Xcom: Chimera Squad für den PC im Review: SWAT Teams für die Alieninvasion

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Xcom ist vermutlich der Referenztitel im Rundenstrategie-Genre und erhielt im April überraschend mit Chimera Squad einen stand-alone Spin-Off-Ableger. Ob der taugt, erfahrt ihr in unserer Rezension!

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Schon wieder ein Retcon?

Wie so oft, spielen die Ergebnisse des Spielers bei der Handlung von Xcom Nachfolgern eine untergeordnete Rolle, so dass Chimera Squad in einer Art Alternativuniversum spielt, bei dem die Aliens weder vertrieben wurden noch die Menschheit unterjochten, sondern in die Gesellschaft integriert wurden.

Und da es hier keinen planetenweiten Widerstand mehr braucht, sinkt auch die Scale der Xcom Operation. Statt mit dutzenden Soldaten und riesigen Basen gegen einen unbekannten Feind zu kämpfen, dreht sich die Handlung um das Chimera Squad, das erste offizielle Team in dem sowohl Menschen, als auch Aliens und ihre Hybriden miteinander dienen um eine kriminelle Organisation und deren Auswirkungen auf das Befinden der Stadt in ihre Schranken zu weisen.

Als Spieler ist man somit nicht mehr der letzte General, der noch Widerstand gegen die Aliens leisten kann, sondern eine Art Polizeichef, der über eine handvoll Distrikte seiner Stadt City 31 wachen muss. Als Aufhänger der Geschichte dient ein Attentat auf die Bürgermeisterin Nightingale. Für diesen Anschlag kommen nämlich drei unterschiedliche, kriminelle Organisationen in Frage, denen man in beliebiger Reihenfolge nachsetzt, um die Verschwörung aufzudecken.

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Xcom 2.5 trotz fehlendem Basenbau?

Xcom Veteranen finden sich in der Welt von Chimera Squad sofort zurecht. Das Interface folgt dem der Vorgänger, auch die Grafik, Steuerung und Kamera ähneln dem Vorgängerspiel sehr genau. Wie gewohnt ist auch Chimera Squad ein rundenbasiertes Taktikspiel, bei dem man in zwei Ebenen agiert. Aber nicht alles ist gleich, denn als Spin-Off wagen die Entwickler in Chimera Squad größere Experimente als in ihren Hauptspielen.

Zum einen gibt es die Basis, in der man nicht nur Soldaten trainiert, mit allerlei Waffen und Rüstungen ausstattet oder nach neuer Ausrüstung forscht, sondern auch auf einer Karte der Stadt die Übersicht über die sich ausbreitende Anarchie in der Stadt erhält. Und weil zugucken langweilig wäre, kann man hier auch aktiv etwas gegen das Chaos unternehmen, indem man sich die passenden Missionen auspickt und so an Geld, Forschungsetats oder Informationen gelangt, um den Mord an der Bürgermeisterin aufzudecken und gleichzeitig die organisierte Kriminalität im Schach zu halten. Die ganze Basen-Phase wurde im Vergleich zu den Vorgängern deutlich gestreamlined und entschlackt, so muss man sich um Mikromanagement, wie das ideele platzieren von Räumen nicht mehr kümmern, da die Polizeistation budgetbedingt genauso bleibt, wie sie ist. Ebenso muss man auch nicht besonders auf das Verhältnis zwischen Rekruten, Wissenschaftlern und Ingenieuren achten, da die eigenen Commandotruppen die Jobs gleich selbst übernehmen. So verzettelt man sich nicht und kann auch schneller zu den gewünschten Ergebnissen kommen. Zur Base gehören neben den spielentscheidenden Entscheidungen, die man hier trifft aber auch kleinere Storyhappen, denn die Charaktere unterhalten sich miteinander und geben auch mal ein paar Späßchen zum besten. So ist der Kampf zwar bitterer Ernst, aber sich am mitgebrachten Essen der Crew zu bedienen ist für manche Helden eben Teil des Jobs, als Spieler genießt man das freundschaftliche Geplänkel.

