Fähigkeiten werden, wie andere Items auch, entweder in der Welt gefunden oder beim örtlichen Händler gekauft. Theoretisch kann jeder Spieler alle Fähigkeiten benutzen, aber da sie alle auf bestimmte Waffentypen begrenzt sind, engt man die Auswahl dann doch recht zügig ein. Die Fähigkeiten erinnern dabei eigentlich alle an die Fähigkeiten der anderen Genrevertreter, so ist also vom Teleport zum Schwerttornado alles dabei. Diese Fähigkeiten können im Verlauf auch an Erfahrung dazugewinnen und schalten dann neue Attribute frei. So kann der magische Schild beispielsweise mit genügend Erfahrung auch Schaden reflektieren. Das coole daran ist, dass man sich dabei nicht final festlegen muss, die angesammelten Skillpunkte für die jeweilige Fähigkeit kann man nämlich jederzeit umverteilen.

So weit ist alles eigentlich nur ein feiner Eintopf aus altbekanntem, aber Wolcen trumpft mit zwei eigenständigen Features auf.

Zum einen ist die Mobility im Spiel sehr hoch, was zu einem sehr dynamischen Kampferlebnis führt. Nahkampfangriffe ziehen den Spieler von Haus aus direkt an den Gegner dran, so dass man als Barbar munter ins Gefecht stürzen kann und sollte es darin zu heiß werden, können alle Helden auch mittels Hechtrollen flüchten. Das sorgt neben dem fetziger Stimmung auch dafür, dass gerade Bosskämpfe auch auf Micromanagement achten, denn wo man steht oder wann man ausweicht kann schnell über leben und Tod entscheiden, denn Wolcen kann auch mal knifflig sein!

Und wenn das alles scheitert, gibt es noch die Möglichkeit sich in die Primordial Form zu begeben. Damit kann man sich in einen von 4 Dämonen verwandeln, die eigene Stärken und Schwächen haben. Da ist vom engelsgleichen Rüstungstypen mit Schild bis zum Dämon mit Armklingen einiges dabei, was den Dämonen schnell zeigt, wer hier die Hose an hat.

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Das ist ein Indiegame? Technik im Check

Die Technik in Wolcen ist ein zweischneidiges Schwert. Wenn es läuft, dann haben wir es hier mit dem Genreprimus in Sachen Technik zu tun. Das Spiel hat eine super Grafik, gerade die Masse an Gegnern macht echt was her! Dazu verwenden die Macher vergleichsweise kreative Designs bei Monstern, Rüstungen und Waffen, die sich an der Warcraft-Ästhetik, die auch schon bei Diablo 3 zum guten Ton gehörte, orientiert. Fans von großen Schultern und überlebensgroßen Waffen kommen in Wolcen voll auf ihre Kosten! Noch dazu sind einmal aufgehobene Gegenstände gleichzeitig auch Skins, die für andere Gegenstände genutzt werden können, der Individualisierung sind also kaum Grenzen gesetzt!

Schön ist auch das Sounddesign, die Musik ist epochal und trägt die Stimmung ganz wunderbar mit, gerade in Kämpfen kommt so Laune auf. Zwar bewegen sich die Lippen der Sprecher nur selten und der eigene Charakter erscheint in Dialogfenster nur als eigenartige Schattengestalt, aber dafür ist er voll vertont und hat auch mal etwas zu sagen. Die Geschichte ist zwar kein Kaufgrund, wird aber wunderbar, auch durch Videos in der schönen Ingamegrafik, erzählt.

Aber über Wolcen hängt nunmal auch ein großes Baustellenschild. Das Spiel war schon seit rund 4 Jahren in einem Early Access Build, hätte also eigentlich hinreichend getestet werden können. Ist es aber scheinbar nicht, denn gerade der Launch grenzte an eine Katastrophe und das muss im Rahmen einer Rezension thematisiert werden. Wenn Vollpreisspiele auch Tage nach Release nicht richtig gespielt werden können, weil es Bugs und zu wenig Server gibt, dann ist das ein Schnitzer. Klar, man kann beobachten, wie das Spiel von Tag zu Tag besser wird, aber das ganze Leid hätte man sich sparen können, hätte man noch einen Monat gewartet. Dann wäre Wolcen ohne das Geschmäckle der fürchterlichen Steam-Reviews davongekommen und wäre, vollkommen zu Recht, als großer Action-RPG Hit gefeiert worden!

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Wolcen [PC]

  • Kampagne
  • Grafik
  • Technik
  • Gameplay
3.8

Summary

Wolcen: Lords of Mayhem ist eigentlich ein gutes Spiel. Aber ganz leicht sieht man um die ursprünglichen Technikprobleme halt auch nicht hinweg, unabhängig davon, ob das Wolcen Team selber verantwortlich für das Launch-Fiasco ist oder ob es am Druck vom Publisher lag, aber so darf ein Vollpreisspiel nicht released werden. Das wurde schon bei Diablo 3 bemängelt, aber das ist ziemlich sicher nicht das Vorbild, dass man sich als Entwickler nehmen sollte.

Aber Fakt ist halt auch, dass das Spiel funktioniert, wenn es funktioniert und seit dem Release wurde auch fleißig daran geschraubt. Fans von Diablo, die sich von Path of Exile eingeschüchtert fühlen, finden hier tatsächlich ein Spiel, das diese Nische abdeckt. Ob das Endgame auch dauerhaft überzeugt, wird die Zeit zeigen, das ist leider ein Prozess der Monate dauern kann und im Rahmen dieser Rezension nur angerissen werden kann.

Bis die krassen Technikschnitzer endgültig beseitigt sind, bin ich mit einer Kaufempfehlung noch etwas vorsichtig, aber das Potential ist da und Wolcen wird auch ein gutes Spiel sein, Käufer sollten aber eindeutig keine Betatester sein!

 

 

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