Wo wir schon bei den Charakteren sind, hier liegt die nächste große Änderung zu den Vorgängern! Die eigenen Truppen kann man nämlich nicht mehr selbst erstellen, sondern greift auf ein Roster von vorgefertigten Charakteren zu. Für viele mag das ein Kritikpunkt sein, aber die Helden des Spiels bringen alle einzigartige Erscheinungen, einen eigenen Charakter und spezielle Fähigkeiten mit, die an die Klassen des Vorgängers erinnern. Da man sich die Helden nach und nach aussucht und seiner Gruppe hinzufügt, fehlt zumindest mir das Feature der Vorgänger nicht mehr. Auch können die Charaktere nicht mehr sterben, denn wenn die eigenen Soldaten ins Gras beißen, gilt die Mission als gescheitert. Auch da werden Veteranen sicherlich etwas zu mäkeln haben, aber Chimera Squad ist dennoch kein leichtes Spiel! Zumal man die gefallenen Helden stabilisieren muss und sie für den nächsten Spielabschnitt auch nicht zur Verfügung stehen. Hat man ein stabiles Budget, kann für die Mission ein Roboter zum Ersatz miteinsteigen, diese sind modular ausbaufähig, haben aber nicht die selbe Tiefe wie die humanoiden Helden.

Ressourcen sind dabei genretypisch rar gesät, Elerium, Intel und Credits erhält man entweder durch die Verteilung von Agententrupps in der Stadt, als Belohnung für eine Mission oder erhält sie im Kampf, den Gegner kann man auch festnehmen und so zum Plaudern bringen.

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Encounterbasierte Missionen

Durch den kleineren Fokus der Kampagne spielen sich die eigenen Einheiten mehr wie eine Swat-Einheit, als das Militär und das spiegelt das Gameplay auch durch zwei Neuerungen wider.

Die größte Neuerung ist mit Sicherheit der Breach Mode. Statt einfach auf der Karte herausgeworfen zu werden oder sich erst eine volle Runde lang an Gegner heranzuschleichen, wie in Xcom 2, nutzen die eigenen Truppen stets ihren Überraschunsmoment. Man beginnt jeden Encounter an verschiedenen Arten von Zugängen, die auch unterschiedliche Vor- und Nachteile bieten und muss so am Anfang erst seine Soldaten mit ihren jeweiligen Fähigkeiten möglichst effektiv einsetzen. Ist man mit seinem Setup zufrieden beginnt der  Zugriff in einer nett animierten Sequenz dürfen die eigenen Truppen  das selbstverursachte Chaos nutzen um wichtige Ziele schon direkt vorzuknöpfen. Danach beginnt der gewohnte Rundenstrategieteil, den man aus der Serie kennt. Alle Einheiten haben grundsätzlich zwei Aktionen, die sie zum umpositionieren, in Deckung gehen oder angreifen nutzen können. Und damit man auch weiß, wer als nächstes dran ist, gibt es obendrauf ein neues Initiativesystem. Statt wie bisher immer alle Spielerfiguren, dann alle NPCs abzuwickeln wird das Gefecht mit einer durchmischten Initiative gespielt. Das macht die Gefechte intensiver und macht auch Platz für neue Fähigkeiten, die beispielsweise durch Sperrfeuer die Initiativereihenfolge manipulieren.

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  • Kampagne
  • Grafik
  • Technik
  • Gameplay
4.1

Summary

Der April 2020 bringt ja echt einige Überraschungen mit sich. Chimera Squad war eine der wenigen positiven darunter, denn mit dem Blitzrelease eines vollwertigen Xcoms habe ich nicht gerechnet. Die Reihe gehört seit dem Reboot zu meinen Lieblingsspielen und Chimera Squad macht zwar manches anders, ist aber ein klasse Ableger der Serie. Das ein reiner Abklatsch heute nicht mehr genügt, hat das Xcom Urgestein Julian Gollop mit Phoenix Point gezeigt, der zwar DAS Spiel für Xcom Puristen geschaffen hat, aber einen neuen Wind bringt erst das hauseigene Chimera Squad, das sich ganz nebenbei auch viel besser für Genreeinsteiger eignet. Ich bin Fan, denn abgesehen von fast genretypischen Scherereien mit der Kamera und etwas unsicheren Ragdolls gibt es keine großen Mängel.

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